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Stimmungsbild aus der Region
Kommt der harte Lockdown?

Kommt nach Weihnachten der harte Lockdown? Die heimische Gastronomie zuckt bei dieser Frage fast schon mit den Schultern - viel schlimmer könne es ohnehin kaum noch kommen, meinen Gastwirte aus der Region.
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sz/sabe/juka/ap/js Siegen. Der Ruf nach einem harten Corona-Lockdown in der Zeit nach Weihnachten wird lauter. Nach der nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina plädieren auch immer mehr Politiker dafür, im Kampf gegen die hohen Infektionszahlen nach den Festtagen einschneidende Einschränkungen zu erlassen. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sprach sich dafür aus, die Zeit nach Weihnachten zu nutzen, um das öffentliche Leben weitgehend herunterzufahren. „Wir brauchen nach Weihnachten einen echten Jahreswechsel-Lockdown, um uns für 2021 wieder eine Perspektive hin zu mehr Normalität zu erarbeiten“, sagte er.

sz/sabe/juka/ap/js Siegen. Der Ruf nach einem harten Corona-Lockdown in der Zeit nach Weihnachten wird lauter. Nach der nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina plädieren auch immer mehr Politiker dafür, im Kampf gegen die hohen Infektionszahlen nach den Festtagen einschneidende Einschränkungen zu erlassen. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sprach sich dafür aus, die Zeit nach Weihnachten zu nutzen, um das öffentliche Leben weitgehend herunterzufahren. „Wir brauchen nach Weihnachten einen echten Jahreswechsel-Lockdown, um uns für 2021 wieder eine Perspektive hin zu mehr Normalität zu erarbeiten“, sagte er. „Von Weihnachten bis zum Ende der Ferien im neuen Jahr kann das Land am ehesten komplett heruntergefahren und so die Ausbreitung der Pandemie effektiv gestoppt werden“, betonte Laschet. „Zugleich halten wir in diesen Wochen die Schäden für Bildungschancen von Kindern sowie für Wirtschaft und Arbeitsplätze so gering wie in keiner anderen Zeit des Jahres.“ Was halten die Menschen der Region vom Laschet-Vorstoß? Wie stehen einzelne Wirtschaftszweige und Branchen dem Maßnahmenvorschlag gegenüber? Ein Stimmungsbild.

Große Ängste im Einzelhandel

„Das ist für den Handel existenzgefährdend“, schickt Karina Brühmann vom Handelsverband Südwestfalen mit Blick auf einen möglichen kompletten Lockdown nach Weihnachten vorweg. „Wir bedauern das sehr, denn die Einzelhändler haben sehr große Anstrengungen unternommen, damit keine Ansteckungsgefahr entsteht“, erläutert Brühmann gegenüber der Siegener Zeitung.
November und Dezember seien die beiden wichtigsten Monate für die Branche, besonders aber die Zeit unmittelbar nach Weihnachten sei die umsatzstärkste Zeit des Jahres. „Viele Menschen bekommen Gutscheine oder Geld geschenkt und wollen dann in Ruhe einkaufen gehen“, erklärt Brühmann, die im Falle eines harten Lockdowns eine Ballung in der Vorweihnachtszeit befürchtet. Zudem müsse man dann schauen, welche Hilfen gewährt werden, um Existenzen zu retten.

Stoische Resignation in der Gastronomie

Einem eventuellen Jahreswechsel-Lockdown begegnet die gebeutelte Gastroszene mit stoischer Resignation. Das zumindest zeigt das Meinungsbild nach ersten Gesprächen mit der Branche. „Wir sind ohnehin zu. In weiten Teilen wird sich nicht viel ändern. Viel härter kann es uns eigentlich gar nicht treffen“, sagt Lars Martin. Der stellv. Dehoga-Hauptgeschäftsführer bringt damit die Gedanken vieler auf den Punkt. „Das Außerhausgeschäft würde vermutlich weiterlaufen“, und das sei auch sehr sinnvoll. Das jetzt, StandMittwoch, erste Gespräche darüber geführt werden, vom leichten zum harten Lockdown zu wechseln, kommt für Burkhard Otterbach nicht überraschend. Der Gastronom geht davon aus, dass vor Februar keine Steaks gebrutzelt und keine Gäste umsorgt werden können. Die Stimmung im Sebastian’s-Steakhouse-Team: sich fügend, das beste daraus machend. „Eine andere Chance haben wir nicht.“ Seine Prognosen für die Gastro-Branche: „Wir werden 30 bis 40 Prozent Insolvenzen haben.“ Der Knackpunkt: Viele bräuchten die versprochenen Überbrückungshilfen jetzt. Bezüglich der Novemberhilfen, die im Januar ausgezahlt werden sollen, mahnt er: „Wenn die Gelder endlich kommen, kann es für einige zu spät sein. Das ist das, was den Leuten Angst macht.“

