Corona hat das Interesse verstärkt
Krankenpflege-Azubis sprechen über ihren Traumberuf

Corona hat das Interesse für die Arbeit auf Station verstärkt.
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ap Siegen. Nach über einem Jahr Pandemie gibt es endlich Entlastung in unseren Kliniken – die Bilder der vergangenen Monate aber sind allgegenwärtig: Volle Intensivstationen, beatmete Infizierte, entkräftetes Personal. Wer tut sich da noch eine Ausbildung in der Krankenpflege an? Wie sieht der berufliche Alltag aus? Und welchen Einfluss hat die Corona-bedingte Ausnahmesituation in den Kliniken eigentlich auf die Zahl der jungen Bewerber? Die SZ hat mit drei Azubis über ihre Berufswahl gesprochen und bei den Krankenhäusern in der Krönchenstadt nachgefragt.

Joy Janzen-Trotsyuk, 19 - 2.Ausbildungsjahr Marienkrankenhaus.
  • Joy Janzen-Trotsyuk, 19 - 2.Ausbildungsjahr Marienkrankenhaus.
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„Ich bin direkt in den Wahnsinn reingekommen”. erzählt Joy Janzen-Trotsyuk, die ihre Ausbildung im April 2020 angefangen hat. „Ich kenne das nicht anders.“ Für die 19-Jährige beginnt ein „gewöhnlicher” Tag um halb sieben in der Früh: Schichtübergabe, Visite. Nach der morgendlichen Routine geht der Arbeitstag aber ganz unterschiedlich weiter. Zu ihren Aufgaben gehört es, die Patienten zu Untersuchungen zu begleiten und sie zu unterstützen – sei es beim Waschen, Ankleiden oder Essen. Dabei immer eine professionelle Distanz zu wahren, sei aber nicht ganz einfach, gesteht sie. „Manche Ereignisse bleiben einfach hängen.“ Man sei ja schließlich auch nur ein Mensch, sagt Joy. Besonders gut erinnert sich die 19-Jährige an einen älteren Herr, der unbedingt zu Hause sterben wollte. „Das hat aber leider nicht geklappt“, erzählt die Auszubildene mit gebrochener Stimme. Meistens könne man die Patienten aber noch retten. „Ich wollte schon immer irgendwas machen, was Leuten hilft“, lächelt Joy. „Und das mache ich jetzt jeden Tag.“

Selina Schneider, 21 - 2. Ausbildungsjahr Kreisklinikum.
  • Selina Schneider, 21 - 2. Ausbildungsjahr Kreisklinikum.
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Sie wusste genau, worauf sie sich einlässt. Acht Monate lang hat die 21-Jährige vor ihrer Ausbildung als „Bufdi“ in die Krankenhausarbeit reingeschnuppert. „Dabei habe ich die Leidenschaft zur Pflege entdeckt”, erzählt Selina Schneider. Ihr täglicher Job ist es, Vitalzeichen zu messen, Medikamente und Mahlzeiten zu verteilen, bei der Grundpflege zu assistieren und Bewegungsübungen mit den Patienten durchzuführen. Aber auch Schreibtischarbeit gehört dazu: Veränderungen, Auffälligkeiten, Schmerzen, emotionales Befinden und Verhalten der Kranken müssen jeden Tag aufs Neue dokumentiert werden. Die Patienten bei ihrer Genesung zu begleiten und dafür so viel Wertschätzung zu bekommen, das gefällt Selina an ihrem Beruf besonders gut, wie sie sagt. „Wir sind Ansprechpartner. Wir hören den Patienten zu, beraten sie in schwierigen Situationen, trösten sie und halten ihre Hand”, erzählt die Auszubildende im 2. Jahr – und das sei manchmal nicht ganz einfach. „Leider werden nicht alle wieder gesund.”

Jonas Stolpp, 20 - 1. Ausbildungsjahr Kreisklinikum.
  • Jonas Stolpp, 20 - 1. Ausbildungsjahr Kreisklinikum.
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„Nach meinem Abitur wusste ich noch nicht, was ich beruflich machen soll und habe dann einen Bundesfreiwilligendienst im Kreisklinikum absolviert“, erzählt Jonas Stolpp. Die (abwechslungsreiche) Arbeit auf Station gefiel dem heute 20-Jährigen schon damals so gut, dass er sich für eine Ausbildung in der Krankenpflege entschied. Für andere Menschen da zu sein und sie in schwierigen Phasen zu begleiten, das war auch für Jonas der ausschlaggebende Punkt für seine Berufswahl. „Besonders schön ist es, wenn sich der Zustand der pflegebedürftigen Menschen verbessert und man Dankbarkeit erfährt.“

Steigende Bewerberzahlen in Krankenhäusern Das Interesse an einem Beruf in der Pflege wird – trotz oder vielmehr wegen der Corona-Pandemie – immer größer. So könnte es künftig weitaus mehr Auszubildende im Kreisgebiet geben als die 230 Krankenpflege-Azubis, die im Jahr 2020 in den hiesigen Kliniken tätig waren. „Vergleicht man das Jahr 2019 mit dem Folgejahr, so sind die Bewerberzahlen für eine Ausbildung um 15 Prozent angestiegen”, erklärt Frank Fehlauer, Leiter des Pflegebildungszentrums (PBZ) der Diakonie in Südwestfalen – Tendenz weiter steigend. „Auch wir beobachten eine leichte Zunahme”, teilt Dr. Christian Stoffers, Sprecher der Marien Gesellschaft Siegen, auf SZ-Anfrage mit. Das Weidenauer Kreisklinikum hingegen konnte in den vergangenen Monaten keinen signifikanten Anstieg der Bewerberzahlen verzeichnen. Vereinzelt sei jedoch in den Anschreiben genannt worden, dass durch die Pandemie die Aufmerksamkeit verstärkt auf diesen Beruf gelenkt wurde. Insgesamt absolvierten im vergangenen Jahr in NRW 38 210 Schüler eine Ausbildung in einem Gesundheitsberuf. 72,5 Prozent der Azubis waren im Pflegebereich tätig. Wie das Statistische Landesamt außerdem mitteilt, waren mit 28 535 drei Viertel (74,7 Prozent) von ihnen weibliche Auszubildende.
Autor:

Alexandra Pfeifer

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