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Firmen bekämpfen Corona
Kostenlose Selbsttests für Arbeitnehmer

In einigen Unternehmen sind kostenlose Corona-Selbsttests schon Teil der Pandemie-Bekämpfung. Hier studiert Theresa Finke von der Firma Hees Bürowelt die Testanleitung.
  • In einigen Unternehmen sind kostenlose Corona-Selbsttests schon Teil der Pandemie-Bekämpfung. Hier studiert Theresa Finke von der Firma Hees Bürowelt die Testanleitung.
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  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

sp Siegen /Bad Berleburg/Olpe. Jeden Mitarbeiter zweimal die Woche testen. Dazu sollen Unternehmen verpflichtet werden, fordern die einen. Die anderen setzen auf Freiwilligkeit und Eigenverantwortung. Was aber sagen die Firmen zur Testpflicht? Oder testen sie schon längst aus eigenem Antrieb?

„Wir bieten unseren Mitarbeitern pro Woche zwei kostenfreie Tests an, auf freiwilliger Basis. Neben ausgeklügelten Schutzmaßnahmen ist das unser Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie“, sagt Stefan Jäkel, Mitarbeiter der Unternehmenskommunikation bei Hees Bürowelt in Siegen. Die Mitarbeiter können an der Zentrale einen Corona-Selbsttest abholen, ihn am Arbeitsplatz oder in einem separaten Raum durchführen – mit möglichst wenig Kontakt zu Kollegen.

sp Siegen /Bad Berleburg/Olpe. Jeden Mitarbeiter zweimal die Woche testen. Dazu sollen Unternehmen verpflichtet werden, fordern die einen. Die anderen setzen auf Freiwilligkeit und Eigenverantwortung. Was aber sagen die Firmen zur Testpflicht? Oder testen sie schon längst aus eigenem Antrieb?

„Wir bieten unseren Mitarbeitern pro Woche zwei kostenfreie Tests an, auf freiwilliger Basis. Neben ausgeklügelten Schutzmaßnahmen ist das unser Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie“, sagt Stefan Jäkel, Mitarbeiter der Unternehmenskommunikation bei Hees Bürowelt in Siegen. Die Mitarbeiter können an der Zentrale einen Corona-Selbsttest abholen, ihn am Arbeitsplatz oder in einem separaten Raum durchführen – mit möglichst wenig Kontakt zu Kollegen. Sei das Ergebnis positiv, werde der Mitarbeiter sofort nach Hause geschickt, so Jäkel.

"Eine sinnvolle Investition"

Etwa vier bis sechs Euro bezahlt Hees Bürowelt pro Test – bei zwei Tests pro Woche für 170 Mitarbeiter allein in Siegen macht das rund 1700 Euro pro Woche. „Es ist eine sinnvolle Investition“, sagt Jäkel. Dennoch sind es vor allem die Kosten, die bei den Unternehmen auf Unmut stoßen, denn bislang bleiben sie darauf sitzen. „Das sind Zusatzbelastungen, die bei uns hängen bleiben und die von keiner Stelle übernommen werden“, kritisiert Petrico von Schweinichen, Geschäftsführer der Irle Deuz GmbH. Die Kosten schmälerten den Ertrag.

Neben der finanziellen Belastung führt von Schweinichen einen weiteren Kritikpunkt an: die Zuverlässigkeit der Selbsttest-Ergebnisse. „Es schiebt sich doch keiner das Stäbchen tief genug in die Nase“, vermutet der Verantwortliche. Zwar habe die Irle Deuz GmbH ein kleines Kontingent an Selbsttests, aber „wir sind von den Ergebnissen noch nicht so überzeugt, dass sie die professionellen ersetzen“. Lieferten die Tests falsche Ergebnisse, „dann ist das fast rausgeschmissenes Geld“.

Unternehmen grundsätzlich für Tests

Auch geschultes Personal einzusetzen, sieht der Geschäftsführer der Irle Deuz GmbH kritisch. Es könnten nie die hygienischen Bedingungen wie in einer Praxis herrschen, beim Testen von 300 Mitarbeiten bestehe ein Risiko für die geschulte Person. Ärzte und Apotheker dürften zum Testen nicht in die Unternehmen kommen, bemerkt von Schweinichen: „Da haben wir eine klare Aussage.“

Grundsätzlich sprechen sich die von der SZ befragten Unternehmen für Tests aus. „Wir werben inbrünstig für Bürgertestes und übernehmen auch die Kosten für die Tests bei Ärzten“, so von Schweinichen Eine Kooperation ist die Albrecht Bäumer GmbH & Co. KG in Freudenberg eingegangen. Eine für Tests ausgebildete Person eines anderen Unternehmen kommt zu bestimmten Anlässen zu der Spezialmaschinenfabrik und testet Mitarbeiter des Außendienstes – und das bereits seit einem halben Jahr. Allerdings: Die Kosten für diese Tests, die im Labor ausgewertet würden, lägen bei rund 80 Euro, erklärt Jörgen Hofmann, kaufmännischer Leiter von Bäumer.

"Erheblicher Kostenfaktor"

Monatlich soll deshalb jetzt jeder Mitarbeiter vier Selbsttests bekommen und sich am Anfang der Woche zu Hause testen. „Wir haben die Tests noch nicht bekommen, weil es Lieferschwierigkeiten gibt“, sagt Hofmann. 5000 Tests erwartet das Unternehmen noch in dieser Woche. „Das reicht für etwa zwei Monate.“ Die Kosten: satte 40 000 Euro. „Es ist ein erheblicher Kostenfaktor“, so Hofmann, und die Preise der Tests stiegen weiter.

Einen Vorteil aber sehen alle Unternehmen beim Testen: Werden positive Fälle rechtzeitig erkannt, kann verhindert werden, dass ganze Bereiche einer Firma stillstehen bzw. schließen. „Das ist alles besser, als wenn eine ganze Kolonne nach Hause geschickt werden muss“, betont Hofmann. Ob aber eine Verpflichtung zum Testen sinnvoll ist? „Das ist ein sensibles und kritisches Thema“, sagt Stefan Jäkel. Er glaube nicht, dass das rechtlich durchgesetzt werden könne. Petrico von Schweinichen hält nichts von diesem Vorschlag, es sei nur eine weitere Belastung.

  • Die Industrie- und Handelskammer Siegen befragte kürzlich rund 3000 Unternehmen, ob sie ihren Beschäftigten regelmäßige Corona-Tests anbieten (zum Beispiel einmal pro Woche). 341 Unternehmen meldeten sich zurück. 54 Betriebe antworten mit Ja (15,8 Prozent) auf die Frage. 87 antworteten, dass regelmäßige Tests in Kürze geplant seien (25,5 Prozent) und 200 gaben an, dass sie das derzeit nicht planten (58,7 Prozent). Siegens IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener spricht bei der Verpflichtung zum Testen von einer weiteren „Bürokratie-Krake“, bei der viele Fragen offen blieben, zum Beispiel, wie sie kontrolliert werden soll.
Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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