Caritas-Schuldnerberatung:
Kritik an Schufa-Praxis

sz Siegen/Bad Berleburg. Alljährlich findet im Juni die von Wohlfahrts- und Fachverbänden durchgeführte Aktionswoche der Schuldnerberatung statt. In diesem Jahr steht diese Aktion vom 3. bis zum 7. Juni unter dem Thema „Albtraum Miete“. Im Mittelpunkt steht die Forderung nach bezahlbarem Wohnraum, der nicht nur in den großen Ballungszentren immer schwerer zu finden sei.

Bianca Braun, Tanja Kraus und Dieter Sommer von der Schuldner- und Insolvenzberatung des Caritasverbandes Siegen-Wittgenstein sehen auch in den Kommunen des Kreises Siegen-Wittgenstein dringenden Handlungsbedarf. „Für verschuldete Menschen wird die Suche nach Wohnraum zunehmend schwieriger“, so Bianca Braun. „Die hohen Mieten sind in ihrer finanziellen Situation oftmals nicht tragbar.“ Das Team der Schuldnerberatung will sich für das Recht auf bezahlbaren Wohnraum einsetzen, das von Bauwirtschaft und Politik mehr in den Fokus genommen werden sollte.

Bereits der Zugang zum Wohnungsmarkt ist demnach für Überschuldete schwierig, was unter anderem mit der benötigten Schufa-Auskunft für den Vermieter zusammenhängt. „Auch wenn diese Auskunft nur Schulden auf Telefonie oder Warenbestellungen ausweist, verweigern Vermieter den Abschluss eines Mietvertrages. Wir aber sind der Meinung, dass es eine solche Stigmatisierung aufgrund der Schufa-Auskunft nicht geben darf“, unterstreicht Tanja Kraus.

Sie wirbt für mehr Verständnis für Überschuldete. „Betroffene sind häufig mit ihrer Situation überfordert und setzen falsche Schwerpunkte. Teilweise ist der Druck der Gläubiger so groß, dass Ratenzahlungen geleistet werden und für die Miete kein Geld mehr übrigbleibt. Auch sind ihnen Beratungsdienste und Hilfsangebote nicht bekannt.“

Die durchaus mögliche Übernahme von Mietschulden durch Jobcenter oder Sozialämter müsse beantragt werden, was den Überschuldeten aus unterschiedlichen Gründen häufig schwerfalle.

Geringverdienern machen die steigenden Mieten auch im Kreis Siegen-Wittgenstein zusätzlich zu schaffen, bemerken auch die Mitarbeiter des Caritasverbandes. Sie müssten einen immer größeren Anteil des Verdienstes für die Unterkunft ausgeben. „Gerade für Bezieher von Grundsicherungsleistungen wird es immer schwieriger, weil die Jobcenter diese Kosten nur im Rahmen ihrer Vorgaben anerkennen. Das sind sichere Wege in die Überschuldung“, so Dieter Sommer.

Die Mitarbeiter unterstützen daher das Forderungspapier, das die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) anlässlich der bundesweiten Aktionswoche herausgegeben hat. Die Forderungen gehen unter den Stichworten „Wohnraum finden – Wohnraum erhalten – Wohnraum sichern“ an verschiedene Adressaten.

So muss der Sektor des gemeinwohlorientierten und sozialen Wohnungsbaus nach Auffassung der AG erheblich gestärkt werden, damit mehr bezahlbare Mietwohnungen geschaffen und dann auch erhalten werden können.

Die Schufa sollte Überschuldete im Insolvenzverfahren nicht mit einer schlechteren „Benotung“ abstrafen, da dieses Verfahren eine Form der Schuldenregulierung und somit nichts Negatives sei. Auch sollten die Negativmerkmale von Auskünften für Vermieter sich auf Miet- und ähnliche Schulden beschränken.

Auch die Sozialleistungsträger sieht die AG gefordert. Die Grenzen für die anerkennungsfähigen Kosten der Unterkunft wie Miet- und Heizkosten müssten realistisch sein und den Wohnungsmarkt auch abbilden. „Die Übernahme von Mietschulden ist so unbürokratisch wie irgend möglich zu organisieren. Auch Direktzahlungen der Miete von den Jobcentern an die Vermieter sollten zur Vermeidung von Mietschulden noch stärker eingesetzt werden“, sind sich Bianca Braun, Tanja Kraus und Dieter Sommer einig.

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