Kreis reagiert auf Gewalt-Exzesse

 Das NRW-Innenministerium empfiehlt den Bürgern, die kostenfreie Warn-App „Nina“ des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zu nutzen. Foto: dpa
  • Das NRW-Innenministerium empfiehlt den Bürgern, die kostenfreie Warn-App „Nina“ des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zu nutzen. Foto: dpa
  • hochgeladen von Archiv-Artikel Siegener Zeitung

db Würzburg, München, Reutlingen, Ansbach: Vier Gewalttaten in einer einzigen Woche haben Deutschland erschüttert – und vielerorts die Frage aufgeworfen, wie die Behörden im Falle eines Falles reagieren würden und könnten. Der Kreis Siegen-Wittgenstein setzt im Katastrophenfall auf verschiedene Wege und Systeme, um die Bevölkerung zu informieren: die Apps „Nina“ und „Katwarn“, Facebook, Rundfunk und letztendlich auch die bewährten Sirenen in den Städten und Gemeinden. Doch dienen all diese Systeme – vom Sozialen Netzwerk Facebook mal abgesehen – weder zur Echtzeit-Kommunikation noch zur detaillierten Information der Menschen.

Die Polizei München hat viel Lob für ihre Kommunikationspolitik während der unklaren Lage rund um den Amoklauf am Freitagabend geerntet: Via Twitter informierte sie die Bürger über die Entwicklungen, bewertete Gerüchte und enttarnte Halbwahrheiten. Doch wie würde der Kreis Siegen-Wittgenstein in einer solchen Situation agieren und reagieren? „Spontan haben wir dazu keine Idee“, musste am Mittwoch Thomas Schneider, Fachserviceleiter Sicherheit, Ordnung und Verkehr, auf Nachfrage der SZ eingestehen. Nach den jüngsten Ereignissen habe ihn kürzlich Siegens Feuerwehrchef Matthias Ebertz angerufen und gesagt: „Wir müssen uns unterhalten.“ Soll heißen: Es gibt offenbar Nachholbedarf im Kreis Siegen-Wittgenstein – dessen sind sich die Verantwortlichen bewusst. Und sie wollen handeln: Kurzfristig, und damit spätestens in der kommenden Woche, soll es ein Treffen zwischen Kreis, Feuerwehr und nach Wunsch von Thomas Schneider auch weiteren Akteuren wie der Polizei geben. Schneider: „Die Lage wird neu bewertet.“ Derzeit liefe es in akuten Notsituationen wohl auf Lautsprecherdurchsagen der Polizei hinaus, doch man müsse neue Szenarien gedanklich durchspielen. Nach SZ-Informationen werden nach den jüngsten Vorkomnissen in der Bundesrepublik auch in der Region neue und strengere Auflagen auf Veranstalter zukommen.

Grundsätzlich sieht Thomas Schneider den Kreis im Katastrophenfall aber gut, weil breit aufgestellt. Mit „Mowas“, dem Modularen Warnsystem, können alle zur Verfügung stehenden Alarmierungs- und Warnsysteme via Satellit aktiviert werden. Dazu gehören die neuen mobilen Sirenen sowie die noch existenten stationären Sirenen in den Dörfern, die noch immer nach und nach an das Modulare Warnsystem angeschlossen werden. Gleiches gilt für die App „Katwarn“, die allerdings in NRW weniger verbreitet ist und bei der es laut Kreis noch Probleme mit der Software-Anbindung gibt. Das NRW-Innenministerium empfiehlt den Bürgern daher, die ebenfalls kostenfreie Warn-App „Nina“ des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zu nutzen. Fachserviceleiter Thomas Schneider lobte im Gespräch mit der SZ die Weiterentwicklung von „Nina“, die mittlerweile wesentlich genauer arbeite.

Die Kreisleitstelle und das Deutsche Rote Kreuz informieren zwar mittlerweile schnell und erfolgreich via Facebook, doch erreichen auch sie dort nur einen Teil der Bevölkerung. Man müsse vielschichtig an die Bürger und auch an ältere Menschen denken, mahnte Schneider. Bei allen vorhandenen technischen Möglichkeiten setzt der Kreis deshalb noch immer auf die klassischen Warnwege: Schneider erinnerte an den Brand im Siegener Telekom-Gebäude, der im Jahr 2014 einen Großteil der Kommunikations-Infrastruktur lahm gelegt hatte. „Da ging nix mehr“, so Schneider. Apps wären in einem solchen Fall nutzlos – und Facebook auch: „Wir müssen Dinge haben, die dann funktionieren. Da brauchen wir Sirenen.“

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil
Lokales
Unter Siegerländer Artikeln finden Besucher der SZ-Homepage derzeit zahlreiche Angebote von Siegener Händlern. Möglich macht das die Kooperation mit dem hiesigen Start-up-Unternehmen mapAds. Mit dem innovatien Digitalmarketing-Werkzeug lassen sich Angebote von Handel und Dienstleistung einfach digitalisieren und bald über viele zusätzliche Kanäle publizieren.

Start-up mapAds und Vorländer Mediengruppe
Angebote einfach digitalisieren und publizieren

sz Siegen. Die Vorländer Mediengruppe arbeitet weiter konsequent an der Umsetzung ihrer Digitalstrategie. Während die Zeitungsproduktion weiter das Kerngeschäft und das wichtigste Standbein des Verlages bleiben wird, investiert Vorländer selbstbewusst und entschieden in moderne Strukturen, neue Technologien und die Digitalisierung. Mit dem Digitalen arbeiten„Wir sind überzeugt davon, dass die Zukunft darin liegt, nicht gegen das Digitale, sondern mit dem Digitalen zu arbeiten. Wir sehen das...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen