Kühe in Reihen

Die Künstlerin Barbara Christin und die „Groß-Kuh“ (herausgezoomt aus einer Teleaufnahme): Die Aufnahmen der „Kühe in Reihen“ bieten frappierende Einsichten! Foto: gmz
  • Die Künstlerin Barbara Christin und die „Groß-Kuh“ (herausgezoomt aus einer Teleaufnahme): Die Aufnahmen der „Kühe in Reihen“ bieten frappierende Einsichten! Foto: gmz
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gmz Siegen. Stehen Kühe eigentlich immer in Reihen? So wie in den Aufnahmen der Siegener Raum-Künstlerin Barbara Christin? Titel der Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit der Galerie Am Alten Garten – Wolfgang John entstanden ist, und ab morgen, 19 Uhr, in der Siegener IHK-Galerie zu sehen ist: „Kühe in Reihen“. Nebeneinander stehen sie, die Schnauze am Boden, vor sich hin grasend, völlig gleichgültig dem gegenüber, was um sie herum vorgeht.

Viel ist das augenscheinlich nicht, was auf den Bildern von den nebligen Wiesengründen geschieht. Sie könnten geradewegs aus dem Siegerland stammen, so milchig-trüb und zart vernebelt ist die Morgenstimmung, mit sporadischen Sonnen-Einsprengseln. Sie wurden aber in der Pfalz aufgenommen, wo Barbara Christin an der Fachhochschule von Kaiserslautern eine Professur für Audio- Visuelle Produktion innehat, eine Gestaltungsprofessur für Medien-Informatiker.

Außer dem Grasen der Kühe „passiert“ auf diesen Bildern kaum etwas: Die Kühe stehen da, einzeln in ihren Bildern und dann in Reihen nebeneinander gehängt, oder, in manchen Bildern, in lockeren Halbkreisen auf der Wiese oder versetzt an einem Hang. Ansonsten sieht man eine typische „ausgeräumte“ Weidelandschaft, hier und da ein vereinzelter Baum oder ein Stück Hecke, gelegentlich ein Zaun, manchmal unordentlich von hohem Gras überwuchert. Nichts Spektakuläres also. Deshalb ziehen die Kühe die Blicke der Betrachter auf sich, in ihrer gleichförmigen Tätigkeit, wobei die Tiere den Betrachter völlig ignorieren, solange er sie nicht stört.

Auch die „Reihung“ der Kühe, so stellt man fest, wenn man versucht, die Bilder zu ergründen, ist eigentlich eine, die wir in das Bild projizieren. Die Kühe sind einfach da, auf der Weide, gehen ihrer von der Grasqualität gelenkten Tätigkeit nach, und wir versuchen, wenn wir als Bildgegenstand auf sie „angewiesen“ sind, Sinn zu entdecken. Wir schaffen uns (Bild-)Räume, indem wir der Position der Kühe einen „Sinn“ verleihen, wir ordnen sie, indem wir die Präsentation der Fotos als Reihung verstehen (gelenkt natürlich von der Künstlerin), wir versuchen, uns in diesem neuen Raum sinnvoll gedanklich zu orientieren. Und stellen fest, wie viel dabei Konstrukt ist. Ohne das könnten wir uns nicht im Raum, in einer Situation zurechtfinden. Natürlich immer mit der Möglichkeit der Fehlinterpretation: Sind die Kühe tatsächlich in Reihen? Und wenn, warum wohl? Barbara Christin stößt uns auf diese Überlegungen mit ihren unspektakulären, ruhigen und teils auch sehr pfiffigen Fotos (toll beispielsweise die Riesenkuh, die ihre Kuhflecken zwar nicht lila, aber immerhin rot umrandet hat!), die sie oft aus Videoaufnahmen als Still herausgeschnitten hat. Sie macht uns bewusst, wie wir Raum schaffen, wie wir Beziehungen herstellen und woran wir uns dabei orientieren.

Ihre Fotos nennt sie deshalb „Zeitscheiben“, die aus einer langen Sequenz herausgenommen sind, und uns den einen Augenblick zeigen, in dem wir „einordnen“. Dass dieses Ordnen in ihrem Werk auch andere Dimensionen annimmt, zeigen die teils skurrilen Fundstücke, die sie in einer Vitrine im Eingangsbereich der Galerie zeigt: Das sind ebenfalls „Zeitscheiben“, die sie aus einem Verwesungs- oder Wachstumsprozess entnommen hat. Die Zeit läuft?

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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