Kunst triumphiert über Religion

 Unter dem Titel „Der Künstler ist anwesend“ bot der aus der WDR-Sendung „Mitternachtsspitzen“ bekannte Moderator, Kabarettist und Autor Jürgen Becker im gut gefüllten Bad Berleburger Bürgerhaus einen Parforceritt durch die Kunst- und Religionsgeschichte. Foto: bea
  • Unter dem Titel „Der Künstler ist anwesend“ bot der aus der WDR-Sendung „Mitternachtsspitzen“ bekannte Moderator, Kabarettist und Autor Jürgen Becker im gut gefüllten Bad Berleburger Bürgerhaus einen Parforceritt durch die Kunst- und Religionsgeschichte. Foto: bea
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bea - „Dann wollen wir uns mal einen schönen Abend machen“, begann der Kölner Kabarettist Jürgen Becker am Donnerstagabend standesgemäß sein Programm und er sollte sein Versprechen voll und ganz einlösen. Unter dem Titel „Der Künstler ist anwesend“ bot der aus der WDR-Sendung „Mitternachtsspitzen“ bekannte Moderator, Kabarettist und Autor im gut gefüllten Bad Berleburger Bürgerhaus einen Parforceritt durch die Kunst- und Religionsgeschichte.

Mit insgesamt 120 auf Leinwand projizierten Bildern spann der Kabarettist im rheinischen Dialekt ungeniert, pointenreich und informativ den Bogen zwischen der 15.000 Jahre alten Höhlenmalerei von Lascaux und Marcel Duchamps Urinal „Fountain“ aus dem Jahr 1917 und titelte die Gemälde dabei teils eigenwillig – so wurde etwa aus dem „Tanz“ von Matisse der „Feierabend im Priesterseminar“. Die Religion, und gerade die römisch-katholische Kirche, die „aus einem Witz entstanden“ sei, war dem Kabarettisten häufiges Kanonenfutter.

Genauso, wie die Römer ihre Kultur bei den Griechen abgeschaut hätten und die wiederum bei den Ägyptern, so hätte das Christentum die Dreifaltigkeit Gottes von den römischen und griechischen Vorbildern nachgeahmt. Den „Triumphzug“ der römisch-katholischen Kirche erklärte Becker in der Gebäudestruktur als „Symbiose aus Aula und Markthalle“ und streifte dabei durch die Romanik, bei der „dicke Wände ohne Ende“ gelte, über die Gotik und ihren „architektonischen Sex“ bis zum Barock, dem „Rationalismus im Speckmantel“. Bis Jürgen Becker am Schluss zu dem Gemälde von Max Ernst zurückkommt und das Spannungsfeld zwischen Kunst und Religion auflöst in dem Fazit: „Die Kunst triumphiert über die Religion.“

Schließlich würden die ägyptischen Pyramiden, die griechischen Tempel und das römische Pantheon ihre Götter längst unangetastet überdauern. Aber die Kunst lerne auch von der Religion, nämlich das Prinzip der „Karnevalisierung“ („Der König wird zum Narren“), was moderne Kunst wie Marcel Duchamps ausgesuchtes Urinal möglich mache. Nach einem überschwänglichen und langen Applaus wollte Jürgen Becker dem begeisterten Publikum noch sein Lieblingsbild vorstellen – und kehrte mit einem leeren Rahmen zurück, den er in Richtung des Publikums hielt. Denn das unterscheidet die Kleinkunst von der bildenden Kunst: „Ohne euch gibt es sie nicht.“ Nach der rasanten und kurzweiligen Kunstgeschichtsvorlesung, in der man dem Kölner auch derbe Kalauer verzieh, stieß er schließlich mit dem gesamten Publikum und freiem Kölsch an.

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