Kosten schmälern Übergabe-Freude

Gründungsrektor Artur Woll Namensgeber?

GIT-Gebäudekomplex: offizielle Übergabe am 24. März / Gästehaus ab 1. April bezugsfertig

kk Siegen. Seit über einem Jahr ist der Euro da. Die einen mögen ihn, die anderen nicht. Wie auch immer es um die Beliebtheit der neuen Währung bestellt ist, eines steht fest: Der Euro halbiert so manches Desaster, lässt manche Abrechnung weniger schlimm aussehen. Da ist zum Beispiel der GIT-Komplex Am Eichenhang in Weidenau. Am 24. März sollen Büros, Labors und Seminarräume offiziell übergeben werden. Ab dem 1. April sollen sich dann auch in den ersten Betten im Gästehaus der Universität Siegen Schläfer finden.

Doch das schönste Blumenarrangement, die schwungvollsten Reden können nicht darüber hinweg täuschen: Das Artur-Woll-Haus (dieser Name geistert derzeit durch die Hochschullandschaft) ist reichlich teuer geworden. 11 Mill. DM waren veranschlagt. 7,5 Mill. e sind daraus geworden. Der Namensgeber, Gründungsrektor der Hochschule und als Volkswirtschaftler mit der Mathematik vertraut, hätte bei der Umrechnung wohl keine Probleme gehabt: Mehrkosten von etwa 2 Mill. e fielen an. Das Land musste einspringen. Seit Ende vergangenen Jahres fällt das imposante Bauwerk in den Zuständigkeitsbereich der Bau- und Liegenschaftsabteilung des Landes NRW. Die einstigen Bauherren sind nurmehr Mieter, vermieten teilweise unter.

40 Prozent Mehrkosten - ein stattlicher Batzen. Rede und Antwort stand der Siegener Zeitung Uni-Kanzler Dr. Johann Peter Schäfer, seines Zeichens auch Geschäftsführer der Gesellschaft für Innovation und Transfer (GIT). Eines vorweg: Das Artur-Woll-Haus ist ausgebucht. Das klingt positiv. Ist es aber nur bedingt. Denn: Raum für Existenzgründer sollte entstehen. An denen allerdings mangelt es. Gerade einmal 40 Prozent der Fläche wird von Firmen belegt. Schäfer: »Wir sind davon ausgegangen, dass der Bedarf größer ist.« Etwa 90000 e Miete zahlen die Existenzgründer. 300000 e sind für den Komplex insgesamt fällig.

Die Uni musste die Lücken aus dem eigenen Bestand schließen: 23 Prozent der Fläche gehen an das Forschungskolleg »Medienumbrüche«, die Böll-Forschungsstelle sowie an benachbarte geisteswissenschaftliche Projekte. Jeweils 10 Prozent stehen für Drittmittelprojekte sowie für andere Hochschuleinrichtungen zur Verfügung. Den Rest machen Labors (eines steht noch leer) und Seminarräume aus. Vom ursprünglichen Konzept will Schäfer aber nicht abweichen: »Existenzgründer haben Vorrang.« Bei den bevorzugten Mietern folgten Drittmittelprojekte aus der Region oder mit regionalem Bezug sowie solche, »die etwas mit Existenzgründungen zu tun haben«.

Die geänderte Nutzung hat ihren Preis. Und der schlägt sich nicht nur in fehlenden Firmen-Mieten nieder. Denn: Bei gewerblicher Nutzung von Gebäuden muss keine Mehrwertsteuer gezahlt werden. Ist die Nutzung nicht gewerblich, sieht die Sache anders aus. Schäfer: »Das Gebäude wurde ursprünglich netto kalkuliert.« Ein Eckpfeiler der Mehrkosten. Ein Unglück kommt selten allein. Je mehr Vertreter der Hochschule Einzug hielten, desto umfassender und teurer wurde auch die Technik. Schäfer: »Sie musste wissenschaftlichen Arbeitsplätzen entsprechen.«

Hinzu kam das schwierige Gelände, das eine kostspielige Gründung erforderte. Schäfer: »Wir haben versucht, das vorher zu klären.« Das Restrisiko bleibe am Bauherren haften. Auch für den Rohbau musste tiefer in die Tasche gegriffen werden…

Dabei sah vor Baubeginn alles eher rosig aus. Generalplaner Thomas Rau wollte »Preisbrecher« per Ausschreibung suchen (die SZ berichtete). Schäfer: »Wir haben eine riesige Liste von Gewerken ausgeschrieben.« Dann kamen die Nachschläge. »Die Angebotskosten exakt zu halten, ist bei einem so komplizierten Gebäude schwierig.« Viele Spezialanfertigungen waren nötig. Das Fazit: »Bei dem Gebäude haben sich manche Leute verschätzt.« Schäfer weiter: »Ich habe mir den Kopf darüber zerbrochen, wie wir es hätten anders machen können.« Sogar ein Projektsteuerer wurde engagiert. Schäfer: »Wenn so ein Zug fährt, ist er schwer aufzuhalten.«

Nach den Ursachen der Mehrkosten wird weiter gesucht. Verhandlungen mit dem Architekten laufen. Dessen Honorar ist noch nicht gänzlich beglichen. Was trotz aller Kritik definitiv bleibt, ist ein faszinierendes Gebäude mit modernster Technik. Schäfer: »Das ist ein städtebauliches Schmuckstück.« Dessen letzte Wehwehchen sollen bald behoben sein. Dazu gehören aber keinesfalls die nicht kippbaren Fenster. Schäfer: »Die gehören zur Gebäudeleittechnik.« Die allerdings muss noch justiert werden.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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