Das neue Heft der Zeitschrift „Siegerland“ liegt vor
Kunstmeister und Komponisten

Im neuen „Siegerland“-Heft findet sich auch ein Artikel über die Menschen, die im Hauberg arbeiteten, sowie darüber, wie diese Arbeit organisiert war und wie sie im einzelnen aussah.
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  • Im neuen „Siegerland“-Heft findet sich auch ein Artikel über die Menschen, die im Hauberg arbeiteten, sowie darüber, wie diese Arbeit organisiert war und wie sie im einzelnen aussah.
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gmz/sz Siegen. Die neueste Ausgabe der Zeitschrift „Siegerland“, Heft 2, 2020, liegt vor, mit einem Schwerpunkt auf verschiedenen Personen, die (wie so oft im Lauf der Geschichte) Entscheidendes angestoßen haben in ihrer Zeit. Dabei wurden sie angeregt und unterstützt von den vorherrschenden Gedanken der jeweiligen Epochen, aber sie gingen auch immer über sie hinaus oder stellten sich ihnen entgegen.
Im Heft, gedruckt bei Vorländer, finden sich auf gut 100 Seiten neben Rezensionen Berichte über Johann Christian Röhrig, Anna Catharina Stutte, Alfred Fissmer, Paul Chenevier und das Kriegsgefangenelager in Deuz und Clemens Pasch. Dazu kommt eine Ausarbeitung über den Hauberg.

Die Menschen und ihre Arbeit im Hauberg

Gerade das mag den einen oder die andere stutzig machen, hat der Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein (SHGV) als Herausgeber der Zeitschrift doch vor einigen Jahren ein vielbeachtetes Sonderheft zum Thema „Hauberg“ herausgebracht. Gibt es da noch Neues zu berichten? „Definitiv“, sagt Schriftleiter Dr. Andreas Bingener auf die Frage der Heimatland-Redaktion: „Sicherlich haben wir ein Sonderheft über das Haubergswesen im Siegerland veröffentlicht. Wir haben uns dabei aber vielfach mit den historischen, rechtlichen und naturwissenschaftlichen Grundlagen der Niederwaldwirtschaft auseinandergesetzt. Ich fand den Artikel von Karl Schmidt deshalb besonders reizvoll, weil er sehr viel über die im Hauberg Beschäftigten, über den hart arbeitenden Menschen, über das unabdingbare Miteinander, das Angewiesensein auf den anderen bei der Arbeit im Hauberg berichtet. Der soziale Aspekt der Handarbeit im Hauberg und die gelebte Nachbarschaft kommen hier sehr eindrücklich zur Sprache. Wir wollten dies nochmals dokumentieren, bevor dies mit unserer Generation verloren geht.“ Über dem Artikel steht: „Leben mit dem Wald, Leben vom Wald: einst Alltag – heute Legende“. Legenden muss man kennen …

Röhrig: ein Kunstmeister und Autobiograf

Das Leben von Johann Christian Röhrig, der 1721 im Harz geboren wurden und 1812 in Hüttenhofen bei Altenkirchen gestorben ist, verlief in für seine Zeit normalen „Bergbau-Bahnen“. Allerdings war schon sehr früh während seiner Bergmannsausbildung erkennbar, dass er äußerst begabt war. „Er ist kein Obersteiger, auch wenn er den Posten formal für einige Zeit innehatte“, erläutert Dr. Andreas Bingener. „Röhrig ist Kunststeiger, hatte eine handwerkliche Ausbildung und war in der Lage, nach Erfahrung und Ausbildung zu berechnen, wie man ein abgesoffenes Bergwerk wieder mit Hilfe eines Wasserrades (also mit Hilfe der Wasserkunst) und mit Hilfe von Holzgestängen sowie Pumpen sümpft (entwässert). Kunststeiger waren Vorgänger unserer heutigen Techniker bzw. Ingenieure. Was Röhrig zudem noch auszeichnet, ist die Tatsache, dass er sein Leben aufgeschrieben hat, was für die damalige Zeit nicht wirklich üblich war.“ Diese Aufzeichnungen haben Andreas Bingener und Gerhard Moisel in diesem Artikel kommentiert ediert.

