Kontroverse Antworten ohne Duo

 Rund 120 Zuhörer verfolgten am Freitagabend die Podiumsdiskussion der Siegener Zeitung in der Erndtebrücker Schützenhalle mit fünf der sieben Direktkandidaten für die Landtagswahl am 14. Mai. Foto: Björn Weyand
  • Rund 120 Zuhörer verfolgten am Freitagabend die Podiumsdiskussion der Siegener Zeitung in der Erndtebrücker Schützenhalle mit fünf der sieben Direktkandidaten für die Landtagswahl am 14. Mai. Foto: Björn Weyand
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bw - Fünf aus Sieben ist eigentlich eine ganz gute Quote. Allerdings hatten ja alle sieben Direktkandidaten für die Landtagswahl im Wahlkreis 127 (Siegen-Wittgenstein II) ihre Teilnahme an der Podiumsdiskussion der Siegener Zeitung am Freitagabend in der Erndtebrücker Schützenhalle im Vorfeld zugesagt. Ulrich Wittrin von der ÖDP ließ sich mittags entschuldigen und abends fehlte von Michael Schwarzer von der AfD jede Spur. Kontrovers wurde freilich auch ohne die beiden im sehr gut besuchten Forum der Heimatzeitung diskutiert. Auf der Bühne befragten die SZ-Redakteure Martin Völkel und Holger Weber die übrigen Bewerber Björn Eckert (Bündnis 90/Die Grünen), Anke Fuchs-Dreisbach (CDU), Ullrich Georgi (Linke), Falk Heinrichs (SPD) sowie Manuela Rohde (FDP).

Das Quintett hatte zum Einstieg die Gelegenheit, etwas über sich selbst zu erzählen und die eigenen Themenschwerpunkte vorzustellen. Der Jüngste in der Runde war mit einigem Abstand der Kreuztaler Björn Eckert. Der im Einkauf eines mittelständischen Unternehmens tätige 24-Jährige benannte neben dem Breitbandausbau vor allem die verbesserte Aus- und Weiterbildung als Ziel. Geringverdienern müsse die Chance gegeben werden, sich weiterzubilden, forderte der Kreuztaler. Und er fand, dass die politische Kultur aus den Fugen geraten sei. Sein Motto: Herz statt Hetze.

Anke Fuchs-Dreisbach aus Sassenhausen, seit der letzten Kommunalwahl stellvertretende Bürgermeisterin in Bad Berleburg, verriet, dass sie auf einem Hof aufgewachsen sei und deshalb das Handwerk im Blut habe. Heute arbeitet sie als Physiotherapeutin. Für die 40-Jährige ist ein Ziel, dass der ländliche Raum bessere Perspektiven benötige – bessere Verkehrsanbindung, schnelleres Internet, junge Ärzte.

Ullrich Georgi war einst Pressereferent der Universität in Siegen. Sein politischer Antrieb sei, „meinen Enkelkindern eine lebenswerte Welt zu hinterlassen“. Dazu gehören aus seiner Sicht kostenfreie Kindergarten-, Schul- und Studienplätze. In der Infrastruktur müsse der Schiene der Vorrang gegenüber der Straße gewährt werden. Der 72-Jährige aus Werthenbach will über die Energiewende neu nachdenken.

Falk Heinrichs ist als Landtagsabgeordneter der „Platzhirsch“. Der 56-Jährige gehört dem Landtag seit 2012 an, zuvor war er über 30 Jahre lang Soldat. Der Wahlbacher erinnerte an die Stärken der Region, die Wirtschaftsstandort Nummer 1 in ganz NRW sowie die Nummer 3 bundesweit sei: „Wir sollten unser Licht nicht unter den Scheffel stellen“. Notwendig sei allerdings eine zügige Realisierung der Route 57.

Die 56-jährige Manuela Rohde ist Angestellte bei der Postbank und erst seit ungefähr anderthalb Jahren politisch aktiv, wie sie berichtete. Sie habe sich immer aufgeregt, deshalb sei sie nun selbst engagiert. Ihr politischer Ansatz sei, größer zu denken, Visionen zu haben. Im Anschluss an die Vorstellungsrunde gab es für die mehr als 120 Zuhörer die Gelegenheit, Fragen zu Themen zu stellen.