Auch Savo Rudan von Sascha’s Kochschmiede in Wilnsdorf trägt die politische Eventualität mit (bereits geübter) Fassung: „Wir müssen damit leben, versuchen unser Bestes und machen weiter wie bisher.“ Heißt: Die bisherigen Konzepte wie Außer-Haus-Verkäufe sind geübt und bleiben bestehen. Trotzdem, schön zu reden gibt es nichts: „2020 hat uns alle richtig getroffen. Oft waren die Lockdown-Monate auch gerade die, die sonst mit die stärksten waren. April, November, Dezember ...“

Krankenhäuser sind gewappnet

Engpässe auf den Stationen gibt es in den Kreisgebieten anscheinend (noch) nicht. Derzeit müssen in Siegen-Wittgenstein 30 Personen in einem Krankenhaus behandelt werden, sieben davon auf der Intensivstation.
„Wir haben noch viel Raum nach oben“, erklärt auch Sarah Scholz-Klapp vom St.-Martinus-Hospital, „den wir aber hoffentlich nicht benötigen werden“. Momentan werden in dem Olper Krankenhaus 15 Corona-Patienten auf der normalen Isolierstation und ein Erkrankter auf der Intensivstation behandelt. „Insgesamt haben wir 13 Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit, die auf 18 aufgestockt werden können. Hinzu kommen neun Betten ohne Beatmungsgerät“, so Scholz-Klapp.
Auch im Siegener St.-Marien-Krankenhaus wird die pandemische Entwicklung sehr aufmerksam beobachtet. Wie Dr. Christian Stoffers auf SZ-Nachfrage mitteilt, sei zwar nach aktuellem Stand keine weitere Anpassung der Regelungen für Besucher geplant – dies könne sich jedoch nach Maßgabe höherer Stellen jederzeit ändern, betont der Pressesprecher. Sollte sich das Pandemie-Geschehen in den nächsten Tagen und Wochen weiter zuspitzen, halte er einen harten Lockdown für sinnvoll, um die Intensivstationen zu entlasten.
Weniger Auslastung gebe es zum Jahresende auch auf den normalen Stationen. „Wir gehen davon aus, dass die sogenannten elektiven Leistungen, also planbare Operationen, ohnehin zum Weihnachtsfest hin rückläufig sein werden. Die wenigsten Menschen möchten die Festtage im Krankenhaus verbringen“, sagt Stoffers. „Verständlicherweise.“

Verwaltungschefs setzen auf verantwortungsvolle Bürger

Verschärfte, landesweit einheitliche Corona-Maßnahmen für einen überschaubaren Zeitraum hält Siegens Bürgermeister Steffen Mues „in jedem Fall für sinnvoll“. „Es gibt Regionen, in denen die Krankenhauskapazitäten erschöpft sind. „Das müssen wir in Siegen unbedingt vermeiden!“ Ein unmittelbar nach Weihnachten einsetzender harter Lockdown für relativ kurze Zeit könne helfen, die Infektionszahlen zu drücken. Entscheidend: Der Lockdown müsse den Bürgern verlässlich und nachvollziehbar kommuniziert werden und dürfe sich nicht über Monate hinziehen, ohne erkennbare Ergebnisse, aber zum Schaden der heimischen Wirtschaft.
Dr. Peter Enders, Landrat des Kreises Altenkirchen: „Familien müssen verantwortungsvoll mit den Lockdown-Regeln umgehen, wie sie derzeit gelten, und den Kreis ihrer Feierlichkeiten auf das Maß beschränken, das erlaubt ist – wobei es nicht einfacher wird, wenn in den Bundesländern unterschiedliche Regeln beschlossen werden. Eine Lockdown-Verschärfung gibt uns die Chance, die Infektionszahlen erkennbar zu senken.“ Eine Verschärfung brauche aber Akzeptanz, das setze klare und einheitliche Regeln voraus.
„Die bundesweiten Infektionszahlen zeigen, dass weitere Maßnahmen nötig sind“, sagt Peter Weber, Bürgermeister der Stadt Olpe. Die Zeit des Jahreswechsels zu nutzen, ist aus seiner Sicht am ehesten vertretbar, da die Schulen geschlossen seien. Dringend geboten sei es, private Kontakte noch weiter zu reduzieren. Im ureigensten Interesse müsse jeder für sich selbst einen verantwortungsvollen Umgang finden.

SZ-Umfrage: "Ja" zu schärferen Maßnahmen

Die Zahlen stützen den Laschet-Vorstoß. In einer nicht repräsentativen SZ-Umfrage haben wir nach Ihrer Meinung zum „Jahreswechsel-Lockdown“ gefragt. Die Ergebnisse zeigen ein eindeutiges Stimmungsbild. Von 223 Teilnehmern stimmten 134 (60,9 Prozent) für einen neuerlichen harten Lockdown, 84 (37,67 Prozent) stimmten dagegen. 2,24 Prozent zeigten sich unentschlossen.

Kommt nach Weihnachten der harte Lockdown? Die heimische Gastronomie zuckt bei dieser Frage fast schon mit den Schultern - viel schlimmer könne es ohnehin kaum noch kommen, meinen Gastwirte aus der Region.
Siegen-City als "Geisterstadt" - so sah es im März dieses Jahres im Zentrum der Krönchenstadt aus.
Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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