Küsters pflegt schwarzen Humor

 Arnold Küsters liebt den Kontakt zum Publikum. Foto: Dietmar Funck

ciu - Das Grauen lauert im Alltäglichen. Zum Beispiel an einem Novemberabend irgendwo am Straßenrand. Das Unterteil eines alten Schranks lässt ihn, der sich auskennt mit Antiquitäten, anhalten, das gute Stück von Nahem betrachten. Dass dieses potenziell restaurable Möbelstück eine Leiche verbergen könnte – undenkbar! Bis zu diesem Augenblick, als sich die Tür öffnet … Dass die Dinge anders liegen, als sie scheinen, wird erst spät klar in „Emma beinhart“, dem Kurzkrimi von Arnold Küsters, der im Verbund mit Wintergeschichten anderer Autoren (Lenz, Boyle, Weiler …) in „Schneefrei“ veröffentlicht sind. Das macht diese „short story“ zu einer für den Schriftsteller typischen. In seinen literarischen Texten setzt er auf den schmalen Grat zwischen Gut und Böse, zeigt ganz normale Menschen, die von einem Moment auf den anderen Ungeheuerliches erleben oder tun, lotet die Grenzen aus, die einen Mann, eine Frau zum Täter, zur Täterin werden lassen. Und das, berichtet er im Interview, hat eng mit seiner anderen Autorentätigkeit zu tun. Viele Jahre habe er als Journalist für den WDR aus dem Landgericht Mönchengladbach berichtet und u. a. beobachtet, wie niedrig die Hemmschwelle zur Gewalttat ist. Die Frage nach dem Auslöser, dem Motiv, dem Schritt vom Denken („Ich könnte …“) zur Tat – all das spiegelt sich in Küsters Geschichten und Romanen (z. B. „Maskenball“ oder „Ein Knödel zu viel“) und, auf den Punkt gebracht, in seinen kriminellen Gedichten wie diesem, „Im Säurebad der Gefühle: „Nun hab ich endlich meine Ruhe / Von ihm blieben nicht mal Schuhe.“ Wer diese schwarzhumorigen Verse liest oder hört, wird erst verdutzt stutzen, kurz überlegen, ob … ja, man darf darüber lachen oder zumindest schmunzeln. Denn dieses Gefühl, dass man einem enervierenden oder gar kränkenden Gegenüber eine wie auch immer geartete Lektion erteilen möchte, es aber (aus Anstand, Ethos, Konvention, Barmherzigkeit …) dann doch unterlässt, ist ein allzu vertrautes.

Mit seinen Kurzgeschichten und Krimi-Gedichten wird Küsters am Mittwoch, 17. Oktober, ab 19.30 Uhr zu Gast im Hilchenbacher Buchladen von Eva-Maria Graß sein. Für den am Niederrhein lebenden Autor ist das ein Besuch in der alten Heimat: Von Ende 1976 bis zum Frühjahr 1985 hat er in Siegen studiert und gearbeitet: als Referendar am Rosterberg-Gymnasium, als freier Mitarbeiter zunächst der Siegener Zeitung (seinen ersten Artikel schrieb er über Helen Vita im „Lohkasten“) und später des Stadtmagazins „Tipp“ und mit einem Job in einem Trödelladen in der Altstadt. Hier schließt sich ein Kreis. Denn, so Küsters, er habe damals kaum an Sperrmüll vorbeigehen können, „ohne mal zu kramen“. Und dann habe er „kurz vor unserer Wohnung Auf der Wellersche dieses Schrankunterteil an einem Baum gelehnt gefunden …“

Küsters ist einer, der den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen liebt. Weshalb er Mitglied im Syndikat ist (hier ist er auch Micha Krämer und Melanie Lahmer, beide in der Region beheimatet, begegnet), weshalb er gerne bei der von der Krimiautorengruppe organisierten Criminale mitmischt (im April 2019 in Aachen), weshalb er sich dafür beworben hat, als Juror für den Glauser-Preis zu arbeiten. 400 Krimis aus dem deutschsprachigen Raum liegen ihm dafür vor, bis zur Jury-Sitzung im Januar wird er daraus zehn gefiltert haben, die er in die Diskussion einbringt, in der dann das eine Buch gefunden werden soll, das aus der Masse herausragt. Aus Küsters’ Sicht ist ein Krimi gut, wenn er sprachlich ein hohes Niveau hat, wenn die Geschichte sachlich stimmt und stimmig ist und wenn sie einen Spannungsbogen hat. Dem Anspruch, den er als Juror hat, stellt er sich auch selbst. „Je länger ich schreibe, desto mehr ändert sich mein Schreibstil, er wird immer lakonischer; ich lege Wert auf jedes Wort.“ Manchmal, so Arnold Küsters, brauche er eine Stunde für die erste Seite, feile so lange, bis er den richtigen Ton gefunden habe, suche 20-mal nach einem anderen Anfang, bis es optimal passt, sitzt, genügt.

Neuerdings ist er auch mit einem literarischen Programm unterwegs: Unter dem Titel „Die Liebe ist ein seltsames Spiel – Singlesein ist keine Schande“ verknüpft er Liebesbriefe berühmter Dichter und Denker mit Schlagertextzitaten und Single-Häppchen vom Plattenteller. „Die Leute lachen, haben Spaß.“

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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