Windkraft: Der Berghäuser Horst-Günter Linde brachte ein kontrovers diskutiertes Thema hervor – der Bau von Windrädern hier im Mittelgebirge. Hierzu gingen die Meinungen weit auseinander. Manuela Rohde verwies auf das FDP-Programm, in dem die 10H-Regelung enthalten sei. Heißt nichts anderes, als dass Windkraftanlagen den zehnfachen Abstand der Gesamthöhe zur Wohnbebauung haben sollen. Dies gilt unter anderem in Bayern. Außerdem forderte sie, die Kommunen müssten die Planungshoheit haben. Mit den Windrädern vor der eigenen Nase in Sassenhausen hat Anke Fuchs-Dreisbach kein Problem, aber die neue Generation sei mindestens doppelt so hoch. Es sei schon erstaunlich, dass die Grünen etwas gegen den Neubau der „Route 57“ hätten, aber die Schneisen, die für die Windräder gezogen werden müssten, würden ignoriert. Auch sie forderte die Entscheidungshoheit für die Kommunen, ferner müssten Fragen zu Speichertechnologien und Transportleitungen dringender geklärt werden. Ein „Innehalten“ bei der Energiewende wünschte sich Ullrich Georgi, schließlich gebe es durch die längeren Laufzeiten der Kraftwerke eine Zeitspanne, in der nochmals über Landesgrenzen hinweg gesprochen werden könne. Falk Heinrichs wollte hingegen mit dem Irrtum aufräumen, die Energiewende sei ohne Windräder vor Ort zu stemmen. „Wer das behauptet, der führt uns hinter die Fichte“, meinte der Sozialdemokrat. Die Wahrheit sei: „Wir müssen so viel Windkraft in den Wäldern haben wie nötig und so wenig wie möglich.“ Dem schloss sich Björn Eckert an, die Energiewende sei ohne Windkraft auch in unserer Region nicht zu schaffen.

Kita-Gebühren: Während beim Thema Windkraft sowohl Falk Heinrichs als auch Björn Eckert keine Versprechungen machten, war es beim Thema Elternbeiträge in den Kindertagesstätten quasi umgekehrt. Falk Heinrichs vertrat das Dogma, dass die Bildung von der Kita bis zum Studium kostenfrei sein müsse. „Bildung soll nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen.“ Dies sei sehr gut investiertes Geld. Selbst die Meisterschule müsse kostenlos sein. Dass Kita-Plätze nicht komplett kostenlos zu machen seien, betonte dagegen Anke Fuchs-Dreisbach, die sich fragte, wie die SPD dies denn finanzieren wolle. Und zu hinterfragen sei auch, ob die Meisterschule nicht überlaufen werde, wenn sie kostenlos sei. Während Björn Eckert und Ullrich Georgi jeweils die kostenlose Bildung ebenfalls als Ziel postulierten, stand auch für Manuela Rohde fest, dass der Kita-Platz in der nächsten Zeit gar nicht kostenlos sein könne. Denn entscheidend sei die Qualität.

Schulen: Der ehemalige Erndtebrücker Bürgermeister Karl Ludwig Völkel wollte von den Landtagskandidaten wissen, wie sie zum Grundsatz stehen, dass es in jeder Kommune zumindest eine weiterführende Schule geben müsse. Björn Eckert brachte niedrigere Hürden für die Gesamtschule ins Spiel, während Anke Fuchs-Dreisbach ein Plädoyer für das dreigliedrige Schulsystem hielt – dies habe sich bewährt und die Berleburger Hauptschule sei der Beweis, dass die Schulform durchaus Zukunft habe. Ullrich Georgi sah die Lösung in einem längeren gemeinsamen Lernen. Falk Heinrichs fand, dass der Schulkonsens geholfen habe. Die Eltern hätten sich gegen die Hauptschule entschieden. Die Sekundarschule sei für den ländlichen Raum dagegen die ideale Schulform. „Das ist der Weg – und nicht Privatschulen“, meinte er bewusst mit Blick auf Erndtebrück. Flexiblere Handhabung wünschte sich Manuela Rohde mit Blick auf die Klassengrößen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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