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Energiedörfer auch im Siegerland?
Krise zwingt zum Umdenken beim Thema Heizen

Pellets, ein Restprodukt der Sägeindustrie, verbrennen schadstoffarm.
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  • Pellets, ein Restprodukt der Sägeindustrie, verbrennen schadstoffarm.
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goeb Siegen. "Es wird in Zukunft weiterhin einen Mix von verschiedenen Heizungen geben", ist Matthias Simon aus Müsen überzeugt. Der studierte Elektrotechniker mit abgeschlossenem Zusatzstudium Energie- und Umweltschutztechnik (Kassel) hat in diesen Wochen mehr zu tun als ohnehin schon. Er berät unter anderem die Heizungsbauer in der Region. "Erst gestern sagte mir ein Heizungsbauer: Ich nehme für dieses Jahr keine Aufträge mehr an", setzt er hinzu.

Die Energiekrise wirbelt den Markt tüchtig durcheinander. Öl und Gas sind so teuer geworden wie nie zuvor. Viele Hausbesitzer mit älteren Heizungen schauen sich nach Alternativen um. "Es wird höchstwahrscheinlich zuerst die Ölheizungen treffen", glaubt Simon. Zu teuer, zu CO2-intensiv. "Öl wird irgendwann zum Auslaufmodell.

goeb Siegen. "Es wird in Zukunft weiterhin einen Mix von verschiedenen Heizungen geben", ist Matthias Simon aus Müsen überzeugt. Der studierte Elektrotechniker mit abgeschlossenem Zusatzstudium Energie- und Umweltschutztechnik (Kassel) hat in diesen Wochen mehr zu tun als ohnehin schon. Er berät unter anderem die Heizungsbauer in der Region. "Erst gestern sagte mir ein Heizungsbauer: Ich nehme für dieses Jahr keine Aufträge mehr an", setzt er hinzu.

Die Energiekrise wirbelt den Markt tüchtig durcheinander. Öl und Gas sind so teuer geworden wie nie zuvor. Viele Hausbesitzer mit älteren Heizungen schauen sich nach Alternativen um. "Es wird höchstwahrscheinlich zuerst die Ölheizungen treffen", glaubt Simon. Zu teuer, zu CO2-intensiv. "Öl wird irgendwann zum Auslaufmodell."

Pellets als schadstoffarme Heizalternative

Doch wo eine Tür zuschlägt, öffnet sich bekanntlich eine neue. "Wer eine Ölheizung hat, der hat wegen der Tanks auch Platz im Haus", setzt er hinzu. Platz zum Beispiel für Pellets. Pellets, ein Restprodukt der Sägeindustrie, verbrennen schadstoffarm. "Jeder Baumstamm, der zugeschnitten wird, produziert 40 Prozent Abfallholz", erklärt er, "bestehend aus Sägemehl und Spänen". Es dürfen je nach Norm bis zu 10 Prozent Bindemittel (z. B. Stärke) als Presshilfsmittel hinzugefügt werden. Die Pellets aus Fichte, dem einstigen Brotbaum des Sauer- und Siegerlandes, besitzen demnach einen höheren Heizwert, obwohl Fichte eine geringere Dichte hat als etwa das meiste Laubholz. "Weil es mehr Lignin enthält, benötigt man weniger Bindemittel."

Matthias Simon ist studierter Elektrotechniker mit abgeschlossenem Zusatzstudium Energie- und Umweltschutztechnik (Kassel). Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit ökologischen Heizsystemen.
  • Matthias Simon ist studierter Elektrotechniker mit abgeschlossenem Zusatzstudium Energie- und Umweltschutztechnik (Kassel). Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit ökologischen Heizsystemen.
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80 Prozent der Kirchenheizungen laufen auf Gas

Pelletheizungen sind nicht mehr ganz so exotisch wie vor Jahren. Eigentümer solcher Systeme wissen längst, dass es da Sommer- und Winterpreise (+ 20 Prozent) gibt. "Die Herstellung im Winter ist etwas aufwändiger", schildert der Experte für ökologische Heizsysteme. "Unter anderem deshalb, weil die Späne getrocknet werden müssen und weniger Holz eingeschlagen wird." Laut Matthias Simon laufen derzeit noch gut 80 Prozent der Kirchenheizungen auf Gas. "Das ist natürlich eine Verschwendung, solche Gebäude heizt man am besten mit Pellets." Pellets kommen auch für Altbauten und denkmalgeschützte Gebäude in Frage. Wer ganz große Gebäude heizen muss, könnte auf eine Hackschnitzelheizung zurückgreifen. "Da benötigen Sie aber entsprechende Lagergrößen."

Für gut gedämmte Häuser, Neubauten oder neuere Gebäude, kommen Wärmepumpen in Frage, Luftwärmepumpen in Fällen, wo nur eine kleine Differenz zwischen Heiz- und Außentemperatur überbrückt werden muss, z. B. bei Flächenheizungen; bei größeren Temperaturdifferenzen (Heizkörpern) ist eher eine Erdreichwärmepumpe zu empfehlen.

Gasheizungen könnten mit Biogas und Wasserstoff laufen

Auch Gasheizungen werden weiter wohlige Wärme produzieren, ist sich Matthias Simon sicher. "Da gibt es ja sehr viel Infrastruktur", schiebt er nach. Doch Gasheizungen werden in Zukunft wohl mehr mit Biogas laufen und mit Wasserstoff, dem leichtesten im Universum vorkommenden Element. Not macht bekanntlich erfinderisch. Matthias Simon ist überzeugt, dass in Zukunft mehr kombiniert wird. Eine Photovoltaik- und Solarthermieanlage auf dem Hausdach kann zu nahezu jedem Heizkörper ergänzt werden, die dann z. B. eine Wärmepumpe zumindest teilweise mit Strom versorgt (Photovoltaik) oder einen anderen Wärmeerzeuger (Biomasse, Gaskessel, Wärmepumpe etc.) entlastet (Solarthermie).

Energiepreise zwingen zum Umdenken

Noch erdgas- bzw. ölbetrieben sind die meisten Blockheizkraftwerke, die machen gleichzeitig Strom und Wärme.  "Aber die laufen auch mit Biogas", so Simon weiter. Und schließlich: Brennstoffzellen. Noch werden die meisten davon mit Erdgas betrieben. Wenn die Menge regenerativ erzeugten Wasserstoffs steigt, dürfte nach Dafürhalten des Energieexperten auch da eine Umstellung erfolgen. Überhaupt, die regenerative Energie: "Was die ganze Debatte über den Klimawandel nicht geschafft hat, das schaffen jetzt die hohen Energiepreise", stellt Simon fest. Vielleicht gibt es bald auch im Siegerland Energiedörfer wie im Hunsrück. Dort versorgen sich inzwischen ganze Wohnsiedlungen über Netze mit erneuerbar erzeugter Energie.

Pellets, ein Restprodukt der Sägeindustrie, verbrennen schadstoffarm.
Matthias Simon ist studierter Elektrotechniker mit abgeschlossenem Zusatzstudium Energie- und Umweltschutztechnik (Kassel). Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit ökologischen Heizsystemen.
Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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