Kurzarbeit bei EEW

 Die Erndtebrücker Eisenwerke befinden sich in einer suboptimalen Situation. Die Geschäftsführung hat die Belegschaft darüber informiert, dass aus diesem Grund vorerst Kurzarbeit auf dem Programm steht. Foto: Timo Karl
  • Die Erndtebrücker Eisenwerke befinden sich in einer suboptimalen Situation. Die Geschäftsführung hat die Belegschaft darüber informiert, dass aus diesem Grund vorerst Kurzarbeit auf dem Programm steht. Foto: Timo Karl
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tika - Die Erndtebrücker Eisenwerke müssen eine tiefe Talsohle durchlaufen, denn das Unternehmen musste für große Teile der Belegschaft Kurzarbeit anmelden – erstmals in der EEW-Geschichte. Exakt 528 Menschen arbeiten in den Werken in Erndtebrück – ein Drittel in der Administration, zwei Drittel in der Produktion. Und genau dieser größere Teil der Belegschaft ist von der Kurzarbeit betroffen. Zwischen drei und zehn Tagen monatlich müssen die Mitarbeiter bis Jahresende vom Kurzarbeitergeld – dies entspricht 60 Prozent des üblichen Tageslohns für Alleinstehende und 67 Prozent des Tageslohns für Verheiratete – leben, „der Rest läuft normal“, berichtete Christoph Schorge am Mittwoch. Dass das Unternehmen in einer derart prekären Lage ist, ist keinesfalls eigenverschuldet.

Im Gegenteil: Anfang des Monats erhielt die Geschäftsführung die Information darüber, dass ein fest eingeplanter Großauftrag kurzfristig geplatzt war. Ursprünglich sollte EEW insgesamt 58 Windturm-Fundamente produzieren. Allerdings hatte ein europäisches Energieunternehmen den Auftrag bei dem EEW-Kunden storniert, der die Fundamente hätte zum endgültigen Produkt verarbeiten sollen. „Diese Mengen über Rohre für 58 Fundamentstrukturen bedeuten eine Grundauslastung von sechs bis sieben Monaten für uns. Wenn ein solcher Großauftrag rund einen Monat vor Produktionsbeginn annulliert wird, steht man im Projektgeschäft mit dem Rücken zur Wand“, erklärte Christoph Schorge. Nicht zuletzt deshalb war die Kurzarbeit unumgänglich.

Bereits frühzeitig hatte EEW die IG-Metall einbezogen, um gemeinsame Lösungsansätze zu eruieren. „Wir werden genau schauen, welche Möglichkeiten wir haben. Unsere Wahrnehmung ist aber, dass es weitergeht in Erndtebrück. Die Kurzarbeit wird letztlich nicht von Dauer sein. Dass das Unternehmen zudem den Standort gestärkt hat und weiter stärkt, ist ein positives Signal“, so der IG-Metall-Bevollmächtigte Andree Jorgella. Grundsätzlich allerdings bereitet ihm die prekäre Lage der gesamten Branche buchstäblich Kopfzerbrechen.

EEW-Geschäftsführer Schorge machte deutlich, dass derartige Aufträge eine gewisse Vorlaufzeit benötigen – im Projektgeschäft gibt es keine Lagerung von Produkten, diese sind jeweils individuell gefertigt. Entsprechend müssen Unternehmen die Rohmaterialen für die Weiterverarbeitung zu Windpark-Fundamenten erst produzieren. „Selbst wenn wir im Juli einen großen Auftrag erhalten würden, wäre ein Produktionsstart vor September nicht möglich – die Vorlaufzeit beträgt zehn bis zwölf Wochen“, betonte Christoph Schorge. Bereits frühzeitig hatte das Unternehmen aus der Edergemeinde nicht nur die Gewerkschaft mit ins Boot geholt, sondern auch Betriebsrat und Belegschaft über die Situation informiert.

„Wir haben die Belegschaft bereits im April im Rahmen einer Betriebsversammlung darüber informiert, dass es Schwierigkeiten geben könnte, die über das normale Sommerloch hinausgehen könnten. Zu diesem Zeitpunkt bestand aber noch Hoffnung, dass der Großauftrag nicht storniert wird. Anfang Juni haben wir dann die Nachricht erhalten, dass der Auftrag doch geplatzt ist“, resümierte Christoph Schorge. 

Betriebsratsvorsitzende  Anke Möllers unterstrich neben dem Ernst der Lage die deutlichen Signale und die gute Kommunikation zwischen den Beteiligten. Und das Standortbekenntnis, denn immerhin rund zehn Mill. Euro fließen derzeit in die Produkt- sowie Prozessentwicklung in Erndtebrück. „Leider können diese strategischen Investitionen die Kurzarbeit nicht verhindern. Klar ist aber: Das Herz des Unternehmens ist in Erndtebrück. Und dort bleibt es auch. Wir müssen nun schauen, wie wir durch die Situation kommen und müssen uns möglicherweise konsolidieren. Denn klar ist auch: Von den weltweiten Entwicklungen des Marktes bleibt auch der Standort Erndtebrück nicht verschont“, gab Christoph Schorge zu bedenken. Der Geschäftsführer hatte das große Ganze im Blick – zunächst allerdings gilt es, die Talsohle zu durchschreiten.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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