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Schulleiter Herbert Hoß verabschiedet
"Kreuztals Gymnasium trägt deine Handschrift"

Marion Kolb (Realschule), Matthias Daub (Hauptschule) und Christian Scheerer (Gesamtschule) sagten ebenfalls  ade.
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  • Marion Kolb (Realschule), Matthias Daub (Hauptschule) und Christian Scheerer (Gesamtschule) sagten ebenfalls ade.
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  • hochgeladen von Anja Bieler-Barth (Redakteurin)

nja  Kreuztal.  24 Jahre alt war Herbert Hoß 1979, als er sein Referendariat im Gymnasium Kreuztal antrat, das damals noch den Namen Friedrich Flick trug. „Auf einem Campingplatz in der Bretagne erfuhr ich, dass ich dort anfangen sollte. Ich musste im Straßenatlas nachschauen, wo Kreuztal und Siegen liegen. Beworben hatte ich mich für Bielefeld, Münster, Hamm und Detmold“, erinnert sich der 64-Jährige, dessen Zeit im Siegerland doch deutlich länger währen sollte, als er es sich seinerzeit hatte vorstellen können: Allein 17,5 Jahre lang leitete Oberstudiendirektor Herbert Hoß das Kreuztaler Gymnasium. Am Donnerstag wurde er feierlich in den Ruhestand verabschiedet. Am Freitag steht noch das Lebewohl im Kreise der Schüler und Kollegen im Städtischen Gymnasium  an.

nja  Kreuztal.  24 Jahre alt war Herbert Hoß 1979, als er sein Referendariat im Gymnasium Kreuztal antrat, das damals noch den Namen Friedrich Flick trug. „Auf einem Campingplatz in der Bretagne erfuhr ich, dass ich dort anfangen sollte. Ich musste im Straßenatlas nachschauen, wo Kreuztal und Siegen liegen. Beworben hatte ich mich für Bielefeld, Münster, Hamm und Detmold“, erinnert sich der 64-Jährige, dessen Zeit im Siegerland doch deutlich länger währen sollte, als er es sich seinerzeit hatte vorstellen können: Allein 17,5 Jahre lang leitete Oberstudiendirektor Herbert Hoß das Kreuztaler Gymnasium. Am Donnerstag wurde er feierlich in den Ruhestand verabschiedet. Am Freitag steht noch das Lebewohl im Kreise der Schüler und Kollegen im Städtischen Gymnasium  an.

Work"  und "Life" keine Gegensätze

Seine Gefühle angesichts dieses Schritts in einen neuen Lebensabschnitt verglich der Lehrer für Mathe und Sozialwissenschaften im Gespräch mit der SZ „fachgerecht“ mit einer Sinuskurve: Die Freude über die Freiheiten der Rente („Nach Italien aufzubrechen – und wiederkommen, wenn ich fertig bin...“) wechseln sich mit Wehmut ab, denn: Der Job war für den in Kall in der Eifel geborenen Pädagogen auch immer Berufung. Den modernen Begriff der „Work-Life-Balance“ interpretierte er für sich nie dergestalt, dass Arbeit und Leben Gegensätze waren. Dabei wollte er selbst noch als junger Student gar kein Lehrer werden.

