SZ

Noch keine Liquiditätsengpässe
Krankenhäuser warten auf Finanzspritze

Kochsalzlösung ist für die Krankenhäuser in der Region und anderswo wohl keine wirkliche Lösung auf dem Weg, die Mitarbeiter zu entlohnen. Zunächst soll nun aber eine Finanzspritze dort helfen, wo sie gebraucht wird.
  • Kochsalzlösung ist für die Krankenhäuser in der Region und anderswo wohl keine wirkliche Lösung auf dem Weg, die Mitarbeiter zu entlohnen. Zunächst soll nun aber eine Finanzspritze dort helfen, wo sie gebraucht wird.
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  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

sp Siegen/Bad Berleburg/Olpe. Betten freihalten für Covid-19-Patienten, verschobene Operationen, weniger Eingriffe. Das ist nur eine Auswahl der Gründe, warum in Krankenhäusern derzeit die Einnahmen fehlen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft warnt, dass Gehälter bald nicht mehr gezahlt werden könnten. Die SZ befragte Krankenhäuser bzw. deren Betreiber in der Region zu ihrer wirtschaftlichen Situation in der Corona-Pandemie.
Dr. Josef Rosenbauer, Geschäftsführer der Diakonie in Südwestfalen, teilt mit: „Das Corona-Jahr 2020 hat die Kosten- und Erlössituation auch in unserem Klinikum sowie in anderen Tochtergesellschaften der Diakonie in Südwestfalen beeinträchtigt. In welcher Höhe, lässt sich noch nicht sagen.

sp Siegen/Bad Berleburg/Olpe. Betten freihalten für Covid-19-Patienten, verschobene Operationen, weniger Eingriffe. Das ist nur eine Auswahl der Gründe, warum in Krankenhäusern derzeit die Einnahmen fehlen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft warnt, dass Gehälter bald nicht mehr gezahlt werden könnten. Die SZ befragte Krankenhäuser bzw. deren Betreiber in der Region zu ihrer wirtschaftlichen Situation in der Corona-Pandemie.
Dr. Josef Rosenbauer, Geschäftsführer der Diakonie in Südwestfalen, teilt mit: „Das Corona-Jahr 2020 hat die Kosten- und Erlössituation auch in unserem Klinikum sowie in anderen Tochtergesellschaften der Diakonie in Südwestfalen beeinträchtigt. In welcher Höhe, lässt sich noch nicht sagen. Liquiditätsengpässe hatten und haben wir nicht – auch aufgrund der getroffenen Maßnahmen durch die Bundesregierung. Da wir nicht wissen, wie sich die Corona-Problematik im neuen Jahr entwickeln wird, können wir auch noch keine Aussagen über eventuelle wirtschaftliche Auswirkungen treffen.“
„Wir werden keine Verluste machen, wir werden einen positiven Abschluss haben“, sagt Johannes Schmitz, Geschäftsführer der kath. Hospitalgesellschaft Südwestfalen. Das liege auch daran, dass zu der Gesellschaft nicht nur das St.-Martinus-Krankenhaus in Olpe und das St.-Josef-Hospital in Lennestadt gehörten, sondern auch andere Einrichtungen. „Wir haben vermutet, dass uns Corona ganzjährig begleitet“, so Schmitz. Deshalb seien frühzeitig Vorkehrungen getroffen worden. Dennoch: Der Geschäftsführer spricht von einem Rückgang der Fallzahlen in den Krankenhäusern und einem Einnahmewegfall von 10 Prozent, das seien etwa 10 Millionen Euro. Die Gesellschaft und damit auch die Krankenhäuser hätten jedoch genügend liquide Mittel. „Wir haben 30 Millionen auf der Bank“, so Schmitz, ohne Einnahmen käme man etwa vier Monate aus und dementsprechend könnten auch Gehälter gezahlt werden.

"Zufriedenstellender Abschluss"

Hans-Jürgen Winkelmann, Hauptgeschäftsführer der Mariengesellschaft Siegen, sagt: „Das Krankenhaus weist für 2020 insgesamt nur sehr geringe Verluste aus, was aber auch durch zunächst ausreichend dimensionierte Rettungsschirm-Mittel des Bundes möglich wurde. Wir werden dieses herausfordernde Jahr als gesamte Mariengesellschaft zu einem zufriedenstellenden Abschluss bringen.“ Weiter schreibt er: „Allerdings wächst die Sorge um das Folgejahr.“ Denn: „Die zugesagten Hilfen laufen Ende Januar 2021 aus.“ Der Hauptgeschäftsführer spricht von „erheblichen Einnahmeverlusten im hohen siebenstelligen Bereich“, die seien aber zunächst durch die Rettungsschirm-Mittel des Bundes für 2020 aufgefangen worden.
Mithilfe der Ausgleichsleistungen habe es auch „keinerlei Problematik gegeben, die Gehälter inklusive aller Zusatz- und Sozialleistungen an unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auszuzahlen. Dies wird auch im kommenden Jahr so bleiben, obschon immer wieder auf die inzwischen unzureichenden und Ende Januar 2021 auslaufenden Ausgleichs- und Hilfszahlungen des Bundes hingewiesen werden muss.“ 
Insgesamt seien die Folgen der Corona-Pandemie in allen Unternehmensteilen der Mariengesellschaft deutlich geworden. Für das kommende Jahr sind dennoch Weiterentwicklungen und Investitionen geplant, die „sich nur im Rahmen stabiler wirtschaftlicher Verhältnisse realisieren“ ließen. Hierzu könne auf hinreichende Rücklagen zurückgegriffen werden.
Das Kreisklinikum Siegen teilt mit: „Notwendige Verschiebungen planbarer Behandlungen und Eingriffe, zusätzlich erforderliche Hygienemaßnahmen sowie hohe Mehrkosten im Zusammenhang mit der Versorgung von Covid-19-Patientinnen und -Patienten werden über das übliche Abrechnungssystem nicht gedeckt. Diese Situation verschärft die ohnehin seit Jahren unzureichende Finanzausstattung der Kliniken in Deutschland durch die Kostenträger und Bundesländer im Rahmen der gesetzlich festgeschriebenen dualen Finanzierung des Krankenhaussystems.“ Zu der aktuellen Situation heißt es: „Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie auf das Kreisklinikum Siegen werden derzeit noch berechnet.“ Trotz allem habe das Klinikum keine Liquiditätsengpässe und die Gehälter der Mitarbeiter würden weiterhin pünktlich gezahlt.

"Immer wieder große Herausforderungen“

Die Vamed-Klinik in Bad Berleburg schreibt: „Die Corona-Pandemie stellt uns, wie alle medizinischen Einrichtungen, seit März immer wieder vor große Herausforderungen.“ Aufgrund abgesagter planbarer Operationen, vor allem während der ersten Corona-Welle, seien die Anzahl der Behandlungen im Vergleich zum Vorjahr und damit die Einnahmen gesunken, formuliert die Pressestelle der Klinik, ebenfalls ohne Zahlen zu nennen. „Mehrausgaben für gesteigerte Reinigungsintervalle oder notwendige Schutzmaterialien belasten uns zusätzlich. Mithilfe des Rettungsschirms und der damit verbundenen Freihaltepauschale werden wir dieses Jahr jedoch relativ unbeschadet abschließen können.“ Aber: „Die Pandemie ist allerdings noch längst nicht beendet, auch wenn wir große Hoffnungen in die beginnenden Impfungen setzen, werden wir in den nächsten Monaten mit den Auswirkungen kämpfen müssen. Damit bleiben wir auch weiterhin auf eine finanzielle Unterstützung angewiesen.“

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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