„Unhaltbare Zustände“
Küster regt sich über Wildpinkler auf

Bis in die Abendstunden hinein werden der Kornmarkt, die Fissmer-Anlage und die Stufen vor der Nikolaikirche gut und gerne genutzt – natürlich in erster Linie bei schönem Wetter. Am nächsten Morgen dann muss Küster Stefan Kober ran, um aufzuräumen.
  • Bis in die Abendstunden hinein werden der Kornmarkt, die Fissmer-Anlage und die Stufen vor der Nikolaikirche gut und gerne genutzt – natürlich in erster Linie bei schönem Wetter. Am nächsten Morgen dann muss Küster Stefan Kober ran, um aufzuräumen.
  • Foto: Michael Roth (Archiv)
  • hochgeladen von Christian Hoffmann (Redakteur)

ch Siegen. Samstagabend. Auf dem Rücken des Siegbergs, in Siegens Altstadt. Die sinkende Sonne blinkt im Krönchen, wärmt 53 Meter weiter in der Tiefe die vielen Menschen auf der Stufenanlage vor der Nikolaikirche. Die Stimmung ist gut. Es wird getrunken, gelacht, irgend etwas Süßliches in den Shishas geraucht.

Am nächsten Morgen hat der Spaß dann längst aufgehört. „Wenn ich sonntags um 8 Uhr um die Ecke komme, dann blicke ich auf ein Schlachtfeld“, sagt Stefan Kober. Hier liegt jede Menge Müll, dort picken die Tauben Krumen aus den Essensresten. Der Küster der Nikolai-Kirchengemeinde ärgert sich. In erster Linie über das Erbrochene an den weißen Mauern mit den ochsenblutroten Gesimsen. Und über die anderen „Hinterlassenschaften“.

„Vor allem die Wildpinkler sollten sich schämen“, so Kober. Im besten Fall schlagen sie sich in die Büsche der benachbarten Fissmer-Anlage, im schlechtesten Fall schaffen es die Frauen und Männer nur bis zum Hauptportal mit der großen, eisernen Flügeltür. Dort verrichten sie immer wieder unter den Symbolen der vier Evangelisten – quasi unter den Augen von Matthäus, Johannes, Markus und Lukas – ihre Notdurft. Jüngst erst – am Himmelfahrts-Feiertag – wieder geschehen.

Kober ärgert sich nicht nur über die „unhaltbaren Zustände“. Das Beseitigen von Unrat und ungehörigem Benehmen kostet Zeit und Geld. „Ich bin froh, dass die Kräfte der Stadtreinigung uns Sonntag für Sonntag tatkräftig unterstützen. Doch es bleibt noch genug Arbeit für die Gemeindeglieder und mich, um die Anlage rund um die Kirche bis zum Gottesdienst wieder picobello hinzubekommen“, sagt der Küster.

Richtig teuer wird es zudem, wenn es gilt, Graffiti-Schmierereien zu entfernen. „Die Rechnung eines professionellen Dienstleisters kann da schon mal zwischen 20 und 100 Euro je Quadratmeter betragen. Besonders bei denkmalgeschützten Gebäuden, wie bei unserem Jahrhunderte alten Sakralbau, sind schonende Reinigungserfahren sehr wichtig.“

Kleiner Trost: Mit Vandalismus hat Küster Kober selten zu tun. Ins Visier der Zerstörungswütigen gerät eher die Martinikirche am Fuße des Siegbergs. Der kleine, aber feine Park zwischen Siegens ältester Kirche und dem Unteren Schloss ist kaum einsehbar. „Dieser Umstand hat uns in der Vergangenheit immer wieder große Sorgen bereitet“, so Pfarrerin Ute Waffenschmidt-Leng zur SZ.

Vor allem in der Dämmerung sowie in der Dunkelheit der Nacht wurden immer wieder die Fenster der Pseudobasilika eingeworfen. „Im vergangenen Sommer mit seinen vielen lauen Nächten ein echtes Problem“, stellten Waffenschmidt-Leng und das Presbyterium der Martini-Kirchengemeinde fest. Sie wollten nicht länger zuschauen, wie die Glaser aufwendig und teuer die Spitzbogenfenster reparieren mussten. Die Steine rund um die Kirche, also die „Wurfgeschosse“, wurden kurzerhand gegen Split ausgetauscht. „Seitdem haben wir Ruhe“, freut sich Ute Waffenschmidt-Leng.

Eine gute Idee in Sachen Vandalismus. Ob noch mehr solcher Ideen erdacht werden müssen, möchten die Liberalen im Siegener Stadtrat erfahren. Sie haben zur nächsten Ratssitzung in der kommenden Woche eine Anfrage zu den beiden Kirchen gestellt. Konzentrieren sich darin hauptsächlich auf die Wildpinkler.

Die FDP fragt etwa, ob man nicht die öffentliche Toilette am Kornmarkt länger offen halten müsse? Oder ob das Ordnungsamt nicht öfter Streifen laufen könne, um mittels Präsenz und Bußgeldern für Abschreckung zu sorgen?

Übrigens: Wildpinkeln ist nicht billig. Die Bußgelder für diese Ordnungswidrigkeit können zwischen 30 und 50 Euro betragen. Da hat die Stadtverwaltung mit Blick auf Ausmaß und Unverfrorenheit Ermessensspielraum. Steigt die Wiederholungsintensität, kann es rasch teurer werden.

Und: Scheuen die Wildpinkler bei ihrem Tun die Blicke anderer nicht oder zeigen sogar gänzlich ungeniert ihre naturgegebene Ausstattung, kann es sich um die Erregung eines öffentlichen Ärgernisses handeln. Sie ist in Deutschland nach Paragraf 183 a StGB eine Straftat und wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder wiederum mit einer Geldstrafe bestraft.

Autor:

Christian Hoffmann (Redakteur) aus Siegen

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