Anna Catharina Stutte: eine Reisende vor ihrer Zeit

In dem Artikel über Anna Catharina Stutte (1805–1842) gehen Markus Krämer und Gerhard Moisel der Frage nach, „welchen Wahrheitsgehalt Familienmythen“ haben, wieviel Fiktion, Wunschdenken und „Begradigung“ Familienerzählungen über Vorfahren beinhalten. Diese Fragen untersuchen sie am Beispiel einer in Obersetzen verstorbenen Frau, die in Mexiko geheiratet hat, dann mit ihrem Mann in Graubünden gelebt hat und schließlich nach Obersetzen (zurück-)kam. Sie gehen anhand verschiedener Dokumente und Erzählungen auf Spurensuche und reflektieren auch die Ungereimtheiten, auf die sie stoßen. Eine interessante Biografie, wie Andreas Bingener sagt: „Während viele, besser: die meisten Frauen ihrer Zeit, kaum aus ihrer häuslichen Umgebung herauskamen, einen Wirkungskreis von 5-10 Kilometern hatten, ist Anna Catharina Stutte weit gereist. … Dies macht sie besonders und hebt sie hervor.“ Dazu kommt die für den Leser interessante Darlegung der „Forschungsschritte“ der Autoren, verbunden mit Reflexionen über das Vorgehen in solchen „Mythenfällen“.

Reichsarbeitsdienst, Kriegsgefangenenlager Deuz und die Menschen

Wilfried Lerchstein skizziert in seinem Bericht „Vom Reichsarbeitdienst zum Kriegsgefangenenlager Deuz“ die Umstände, die die unterschiedlichen Menschen nach Deuz brachten, sei es als „Reichsarbeitsmänner“ oder „-maiden“ und auch als kriegsgefangene Arbeitskräfte. Besonderes Augenmerk legt er dabei auf die Vita des französischen Komponisten Paul Chenevier, der seine Erfahrungen als Kriegsgefangener in Deuz nicht nur niedergeschrieben, sondern auch musikalisch verarbeitet hat. Ausführlich zeichnet er zudem die Entstehung des Lagers nach (auch mit aussagekräftigen Fotos) und skizziert die Veränderungen, die durch die sich ändernden politischen Bedingungen hervorgerufen wurden. Wilfried Lerchstein druckt den Bericht Cheneviers über seine Zeit in Deuz ab, zusammen mit den Titeln der Kompositionen, die in Deuz entstanden sind. Chenevier, der nach seiner Freilassung in Frankreich als Militärmusiker gearbeitet hat und später eine Musikschule gründete, hat sich in den 1980er-Jahren selbst auf Spurensuche in Deuz begeben … Der Text enthält auch einen „Exkurs“ zu Wilhelm Knop, Abteilungsleiter im Reichsarbeitsdienstlager Deuz und, wie auch Otto Krasa, „Spatenforscher“ im Siegerland.

Alfred Fissmer: Antworten und viele Fragen

Raimund Hellwig nimmt die immer wieder aufflammende Diskussion über die Person Alfred Fissmers auf, von Siegener Bürgern verehrt als Retter vieler Menschen im Zweiten Weltkrieg durch die von ihm „orchestrierten Bunkerbauten“, wie Hellwig schreibt. Dieser Einschätzung seines Wirkens als Bürgermeister nicht nur während der Nazi-Zeit steht der kritische Blick auf seine Rolle als Verwaltungschef in dieser Zeit gegenüber, der für die „Arisierung“ des öffentlichen Lebens und die damit verbundene Unterdrückung und letztlich Vernichtung jüdischen Lebens (mit-)verantwortlich war. Raimund Hellwig hat sich intensiv mit dem Leben und der Person Alfred Fissmers auseinandergesetzt, eine ausführliche, faktenbasierte Beschreibung geliefert, die am Ende aber kein Urteil fällen will, weil doch immer noch Fakten fehlen …
Die Frage, von wem Ente, Seehund und Schwein stammen, drei Betonsteingussfiguren, die auf einem Spielplatz im Geisweider Wenscht anzutreffen sind, klärt Jutta Curtius in ihrem Beitrag. Diese drei Figuren, so ermittelte die Autorin durch Zufall, stammen von Clemens Pasch (und nicht von Ruth Fay, wie viele glauben), der auch in Bonn (zum Beispiel) Kunst im Öffentlichen Raum geschaffen hat. Sie zeigt die Rolle dieser Plastiken in Paschs Schaffen und ordnet sie in die Kunst ihrer Zeit ein.
Ein vielfältiges Heft, das dem Leser der verschiedenen Biografien und Themenstellungen ermöglicht, über die Personen in ihre Epochen einzutauchen, die so, im Erleben der Einzelnen, lebendig werden. Erhältlich ist es u. a. in der Geschäftsstelle des SHGV am Kornmarkt (telefonisch erreichbar unter 02 71/4 04 14 82).

Im neuen „Siegerland“-Heft findet sich auch ein Artikel über die Menschen, die im Hauberg arbeiteten, sowie darüber, wie diese Arbeit organisiert war und wie sie im einzelnen aussah.
So sieht ein Gradierwerk aus (bei Bad Nauheim).
Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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