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2021 sorgt für schlechte finanzielle Ausstattung
Kliniken kämpfen um Personal und Geld

Viele Kliniken in Deutschland rechnen im abgelaufenen Jahr mit wirtschaftlichen Verlusten. Auch in unserer Region haben die Krankenhäuser zu kämpfen.
  • Viele Kliniken in Deutschland rechnen im abgelaufenen Jahr mit wirtschaftlichen Verlusten. Auch in unserer Region haben die Krankenhäuser zu kämpfen.
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  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

tip Siegen. Viele Kliniken in Deutschland rechnen im abgelaufenen Jahr mit wirtschaftlichen Verlusten. Zudem hat sich die Personalsituation in der Pflege zugespitzt, wie das jetzt veröffentlichte Krankenhaus-Barometer des Deutschen Krankenhausinstituts (DIK) ergab. Vier von fünf Kliniken haben demnach Probleme, offene Pflegestellen zu besetzen. Auch in unserer Region haben die Krankenhäuser zu kämpfen – um Personal und Geld.
Hans-Jürgen Winkelmann, Hauptgeschäftsführer der Marien-Gesellschaft Siegen, findet klare Worte: „Das Barometer liefert ein realistisches Bild der Lage. Da kann man keine Schönmalerei betreiben.“ Bezogen auf das St.-Marien-Krankenhaus spricht Winkelmann von einem bilanziell „deutlich schlechteren“ Jahr 2021 im Vergleich zu 2020.

tip Siegen. Viele Kliniken in Deutschland rechnen im abgelaufenen Jahr mit wirtschaftlichen Verlusten. Zudem hat sich die Personalsituation in der Pflege zugespitzt, wie das jetzt veröffentlichte Krankenhaus-Barometer des Deutschen Krankenhausinstituts (DIK) ergab. Vier von fünf Kliniken haben demnach Probleme, offene Pflegestellen zu besetzen. Auch in unserer Region haben die Krankenhäuser zu kämpfen – um Personal und Geld.
Hans-Jürgen Winkelmann, Hauptgeschäftsführer der Marien-Gesellschaft Siegen, findet klare Worte: „Das Barometer liefert ein realistisches Bild der Lage. Da kann man keine Schönmalerei betreiben.“ Bezogen auf das St.-Marien-Krankenhaus spricht Winkelmann von einem bilanziell „deutlich schlechteren“ Jahr 2021 im Vergleich zu 2020.

Corona ist der Brandbeschleuniger,
der uns vor Augen führt,
dass etwas generell nicht stimmt.
Hans-Jürgen Winkelmann
Hauptgeschäftsführer
Marien-Gesellschaft Siegen

 „Freihaltepauschale“ kann Löcher nicht stopfen

Dafür gebe es zahlreiche Gründe. Unter anderem könne die sogenannte „Freihaltepauschale“ für bereitgehaltene Behandlungskapazitäten, gezahlt durch das Land Nordrhein-Westfalen, die Löcher nicht stopfen. Mehr noch: 2020 sei diese Pauschale in der Lage gewesen, die schlechte finanzielle Lage der Krankenhäuser zu kaschieren. Ab diesem Jahr mussten die Pauschalen aber einem Ausgleich zugeführt werden. Jetzt treten die Lücken offen zutage.

Laufende Projekte und Planungen nicht gefährdet

Das Marien-Krankenhaus habe folglich 2020, wie in den Jahren zuvor auch, laut Winkelmann noch ein „sehr gutes Ergebnis“ zu Buche schlagen gehabt. Die angepeilte Umsatzrendite von mindestens 2 Prozent wäre „problemlos machbar“ gewesen. Diese sei für Ausbau und Investition unbedingt nötig. Für 2021 werde es mit dem Ziel eine „enge Kiste“. Momentan sieht es für das Marien-Krankenhaus eher nach einer schwarzen Null aus. Laufende Projekte und Planungen seien aber nicht gefährdet. Der Hauptgeschäftsführer: „Wir sind ein Haus mit guter Substanz. Erst, wenn die Tendenz über mehrere Jahre die gleiche wäre, müsste man umdenken.“

Fünfte Corona-Welle wird teuer

2022, das ist auch Winkelmann klar, sei Corona-bedingt jedenfalls zunächst mit keinen guten Aussichten gestartet. „Die Haupt- und Spätfolgen der fünften Welle inklusive der Omikron-Variante werden die Erträge auffressen“, ist er sich sicher. Generell, so findet es der Chef des Marien-Krankenhauses, sei das gesamte Finanzierungssystem für Krankenhäuser nicht mehr zeitgemäß. Dies habe nicht zuletzt auch die Pandemie gezeigt, in der man beispielsweise Operationen (und damit äußerst rentable Leistungen) habe verschieben müssen. Stattdessen habe man beispielsweise Einzelzimmer vorhalten müssen. 2019 hätten gerade einmal 25 Prozent der deutschen Krankenhäuser über finanzielle Sorgen geklagt. Nun seien es 60 Prozent. „Die Tendenz ist besorgniserregend und ein deutliches Signal.“

Aktuell 425 Azubis im Pflegebereich

Konkret: Eine leistungsorientierte Bezahlung durch Fallpauschalen funktioniere nicht, so Winkelmann, der als Mitglied des Präsidiums der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen die Probleme der Kliniken bestens kennt. „Corona ist der Brandbeschleuniger, der uns vor Augen führt, dass etwas generell nicht stimmt.“ Auch die bundesweiten Personalengpässe spüre man in Siegen. „Wer etwas anderes behauptet, der sagt nicht die ganze Wahrheit“, sagt Winkelmann. Im Bildungsinstitut für Gesundheitsberufe Südwestfalen (BiGS) auf dem Siegener Wellersberg bilde man aktuell 425 Azubis in der Pflege aus. Doch dies fange gerade einmal den Teil des Personals auf, das altersbedingt in den Ruhestand gehe.

Mehr Vollzeit-Pflegestellen im Stilling

Keine Schönrederei also von Seiten des Marien-Krankenhauses. Zur finanziellen Lage des Jung-Stilling-Krankenhauses gab es auf Anfrage der SZ keine Auskunft. Zur personellen Situation teilt Dr. Josef Rosenbauer, Geschäftsführer der Diakonie in Südwestfalen als Träger des Jung-Stilling-Krankenhauses, mit: „Im Pflegedienst ist der Anteil der Vollzeit-Stellen von Januar bis November um knapp 40 gewachsen und besetzt worden. Wir wachsen stetig – personell und räumlich, durch den derzeit laufenden Anbau des Klinikums.“ Das Kreisklinikum Siegen konnte nach eigenen Angaben zum Zeitpunkt unserer Anfrage keine Auskunft zur Bilanz 2021 geben.

Autor:

Tim Plachner

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