Kniegelenk und Verschleiß

Dr. Patrick Sweeney referierte beim Forum Gesundheit

sz Siegen. Was hilft bei Kniegelenkverschleiß? Dieser Frage ging jetzt Dr. Patrick Sweeney, Chefarzt der Chirurgie im Freudenberger Krankenhaus Bethesda, beim Siegener Forum Gesundheit nach. Zunächst erklärte der Chirurg seinen Zuhörern, dass bei einer Arthrose die Knorpelschicht eines Gelenks erkranke. Gelenke, die einen Großteil des gesamten Körpergewichts tragen müssten, wie das Knie oder die Hüfte, seien besonders anfällig für eine Arthrose. Die häufigsten Ursachen für eine Kniegelenkarthrose seien Übergewicht, Rheuma, eine Fehlstellung des Gelenks, vorausgegangene Verletzungen oder die Entfernung des Meniskus.

Die Therapiemöglichkeiten, so Sweeney laut Pressemitteilung, sind ähnlich vielfältig wie die Ursachen für die Kniegelenkarthrose, Nichtoperativ reichten sie von der Gewichtsreduktion über Maßnahmen am Schuh bis zu Medikamenten oder Injektionen ins Kniegelenk. Lasse sich eine Operation nicht mehr vermeiden, müssten Arzt und Patient entscheiden, ob die OP gelenkerhaltend erfolgen könne. Dabei würden z.B. die Gelenkknochen umgestellt oder es werde gezüchtetes, körpereigenes Knorpelgewebe in das Gelenk verpflanzt. Auch beim Gelenkersatz gebe es unterschiedliche Therapievarianten.

Sweeney betonte, dass eine Kniegelenkprothese bei einem jüngeren Menschen die Ärzte vor besondere Herausforderungen stelle. »Der Austausch der Prothese wird von Wechsel zu Wechsel technisch schwieriger. Und auch der Zeitraum, in dem die Prothese hält, wird kürzer. Zudem erhöht sich das Risiko, dass das Kniegelenk im Alter versteift, wenn in jungen Jahren eine Prothese implantiert werden muss«, erklärte der Freudenberger Chirurg. Trotzdem erteilte er der Theorie, ein künstliches Kniegelenk erst ab einem bestimmten Mindestalter zu implantieren, eine Absage: »Es wäre unmenschlich, einem 45-Jährigen, der massiv unter dem Verschleiß seines Kniegelenks leidet, zu sagen, kommen Sie in 15 oder 20 Jahren zur OP vorbei; bis dahin müssen Sie sich mit Schmerzmitteln behelfen.«

Jeder Mensch mit einem künstlichen Kniegelenk sollte sich viel bewegen, vor allem laufen, schwimmen oder Fahrrad fahren. »Eine zu starke Belastung des Gelenks kann zur vorzeitigen Lockerung der Prothese führen. Zu wenig Bewegung kann Knochenschwund verursachen, was ebenfalls eine Lockerung der Prothese nach sich ziehen würde«, machte Sweeney klar. Überhaupt müsse der Erwartungshorizont des Patienten vor der Operation den realistischen Möglichkeiten entsprechen. »In jedem Fall«, so Sweeney, »ist der Kniegelenkersatz bei vielen Beschwerden durch Kniegelenkverschleiß eine gute und häufig auch die einzige Therapiemethode und ermöglicht ein zufriedenes Leben mit der Arthrose.«

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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