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Kommunen rüsten wieder nach
Kommt die Sirene zurück?

13 000 Euro hat die Rundstrahler-Sirene an der Siegener Hauptwache gekostet. Die Stadt will bis Jahresende noch zwei weitere Sirenen aufbauen, um Lücken zu schließen.
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  • 13 000 Euro hat die Rundstrahler-Sirene an der Siegener Hauptwache gekostet. Die Stadt will bis Jahresende noch zwei weitere Sirenen aufbauen, um Lücken zu schließen.
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tip Siegen/Bad Berleburg. Die Vizepräsidentin des Technischen Hilfswerks (THW), Sabine Lackner, will angesichts der Kritik an fehlenden und rechtzeitigen Warnungen vor der Flutkatastrophe „vermeintlich Altmodisches“ wieder aufleben lassen. Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht gar von der „guten alten Sirene“ als wirksamem Teil der Warn-Infrastruktur. In Siegen-Wittgenstein bietet sich nach SZ-Recherchen dazu kein eindeutiges Bild.

Die letzten Zahlen zur Sirenen-Ausstattung, die im Kreishaus vorliegen, stammen aus 2019. 156 funktionstüchtige, stationäre Sirenen meldeten die Kommunen nach einer Abfrage damals an die Behörde. Und da liegt auch schon ein Teil der Crux: Denn die Kommunen selbst sind für die Warn-Infrastruktur zuständig.

tip Siegen/Bad Berleburg. Die Vizepräsidentin des Technischen Hilfswerks (THW), Sabine Lackner, will angesichts der Kritik an fehlenden und rechtzeitigen Warnungen vor der Flutkatastrophe „vermeintlich Altmodisches“ wieder aufleben lassen. Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht gar von der „guten alten Sirene“ als wirksamem Teil der Warn-Infrastruktur. In Siegen-Wittgenstein bietet sich nach SZ-Recherchen dazu kein eindeutiges Bild.

Die letzten Zahlen zur Sirenen-Ausstattung, die im Kreishaus vorliegen, stammen aus 2019. 156 funktionstüchtige, stationäre Sirenen meldeten die Kommunen nach einer Abfrage damals an die Behörde. Und da liegt auch schon ein Teil der Crux: Denn die Kommunen selbst sind für die Warn-Infrastruktur zuständig. „In den Städten und Gemeinden wurden in der Vergangenheit unterschiedliche Entscheidungen getroffen, wie mit dem Thema umgegangen werden soll“, berichtet Matthias Ebertz, Leiter der Feuerwehr Siegen.

"Eine bessere und zuverlässigere Warnmethode
als die Sirene ist mir persönlich auch noch nicht eingefallen."

Matthias Ebertz
Leiter Feuerwehr Siegen

Für das Gebiet der Krönchenstadt kann dieser 62 Sirenen vermelden. Obwohl es in den 90er-Jahren Bestrebungen gegeben habe, die vermeintlich „alte“ Technik einzustellen, sei dies in Siegen nie passiert. „Wir haben nichts abgebaut. Denn, ehrlich gesagt, eine bessere und zuverlässigere Warnmethode als die Sirene ist mir persönlich bei Katastrophenlagen auch noch nicht eingefallen“, sagt Ebertz.

In Siegen in Sirenen investiert

Und so wurde in Siegen investiert und ausgebaut. 15 der 62 Sirenen sind beispielsweise bereits mit Solarmodulen – und damit von der klassischen Stromversorgung unabhängig – ausgestattet. „Das wird auch künftig der Weg sein, wenn ältere Sirenen ausgetauscht werden müssen“, teilt der Siegener Feuerwehrleiter mit. Für dieses Jahr sind noch weitere Investitionen geplant. Auch, um „Löcher zu stopfen“. Denn einen flächendeckenden, akustischen Warn-Teppich gibt es laut Ebertz aktuell noch nicht. „Siegen hat aufgrund der zahlreichen Hanglagen und Bergen da topographische Nachteile.“

Moderne Fenster, die einen guten Schallschutz aufweisen, seien ein zusätzliches Problem geworden, vor allem für ältere Sirenen-Anlagen. Im Bereich Leimbachtal / nördlicher Rosterberg und am Kornberg will man noch bis Jahresende nachrüsten. Ein, wenn auch dringend nötiges, kostspieliges Unterfangen. Der Rundstrahler an der Siegener Hauptwache hat beispielsweise rund 13 000 Euro gekostet. Dennoch ist das Motto laut Ebertz: „Mehr Sirenen, lautere Sirenen.“

Gute Einsatzbereitschaft der Sirenenstruktur

Andere Kommunen in Siegen-Wittgenstein melden ebenfalls eine gute Einsatzbereitschaft ihrer Sirenenstruktur: „Das Netz in Neunkirchen ist flächendeckend. Es wurde durchgängig aufrechterhalten und gepflegt“, erklärte Thilo Edelmann, im Neunkirchener Rathaus unter anderem zuständig für das Ressort Feuerwehr, im September 2020. Gleiches gilt für Erndtebrück: In der Edergemeinde wurden alle analogen Sirenen ertüchtigt.

Die gute, alte Sirene in der Nähe der Wilnsdorfer Grundschule ist noch immer funktionstüchtig.
  • Die gute, alte Sirene in der Nähe der Wilnsdorfer Grundschule ist noch immer funktionstüchtig.
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Wilnsdorf reagierte Mitte 2020, nachdem Tests gezeigt hatten, dass mobile Anlagen nur unzureichend Aufmerksamkeit in der Bevölkerung erzielt hatten. Die pilzförmigen Anlagen auf den Dächern wurden daraufhin mit einer zusätzlichen Stromversorgung ausgerüstet. Nachholbedarf gibt es seitdem allerdings immer noch in Obersdorf, Rinsdorf und Niederdielfen, wo man mangels Alternativen im Falle des Falles weiterhin auf mobile Anlagen setzen muss. Eine Lösung ist nun endlich, nach rund einem Jahr, in Sicht: „Auftragserteilung, Lieferung und Installation von Trichtersirenen mit digitaler Funkansteuerung sind bis Jahresende vorgesehen“, teilt die Gemeinde mit..

Stationäre Sirenen um mobile Sirenen ergänzt

In Freudenberg müssen nach Auskunft aus dem Rathaus die 13 stationären Sirenen ebenfalls um vier mobile der Feuerwehren ergänzt werden. Anders sei eine flächendeckende Warnung nicht möglich. In Bad Berleburg befindet man sich nach SZ-Anfrage „im Wiederaufbau eines ortsfesten Sirenen-Netzes“. Die Maßnahme sei Teil eines „Warn-Konzeptes“. Dies stammt allerdings schon aus dem Jahr 2018. Zusätzlich, so Sprecher Timo Karl, sei die Feuerwehr mit sieben mobilen Anlagen ausgestattet.

Die Karte zeigt die akustische Abdeckung der Sirenen im Siegener Stadtgebiet.
  • Die Karte zeigt die akustische Abdeckung der Sirenen im Siegener Stadtgebiet.
  • Foto: /Screenshot
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Alle Kommunen beriefen sich auch auf andere Warnsysteme: Hier wurden vor allem die Apps „NINA“ und „Katwarn“ genannt. Doch wenn, wie bei der jüngsten Unwetter-Katastrophe, binnen Minuten Strom- und Sendemasten weggerissen werden, bleiben diese stumm. Auch aus diesem Grund wirbt der deutsche Feuerwehrverband darum, weiter bzw. wieder auf Sirenen zu setzen und die Signale in der Bevölkerung besser bekannt zu machen.

Autor:

Tim Plachner

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