Lehrer wollte er eigentlich nicht werden

Früh wurde er eingeschult, mit nicht mal zehn Jahren wechselte er ins Gymnasium Schleiden, wo er mit 17 das Abitur „baute“ – es war die Zeit der Kurzschuljahre. „In den ersten Jahren fehlte mir sicherlich die Reife, ich war zunächst kein guter Schüler. Daher sehe ich alle Bestrebungen nach dem ,Immer-Früher’ skeptisch“, so Hoß. In der 6 habe er zwei blaue Briefe bekommen. Wegen Englisch und Physik.
An der Uni Bielefeld studierte er Mathe und Wirtschaftswissenschaften. „Ich wollte in die Wirtschaft und gut Geld verdienen.“ Es kam anders – zumindest was den Arbeitsplatz betrifft. Denn: Während des Studiums, nach dem Vordiplom Mitte der 70er-Jahre, rief ihn sein ehemaliger Mathelehrer an und fragte, ob er nicht Lust habe, Stunden an „seinem“ Gymnasium zu geben: „Mathelehrer waren rar gesät.“ Zwei Erkenntnisse erwuchsen aus dieser zweieinhalb Jahre währenden Tätigkeit, acht Stunden pro Woche: „16 DM pro Stunde waren grandios, und vor allem machte das Lehren richtig Spaß.“ Nach dem 5. Semester schwenkte er daher um auf Lehramt. Bereut habe er dies nie: „Unsere Tätigkeit hat Wirkung!“
Nach dem Referendariat blieb er bis 1990 Lehrer am FFG, dann suchte er neue Herausforderungen, wurde in Netphen stellv. Leiter des neuen Gymnasiums. Diese Ära währte bis 2002: Kreuztals Oberstudiendirektor Christoph Heilmann ging in Rente – Hoß kehrte als Chef ans Flick-Gymnasium zurück. An erster Stelle, so seine klare Priorität auch in der Leitungsfunktion, standen die Schüler. An zweiter Stelle Kollegen und Eltern.
Was die größte Herausforderung gewesen sei? „Sicherlich die Namensdebatte“, blickt er auf eine „zwiegespaltene Schule“ zurück. Rund ein Jahr lang sei dies das dominante Thema gewesen, das die Arbeit überlagert habe. Er habe damals im Herbst sogar überlegt, zu gehen: „Das ging an die Substanz.“ Warum er blieb? „Weil das den Schaden deutlich vergrößert hätte, und weil die Schüler sehr vorbildlich mit der Angelegenheit umgegangen sind. Davor habe ich echt den Hut gezogen.“
Nach den gravierendsten schulpolitischen Entwicklungen der vergangenen rund 41 Dienstjahre gefragt, holt Hoß tief Luft: Die Schulzeitverkürzung und die Rückkehr zu G 9 fallen ihm sofort ein, das Vorziehen der zweiten Fremdsprache, Lehrermangel, das Thema Ganztag, „dem wir hier ja mit den 60-Minuten-Stunden aus dem Weg gegangen sind“, Zentral-Abi, Inklusion, die Flüchtlingswelle: „Ich habe den Eindruck, ab 2005 hat sich das Rad der schulischen Neuerungen immer schneller gedreht!“ Wie die Schule im Jahr 2050 aussehe? „Ich gehe davon aus, dass dann schon in der Sekundarstufe I stärker nach Neigung und Begabung differenziert werden kann.“ Die Breite der Bildung aber müsse bleiben.

"Gymnasium trägt Deine Handschrift"

Viel sei in das Kreuztaler Gymnasium investiert worden, sagte er gestern dankend in Richtung Stadt. Er bedauert es schon, dass er die nun anstehende Erweiterung in die Höhe und Breite nur noch als externer Betrachter miterlebt. Bei seiner Amtseinführung als Oberstudiendirektor 2004 hatte Hoß einen Wunsch geäußert: Ein städtischer Vertreter möge „bei meiner Pensionierung einmal sagen: Er war uns lieb – und vor allem teuer“. Gestern war dieser Moment gekommen. „Lieb und teuer“, so Kreuztals Bürgermeister Walter Kiß, das stehe für einen Schulträger eigentlich „umgekehrt proportional zueinander“. Indes: Hoß habe es geschafft, sachlich fundiert Neuerungen zu beantragen, und habe selbst Herausforderungen stets ohne zu jammern angepackt, er sei ein verlässlicher Partner gewesen. Fazit: „Es ist Dir gelungen, uns lieb und teuer zu sein!“ Das Gymnasium trage seine Handschrift, sei eine zeitgemäße pädagogische Einrichtung, auf die die Stadt sehr stolz sei.

Überzeugen statt anordnen

Die Schulgemeinschaft umrahmte die Abschiedsreden u. a. seiner Stellvertreterin Stefanie Schneider, von Vertretern der Bezirksregierung und befreundeter Schulen mit einem bunten Programm. Die Worte waren geprägt von Wertschätzung und Zuneigung. Die heimische Schullandschaft sagte ade zu einem Menschen, der u. a. als geduldig, konstruktiv, partnerschaftlich, diplomatisch und humorvoll beschrieben wurde. Kiß brachte es auf den Punkt: „Dir ist es immer gelungen, alle mit auf den Weg zu einer modernen Schule mitzunehmen – nicht per Anordnung, sondern durch Überzeugung: Danke dafür!“

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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