Baustoff stärker berücksichtigen
Kreis auf dem „Holzweg“

ihm Siegen/Bad Berleburg. Im waldreichsten Kreis Deutschlands wird vergleichsweise wenig mit Holz gebaut. Ob und wie sich daran etwas ändern lässt, hat jetzt die Kreisverwaltung untersucht. Der Kreisbauausschuss wird sich mit den Erkenntnissen am 12. Juni befassen und eine Entscheidung zu treffen haben, ob man die Holzbauweise besonders fördern will.

Die Verwaltung schlägt vor, bei künftigen Gebäudeerweiterungen und Neubauten des Kreises Holz als Baustoff „nach Möglichkeit zu berücksichtigen“ und zur Förderung des Einsatzes von Holzkonstruktionen einen rechnerischen Abzug von bis zu 15 Prozent der angebotenen Baukostensummen zu berücksichtigen.

Die Anfang des Jahres in Kraft getretene Landesbauordnung teilt alle Gebäude in fünf Klassen ein – von Klasse 1 (Ein- und Zweifamilienhäuser) bis Klasse 5 (Gebäude, die höher als 13 Meter sind oder Nutzungseinheiten von mehr als 400 Quadratmetern haben).

Die Vorschriften der Landesbauordnung erlaube die Verwendung von Holz bei Gebäuden der Gebäudeklasse 5 praktisch nicht, stellt die Verwaltung fest. Zu dieser Klasse gehören z. B. das Kreishaus, alle Berufskollegs, Lindenschule und die Kreissporthalle.

In Klasse 4 (Gebäude mit einer Höhe bis zu 13 Metern und Nutzungseinheiten mit jeweils nicht mehr als 400 Quadratmetern) und Klasse 3 (Gebäude mit einer Höhe von bis zu sieben Metern) sei die Verwendung von Holz möglich. Aus Brandschutzgründen müssen man aber teilweise erheblichen technischen und wirtschaftlichen Mehraufwand treiben. In Klasse 4 fallen das Kulturhaus Lÿz und die Kreishaus-Außenstelle Bad Berleburg, zu Klasse 3 gehören die Rettungswachen und große Teile des Siegerlandflughafens.

Wegen des Mehraufwands bei Holzbauten – zum Beispiel die Verkleidung von Wänden oder Decken mit nicht brennbaren Materialien – schlägt die Verwaltung vor, den Firmen bei der Ausschreibung entgegenzukommen. Wer ein Holzgebäude anbietet, soll 15 Prozent vom Angebotspreis abgezogen bekommen. Das gilt allerdings nur für den tatsächlichen Holzanteil am Bauwerk. Dieser wird durch Aufmaß ermittelt. Wenn beispielsweise 50 Prozent des Gebäudes in Holz ausgeführt wird, betrüge der Preisabzug nur 7,5 Prozent.

Eine Voraussetzung gibt es für die Bevorzugung des Holzes: Mit den Angeboten wäre nachzuweisen, dass regionale Holzprodukte aus nachhaltiger Holzwirtschaft Verwendung finden, das Holz nicht chemisch behandelt wurde und der verwendete Kleber keine erhöhte Umweltbelastung verursacht. Der Brandschutz wäre konstruktiv zu lösen und dürfte nicht über eine chemische Behandlung des Holzes erfolgen.

Am Ende der Vorlage geht Dezernent Setzer wie üblich auf die Auswirkungen auf den Kreishaushalt ein. Die Aussage lautet zwar, dass finanzielle Auswirkungen für den Kreis nicht zu erwarten seien. Aber die kreisumlagewirksamen Belastungen, die von den Städten und Gemeinden getragen werden, würden sehr wohl steigen. Das liegt an der Abschreibungsdauer. Massivbauten werden innerhalb von 60 Jahren abgeschrieben, Holzgebäude gelten als teilmassiv und haben nur eine Abschreibungszeit von 40 Jahren. Die Belastung liegt also um 50 Prozent höher.

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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