SZ

Ökohaus von Franz Wilam
Klimaschutz wird mit höheren Steuern "bestraft"

Franz Wilam ärgert sich: Seit Jahrzehnten arbeitet er daran, den ökologischen Fußabdruck seines Hauses immer weiter zu verkleinern. Für die Grundsteuer muss er deshalb aber tiefer in die Tasche greifen.
  • Franz Wilam ärgert sich: Seit Jahrzehnten arbeitet er daran, den ökologischen Fußabdruck seines Hauses immer weiter zu verkleinern. Für die Grundsteuer muss er deshalb aber tiefer in die Tasche greifen.
  • Foto: Jan Schäfer
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

js Siegen-Sohlbach. Das Haus von Franz Wilam ist preisgekrönt. Im Dezember 2017 erhielt der Sohlbacher den Klimaschutzpreis der Stadt Siegen für die Energieeinsparungen, die er durch die Optimierung seiner Heizungsanlage und den Einsatz regenerativer Ressourcen erreicht hat. Das Lächeln, das er seinerzeit für das Gruppenbild der Preisträger mit Sponsoren und Verwaltungsspitze aufsetzte, ist ihm seither abhanden gekommen. Inzwischen fühlt sich der 73-Jährige für sein Klimaschutz-Engagement ein wenig abgestraft, ärgert sich über die Stadt Siegen. Denn: Die ökologische Aufwertung seines Eigenheims bedeutet für ihn eine deutlich erhöhte Grundsteuer.

js Siegen-Sohlbach. Das Haus von Franz Wilam ist preisgekrönt. Im Dezember 2017 erhielt der Sohlbacher den Klimaschutzpreis der Stadt Siegen für die Energieeinsparungen, die er durch die Optimierung seiner Heizungsanlage und den Einsatz regenerativer Ressourcen erreicht hat. Das Lächeln, das er seinerzeit für das Gruppenbild der Preisträger mit Sponsoren und Verwaltungsspitze aufsetzte, ist ihm seither abhanden gekommen. Inzwischen fühlt sich der 73-Jährige für sein Klimaschutz-Engagement ein wenig abgestraft, ärgert sich über die Stadt Siegen. Denn: Die ökologische Aufwertung seines Eigenheims bedeutet für ihn eine deutlich erhöhte Grundsteuer.

1983 errichtetes Haus in Sohlbach ist energetisch bald autark

Von Anfang an habe er Wert darauf gelegt, sein 1983 errichtetes Haus möglichst ökologisch verträglich zu halten – schon zu Zeiten, in denen er damit weit und breit allein war. Nach und nach setzte Franz Wilam auf neue Technik, installierte Röhrenkollektoren und Solarzellen, rüstete seine Heizunganlage Stück für Stück um – mit einer Wärmepumpe und einem Pufferspeicher mit intelligenter Steuerung. Schrittweise macht sich der Sohlbacher unabhängig von externen Energielieferungen. Seine bereits installierte Photovoltaikanlage hat einen Peak von 4 Kilowatt; wenn die geplante zweite Ausbaustufe in Kürze montiert ist, wird die Leistung das Doppelte erreichen. „Bald bin ich in Sachen Energie autark“, freut sich der gelernte Maschinenbautechniker, der wo immer möglich auf Eigenleistung setzt – und entsprechend schnell mit einer Amortisierung seiner Investitionen rechnet. Gern zeigt er Interessierten, welches technische Konzept er ausgeklügelt hat.

Grundsteuer B deutlich gestiegen

So weit, so gut. Die Energiequelle, aus der sich der momentane Ärger des Rentners speist, ist behördlicher Natur. Da er für die PV-Anlage sein ausgerechnet in nördliche Richtung geneigtes Pultdach um einige Grad anheben lassen musste, sind darunter ein paar Quadratmeter Stauraum entstanden. Diese könnten prinzipiell auch zu Wohnzwecken umgebaut werden und führten damit zu einer Neubewertung der Immobilie. Seit Januar 2017 ist der Einheitswert seines Hauses um fast 20 Prozent höher als zuvor – analog dazu fallen die Bescheide für die Grundsteuer B aus. „Meine Nachbarn zahlen zum Teil nur die Hälfte meiner Steuer“, moniert Wilam.

Stadt Siegen sind die Hände gebunden

Sowohl gegenüber der Stadtverwaltung als auch bei diversen Politikern hat er seine Kritik geäußert – gebracht hat ihm das nichts. Denn: Der Stadt, so heißt es auf SZ-Anfrage aus dem Rathaus, seien „in dieser Angelegenheit leider die Hände gebunden“. Kämmerer Wolfgang Cavelius habe Franz Wilam bereits mitgeteilt, dass die Grundlage für die Veranlagung zur Grundsteuer der Einheitswert- und Grundsteuermessbescheid des Finanzamtes Siegen sei. „Einwendungen, die sich gegen die Steuerpflicht als solche, gegen den Steuermessbetrag richten, sind daher nicht bei der Stadt Siegen, sondern unmittelbar bei dem Finanzamt anzubringen, das den Einheitswert- und Grundsteuermessbescheid erlassen hat.“
Bei der Berechnung und Festsetzung der Grundsteuer B ist die Verwaltung an den Messbetrag gebunden, den das Finanzamt ermittelt. „Dieser Messbetrag wird hier abschließend mit dem durch Satzung festgesetzten Hebesatz multipliziert.“ In Siegen liegt dieser derzeit bei 435 Prozent. Es gebe daher keinerlei Spielraum für die Berücksichtigung etwaiger Besonderheiten, teilt die Verwaltung mit.
Franz Wilam sieht das anders, er vermisst kreativen Willen im Rathaus. Bei der Besteuerung von Autos spiele die Klimabilanz sehr wohl eine Rolle, auch in der Industrie gebe es den CO2-Handel. „Dreckschleudern“ würden schlechter gestellt als diejenigen, die dem Klima weniger Schaden zufügten. So etwas müsse seiner Auffassung nach auch bei Häusern möglich sein. „Man könnte beispielsweise für Ökohäuser einen anderen Hebesatz anwenden“, schlägt der Sohlbacher vor.

"Man muss die Leute doch belohnen, nicht aber bestrafen"

Dies sei nötig, meint er insbesondere mit Blick auf die anstehende Grundsteuerreform, die 2025 in Kraft treten wird – und von der er sich kaum Vorteile erhofft. Wilam: „Man muss Leute für ihre Investitionen in den Klimaschutz doch belohnen, nicht aber bestrafen.“ Sonst würden diese eher abgeschreckt. Und genau das, findet der Sohlbacher, könne sich unsere Gesellschaft nicht leisten.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

7 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo.

SZ+ informiert schnell und gut
Mit dem Frühlings-Abo drei Monate sparen

Der Frühling hat - kalendarisch- begonnen und die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo. Verlässliche Informationen trotz unruhiger Corona-LageIn diesem einmal mehr besonderen Jahr sehnen sich viele Menschen noch mehr nach den ersten Frühlingsboten. Ist doch mit den steigenden Temperaturen, den kräftiger werdenden Sonnenstrahlen und dem Aufblühen der Natur im zweiten Jahr der Corona-Pandemie noch mehr Hoffnung verbunden als...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen