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SZ-Serie zum Jahreswechsel
Kreishandwerkerschaft: Mut behalten und Ideen fördern

Corona-Schäden? Für eine abschließende Beurteilung der Auswirkungen auf die so unterschiedlichen Handwerksbetriebe ist es aus Sicht von Jürgen Haßler noch zu früh. Der zweite Lockdown hat gerade erst begonnen.
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  • Corona-Schäden? Für eine abschließende Beurteilung der Auswirkungen auf die so unterschiedlichen Handwerksbetriebe ist es aus Sicht von Jürgen Haßler noch zu früh. Der zweite Lockdown hat gerade erst begonnen.
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ch Siegen/Olpe. Lockdown, Stillstand, Wiederbelebung, Krise in der Wirtschaft: Das vergangene Jahr war geprägt von Corona, das Virus wird auch den Jahreswechsel und die kommenden Monate in den heimischen Handwerksbetrieben maßgeblich bestimmen. Mitten in der Pandemie hat Jürgen Haßler, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Westfalen-Süd, den Mut nicht verloren – „es geht auch wieder aufwärts“ – und versucht jetzt erst recht, junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk zu begeistern.
Herr Haßler, welche einschneidenden Erfahrungen bzw. Erkenntnisse nehmen Sie aus den vergangenen Monaten der Pandemie mit?

ch Siegen/Olpe. Lockdown, Stillstand, Wiederbelebung, Krise in der Wirtschaft: Das vergangene Jahr war geprägt von Corona, das Virus wird auch den Jahreswechsel und die kommenden Monate in den heimischen Handwerksbetrieben maßgeblich bestimmen. Mitten in der Pandemie hat Jürgen Haßler, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Westfalen-Süd, den Mut nicht verloren – „es geht auch wieder aufwärts“ – und versucht jetzt erst recht, junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk zu begeistern.
Herr Haßler, welche einschneidenden Erfahrungen bzw. Erkenntnisse nehmen Sie aus den vergangenen Monaten der Pandemie mit?
Als im März dieses Jahres das öffentliche Leben Corona-bedingt heruntergefahren werden musste, war es für mich bedrückend zu sehen, wie schnell bis dato erfolgreich und seriös wirtschaftende Betriebe aus verschiedensten Branchen durch die Folgen der vorübergehenden Betriebsstilllegung unverschuldet an den Rand ihrer Existenz geführt wurden. Beeindruckt hat mich, wie zügig und weitreichend die Politik in der Reaktion finanzielle wie rechtliche Unterstützungsmaßnahmen für Unternehmen und Arbeitnehmer erarbeitet und bereitgestellt hat.
Zuversichtlich stimmt mich zu sehen, mit welcher Motivation, Entschlossenheit und Flexibilität in den betroffenen Unternehmen, in der öffentlichen Verwaltung und in den berufsständischen Organisationen an der bestmöglichen Bewältigung dieser schwierigen Zeit gearbeitet wird.

Corona-Schaden für Handwerksbetriebe

Wie beurteilen Sie in diesem Zusammenhang das Instrument der Kurzarbeit aus Sicht Ihrer Mitgliedsunternehmen?
Es war der richtige Schritt der Politik, den Zugang zum Bezug von Kurzarbeitergeld zu vereinfachen und den Leistungsumfang zu erhöhen. Hilfreich ist auch, dass die mögliche Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes verlängert wurde. Diese Versicherungsleistung unterstützt die Betriebe im Bedarfsfall dabei, Liquidität zu sichern sowie Arbeitsplätze zu erhalten.
Wie groß ist der Corona-Schaden insgesamt für die Handwerksbetriebe, welchen Dämpfer hat das Virus der Konjunktur verpasst?
Für eine abschließende Beurteilung der Auswirkungen auf das Handwerk sowie die regionale Konjunktur ist es aus meiner Sicht noch zu früh. Der zweite Lockdown hat gerade erst begonnen. Die Friseur- und die Kosmetik-Betriebe sind sicherlich besonders hart betroffen von der Pandemie. Umsätze, die in den Monaten des Lockdowns verloren gegangen sind bzw. aktuell verloren gehen, können auch bei größtmöglichem Einsatz kaum wieder aufgeholt werden.
Das Lebensmittelhandwerk, insbesondere Bäckereien und Metzgereien, konnten Umsatzverluste, z. B. durch weggefallenes Cateringgeschäft und die Schließung von Café-Bereichen, nur teilweise kompensieren. Aus dem Bauhaupt- und Nebengewerbe erreichen uns erfreuliche Nachrichten über eine stabile Auftragslage trotz Corona.

