Knöllchen an SSI-Schäfer verteilt

 Donnerstagmorgen auf der Schotterfläche, die bereits vor Jahren vom Neunkirchener Unternehmen SSI-Schäfer in einem Landschaftsschutzgebiet ohne Genehmigung der Behörden errichtet wurde. Obwohl die Kreisverwaltung eine Nutzungsuntersagung erlassen hat, wird auf der Talseite der Fläche weiterhin fleißig geparkt. Foto: Dirk Manderbach
  • Donnerstagmorgen auf der Schotterfläche, die bereits vor Jahren vom Neunkirchener Unternehmen SSI-Schäfer in einem Landschaftsschutzgebiet ohne Genehmigung der Behörden errichtet wurde. Obwohl die Kreisverwaltung eine Nutzungsuntersagung erlassen hat, wird auf der Talseite der Fläche weiterhin fleißig geparkt. Foto: Dirk Manderbach
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dima - Wer falsch parkt, muss mit einem Knöllchen rechnen. Und wer im großen Stil falsch parkt, der muss mit großen Knöllchen rechnen. Regelmäßig kontrolliert die Kreisverwaltung Siegen-Wittgenstein das Parkverhalten der Lkw und Auflieger auf der Schotterfläche im Talraum des Wildenbaches bei Salchendorf. Die Falschparker stehen hier auf dem bisher nicht genehmigten Parkplatz des Neunkirchener Unternehmens SSI-Schäfer. Bei der Fläche von mindestens 2500 Quadratmetern handelt es sich um einen gänzlich ungenehmigt angeschütteten Parkplatz, inmitten eines Landschaftsschutzgebietes, inmitten des Lebensraumes eines per europäischem Gesetz besonders geschützten Schmetterlings.

Was bereits 2015 für Turbulenzen im Neunkirchener Rathaus und in der Kreisverwaltung sorgte, fand seine Fortsetzung am Mittwoch im Rahmen der jüngsten Sitzung des Landschaftsbeirates, die in Geisweid stattfand. Dessen Vorsitzende Helga Düben verlas vor dem Gremium eine von ihr jüngst formulierte Anfrage an die Kreisverwaltung. Darin rekapitulierte die Naturschützerin noch einmal das Geschehen, über das die SZ damals ausführlich berichtete hatte. Die Gemeinde Neunkirchen habe mit der Änderung des Flächennutzungsplanes und der Neuaufstellung eines Bebauungsplanes versucht, einen nicht genehmigten Eingriff in geschützte Wiesen im Talraum des Wildenbaches im Nachhinein zu legalisieren, so Düben. Gemeint war der Bau des Lkw-Parkplatzes des Neunkirchener Unternehmens SSI-Schäfer im Lebensraum des streng geschützten Ameisenbläulings, eines Schmetterlinges, der auf die feuchten Wiesen des Talraumes angewiesen ist.

Die Untere Landschaftsbehörde hätte hierzu eine naturschutzrechtliche Befreiung nachträglich erteilen müssen, da der Parkplatz zum Zeitpunkt des Verfahrens bereits seit Jahren angeschüttet war. Die Vorsitzende des Landschaftsbeirates wollte deshalb von der Kreisverwaltung wissen: „Ist dies zwischenzeitlich erfolgt?“ Und weiter: „Wurde gegen den bekannten Verursacher ordnungsrechtlich vorgegangen?“ Die schriftliche Antwort der Unteren Landschaftsbehörde lautete: „Das Bauleitverfahren ist immer noch nicht abgeschlossen. Eine Genehmigung (Ausnahme oder Befreiung) ist nicht erteilt worden. Es wurde eine Nutzungsuntersagung erlassen.“

Wie die SZ am Donnerstagmorgen per Foto dokumentieren konnte, scheinen die Bemühungen der Kreisverwaltung keinen Erfolg gehabt zu haben. Der Lebensraum des Ameisenbläulings liegt immer noch meterhoch unter Schotter begraben und obenauf parken zahlreiche Lkw. Wie die Kreisverwaltung gestern auf Nachfrage der SZ berichtete, wird die Einhaltung der Nutzungsuntersagung regelmäßig kontrolliert. Dabei seien immer wieder Verstöße festgestellt worden. Schon mehrfach seien Bußgelder eingefordert worden, deren Höhe steigere sich dabei von Mal zu Mal. Die Planungsangelegenheit liege allerdings in den Händen der Gemeinde Neunkirchen, so Kreis-Pressesprecher Torsten Manges gegenüber der SZ. In deren Hand liege es jetzt, die Angelegenheit zu legalisieren.

„Wir stehen mit SSI-Schäfer in Kontakt“, sagte der Neunkirchener Baudezernent Wolfgang Weber. Bekannt sei, dass der Kreis einen Baustopp für den Weiterbau des Parkplatzes erlassen habe. Er selbst habe schon beobachtet, dass auf den Parkflächen Flatterband geweht habe. Es gebe auch Flächen, auf denen geparkt werden dürfe. Zum Beispiel entlang des Waldes. Jedoch nicht auf der Talseite der Schotterfläche. Man prüfe Maßnahmen im Rahmen des üblichen Bauleitplanverfahrens. In diesem Fall müsste zuerst der Flächennutzungsplan geändert werden. Bauplanungsrechtlich sei fast alles geregelt.

Was fehle, sei eine mögliche Ausgleichsregelung für den Eingriff in den Lebensraum des Ameisenbläulings. Dazu habe man Wiesen in der Umgebung gesucht und gefunden, auf denen der Ameisenbläuling bereits fliege. Diese Flächen, die sich im Besitz von Landwirten befänden, sollten gesichert werden. Das Ganze soll dann als Ausgleichsmaßnahme in den Flächennutzungsplan übernommen werden. Auf diese Weise wolle man den von SSI-Schäfer vernichteten Lebensraum des Bläulings ersetzen, so Weber. „Wir sind gewillt, dass wir da klare Verhältnisse benommen.“ Aber auch auf den Restflächen am Rand des Schotterparkplatzes habe der Schmetterling überlebt. Hier habe man im Rahmen eines Gutachtens noch zwölf Paare der seltenen Art festgestellt. Bleibt die Frage, wie man mit dem bloßen Erhalt von bereits vorhandenen Wiesen die vernichtete Lebensraum-Fläche ausgleichen möchte. Rein rechnerisch dürfte das einem Zaubertrick gleichen. Dirk Manderbach

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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