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SZ-Interview mit zwei Medizinern
Kommt eine Grippewelle auf uns zu?

Die Grippe ist zurück. Die Fallzahlen sind bisher noch gering, könnten aber nach Einschätzung der Experten in den nächsten Wochen wieder steigen.
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  • Die Grippe ist zurück. Die Fallzahlen sind bisher noch gering, könnten aber nach Einschätzung der Experten in den nächsten Wochen wieder steigen.
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gro Siegen. Seit Corona spielt die typische Influenza, auch bekannt als Grippe, kaum noch eine Rolle. Im vergangenen Winter steckten sich so wenige Menschen mit Influenzaviren an, wie in Deutschland noch nie seit Aufzeichnung der Daten. Die Grippewelle fiel nahezu komplett aus. In diesem Winter aber scheint die Lage eine andere zu sein. Die Arztpraxen füllen sich – nicht nur mit Corona-Patienten, sondern auch mit der normalen Influenza. Die SZ hat sich bei den Allgemeinmedizinern Dr. Martin Mansfeld und Dr. Michael Klock umgehört. Rollt jetzt zusätzlich zu Corona noch eine starke Grippewelle auf uns zu?
Zahl der Influenzapatienten nimmt wieder zuHerr Dr. Klock, können Sie bestätigen, dass derzeit wieder mehr Grippepatienten zu Ihnen in die Praxis kommen?
►Dr.

gro Siegen. Seit Corona spielt die typische Influenza, auch bekannt als Grippe, kaum noch eine Rolle. Im vergangenen Winter steckten sich so wenige Menschen mit Influenzaviren an, wie in Deutschland noch nie seit Aufzeichnung der Daten. Die Grippewelle fiel nahezu komplett aus. In diesem Winter aber scheint die Lage eine andere zu sein. Die Arztpraxen füllen sich – nicht nur mit Corona-Patienten, sondern auch mit der normalen Influenza. Die SZ hat sich bei den Allgemeinmedizinern Dr. Martin Mansfeld und Dr. Michael Klock umgehört. Rollt jetzt zusätzlich zu Corona noch eine starke Grippewelle auf uns zu?

Zahl der Influenzapatienten nimmt wieder zu

Herr Dr. Klock, können Sie bestätigen, dass derzeit wieder mehr Grippepatienten zu Ihnen in die Praxis kommen?
►Dr. Klock: Das ist leider so, ja. Die Zahl der Influenzapatienten nimmt wieder zu. Dennoch gibt es keinen Grund Panik zu schüren, denn es gab vor Corona schon deutlich stärkere Grippejahre. Das liegt auch an den Schutzmaßnahmen. Denn auch im vergangenen Jahr ist die große Grippewelle im Winter nur ausgeblieben, weil wir teilweise im Lockdown waren, kaum soziale Kontakte hatten und permanent die Maske tragen mussten. Die Übertragung von Influenzaviren erfolgt überwiegend durch Tröpfchen – sprich durch Husten und Niesen. Wenn Menschen sich also nicht mehr so häufig begegnen und wir auf Hygiene achten, hat die Grippe normalerweise auch weiterhin einen schweren Stand.

Dennoch könnte die Kollision von Corona-Pandemie und Grippewelle im Praxisalltag zu Problemen führen, oder?
►Dr. Mansfeld: Auf jeden Fall, denn es ist teilweise jetzt schon schwierig, alles zu koordinieren. Dadurch, dass die neue Corona-Variante sich teilweise nur harmlos zeigt, sind die Symptome nicht von einer Influenza zu unterscheiden: Husten, Schnupfen, Halsschmerzen, Heiserkeit und Fieber. Wir müssen also, bevor jemand mit diesen Symptomen in die Praxis kommt, zuallererst einen Schnell- beziehungsweise PCR-Test machen, um andere meist kranke Patienten zu schützen. Wie wir alle jedoch bereits wissen, werden auch die Testkapazitäten knapp. Es werden mehr benötigt, als derzeit produziert werden. Das führt dazu, dass wir jetzt schon nicht mehr das volle Kontingent bekommen. Vorgestern haben wir von 200 bestellten Tests beispielsweise nur 150 bekommen.

Dr. Martin Mansfeld ist Allgemeinmediziner und hat seine eigene Praxis am Siegener Häusling.
  • Dr. Martin Mansfeld ist Allgemeinmediziner und hat seine eigene Praxis am Siegener Häusling.
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Eine Doppelinfektion mit Corona und Grippe kann fatale Folgen haben

Wie schlimm wäre es denn, wenn sich jetzt jemand in kürzester Zeit sowohl mit dem Coronavirus als auch mit der Influenza infiziert?
►Dr. Klock: Das kann man natürlich nicht pauschalisieren. Aber in vielen Fällen wäre es schon fatal, denn eine Doppelinfektion schwächt den Körper natürlich viel mehr als eine Infektion mit nur einem Erreger.

Jetzt sprechen ja alle derzeit nur noch über die Corona-Impfung. Aber man kann sich ja durchaus auch gegen Grippe impfen lassen. Was halten sie denn von der Grippeschutzimpfung beziehungsweise von einer möglichen Doppelimpfung: Covid und Influenza?
►Dr. Klock: Ich halte die Grippeschutzimpfung für unbedingt notwendig. Gerade für die sogenannten Risiko-Patienten, also Personen über 60 Jahren und Personen mit Vorerkrankungen. Aus meiner Sicht ist es auch durchaus machbar, beide Impfungen zusammenzubekommen – sprich eine Spritze links und eine rechts. Bei immungeschwächten Menschen gehen wir im Praxisalltag dennoch auf Nummer sicher und impfen im Abstand von 14 Tagen. Wichtig ist auch hier, mögliche Vorerkrankungen und Impfreaktionen zu bedenken.

Die Zahl der Influenzapatienten nimmt wieder zu. Dennoch gibt es keinen Grund Panik zu schüren, denn es gab vor Corona schon deutlich stärkere Grippejahre.
Dr. Michael Klock
Allgemeinmediziner aus Geisweid

Dr. Michael Klock ist ebenfalls Facharzt für Allgemeinmedizin in Geisweid und wirkte im hiesigen Impfzentrum mit.
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Grippeschutzimpfung kann vor schweren Verläufen schützen

Wird die Grippeschutzimpfung denn in Zeiten der Pandemie überhaupt angenommen?
►Dr. Mansfeld: Die Nachfrage ist auch in diesem Jahr wieder hoch. Die meisten Impfungen haben wir tatsächlich schon Ende vergangenen Jahres getätigt – quasi am Anfang der kalten Jahreszeit. Dennoch ist es auch jetzt noch nicht zu spät, sich den Piks bei seinem Hausarzt abzuholen. Und in diesem Zusammenhang finde ich es auch sehr wichtig zu erwähnen, dass es eben nicht nur vorerkrankte oder ältere Patienten nach der Grippeschutzimpfung fragen, sondern eben auch gesunde und fitte. Das ist auch durchaus wichtig, denn die Impfung entlastet nicht nur die Praxen und Kliniken, sondern schützt auch vor schweren Verläufen.

Autor:

Sarah Groos

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