Mut behalten und kreative Ideen fördern

Welche besonderen Herausforderungen wird die pandemische Lage für das Handwerk im Corona-Jahr 2021 aus Ihrer Sicht bringen? Befürchten Sie eine Pleitewelle? Was ist mit dem Gründungsgeschehen?
Der Schutz der Gesundheit von Mitarbeitern, Kunden und Geschäftspartnern steht für alle an erster Stelle. Diesen Anspruch mit Fertigstellungsterminen bzw. Lieferfristen sowie möglichen Lieferengpässen beim Material in einer sich aktuell dynamisch entwickelnden Pandemie in Einklang zu bringen, stellt Tag für Tag eine große Herausforderung an alle Betriebe dar.
Für Friseur-Betriebe sowie den stationären Kfz-Handel beispielsweise ist es wichtig, dass der persönliche Kontakt zu den Kunden wieder möglich wird. Während für die Bäckereien und Metzgereien wiederum von zusätzlicher Bedeutung ist, dass das gesellschaftliche Leben wieder Einkehr hält und damit einhergehend die Veranstaltung von Feiern, Festen, Messen etc. gewährleistet ist. Dafür die Rahmenbedingungen zu schaffen, ist eine Kraftanstrengung, an der wir als Gesellschaft insgesamt mitwirken müssen.
Betriebsgründer oder -übernehmer brauchen immer die Perspektive, dass ihr Geschäftsmodell am Markt bestehen kann. Wir sehen im Handwerk viele junge Menschen, die mit großartigen Ideen und innovativen Unternehmenskonzepten auf diese schwierigen Zeiten reagieren. Und der Bedarf nach den qualitativ hochwertigen Dienstleistungen des Handwerks ist groß. Wenn alle Beteiligten auch in Pandemiezeiten den Mut behalten, erfolgversprechende Ideen und unternehmerisches Engagement zu fördern, ist auch die Corona-Pandemie kein Ausschlusskriterium für eine Betriebsgründung oder -übernahme.

Veränderte Arbeitsabläufe

Wie wird sich mittelfristig die Arbeit in den Handwerksfirmen, angetrieben durch den Druck aus den Bereichen Corona und Digitalisierung, verändern?
Das Handwerk ist ein starker Treiber und Partner in der Digitalisierung der Arbeitswelt, ohne dabei den Blick für den mitarbeitenden Menschen zu verlieren. Viele Handwerksbetriebe arbeiten mit Herstellern aus Produktion, Logistik und Software zusammen und geben in die Entwicklung und Forschung ihre Ideen und ihre Erfahrung mit ein. Ziel ist stets, die Arbeitsumgebung für den Menschen zu verbessern und die Arbeitsqualität für den Kunden weiterhin zu optimieren. Das führt auch zu veränderten Arbeitsabläufen. Corona wirft Prozesse nicht grundlegend um, beschleunigt aber möglicherweise digitale Veränderungen in der Kommunikation und in der Arbeitsorganisation.
Wie schwer werden die nächsten Monate für junge Menschen, die einen Ausbildungsplatz suchen? Wie schwer wird es für die Betriebe, Nachwuchs zu finden?
Die Ausbildungsbereitschaft im Handwerk ist ungebrochen groß. Die Entwicklungs- und Verdienstmöglichkeiten für Nachwuchsfachkräfte sind hervorragend. Leider hat sich Corona im Jahr 2020 negativ auf die Durchführbarkeit von Betriebspraktika und Ausbildungsmessen ausgewirkt. Wir als Kreishandwerkerschaft sind mit Ausbildungsplatzangeboten der Betriebe in unserer Region in den sozialen Medien vertreten und elektronisch wie persönlich stets ansprechbar. Das gilt natürlich für die Ausbildungsbetriebe selbst. Ich kann nur jeden Ausbildungsplatzsuchenden ermuntern, Kontakt zu uns aufzunehmen, um die Vielfalt und die Attraktivität des Handwerks kennenzulernen.

Corona-Schäden? Für eine abschließende Beurteilung der Auswirkungen auf die so unterschiedlichen Handwerksbetriebe ist es aus Sicht von Jürgen Haßler noch zu früh. Der zweite Lockdown hat gerade erst begonnen.
Jürgen Haßler.
Autor:

Christian Hoffmann (Redakteur) aus Siegen

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