Am Amt ist immer was zu tun
Kurzarbeit ist im öffentlichen Dienst Fremdwort

In den Ämtern läuft die Arbeit trotz Corona auf Hochtouren. Kurzarbeit ist dort kein Thema

kalle Siegen. Das ist der Traum eines jeden privat geführten Betriebes und der Mitarbeiter: Vollbeschäftigung selbst in Coronazeiten.
Weil die Corona-Krise zum Ernstfall für viele Privatunternehmen geworden ist, hat sich die Einführung des Kurzarbeitergeldes für deren Mitarbeiter als sinnvoll erwiesen. So zahlt die Bundesagentur für Arbeit zwischen 60 und 68 Prozent des Verdienstes. Einige Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt haben, weil weder produziert noch verkauft werden kann, zeigen sich kulant und stocken den Betrag um unterschiedliche Prozentsätze auf.
In der Zeit vom 1. März bis zum 26. April haben im Agenturbezirk Siegen (also die Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe) insgesamt 3918 Betriebe der Bundesagentur mitgeteilt, dass man diese angebotene Hilfe eventuell einsetzen will. Betroffen von der Kurzarbeit wären demnach 74 235 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte.
Zum Vergleich: In der Zeit der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 wurden im Agenturbezirk Siegen im gesamten Jahr 2009 knapp 1200 Anzeigen mit rund 39 000 Beschäftigten gestellt.
Zur Einordnung: Nicht jede angezeigte verkürzte Arbeit muss auch so umgesetzt werden. Die realisierte Kurzarbeit erfährt die Arbeitsagentur erst mit der Abrechnung durch die Arbeitgeber. Die Abrechnung kann innerhalb von drei Monaten erfolgen.
Während also Tausende von Beschäftigten in der aktuellen Situation in der Privatwirtschaft nicht genügend Arbeit in ihren Betrieben finden, sieht das im Bereich des öffentlichen Dienstes komplett anders aus.
Die Arbeitsagentur bestätigte auf Anfrage der Siegener Zeitung, dass weder aus einem Rathaus noch einer anderen Behörde eine Anfrage zum Kurzarbeitergeld vorliege. Auf die Frage, wie man das von der Arbeitsagentur bewerte, schreibt die Pressestelle, man gehe davon aus, dass es wohl für den öffentlichen Dienst in unserer Region genug Arbeit gebe. Punkt.
Auf SZ-Anfrage bei der Stadt Siegen, warum trotz Corona alle Abteilungen so ausgelastet seien, dass es keine Kurzarbeit gibt, sagt die Pressestelle: „Kurzarbeit ist derzeit kein Thema für die Stadtverwaltung Siegen. Denn auch, wenn Einrichtungen vorübergehend geschlossen sind – oder, vielmehr: waren, wie Stadtbibliothek, Museum, VHS, Archiv, die alle wieder geöffnet sind –, ist die Arbeit der Beschäftigten dort nicht eingestellt worden. So wurden sie etwa dort eingesetzt, wo sich durch die Pandemie bzw. deren Auswirkungen gerade ein hoher Bedarf ergab, beispielsweise beim Ordnungsamt oder den verschiedenen Hotlines.“
Zugleich sei der Anteil der Beschäftigten, die von zu Hause aus arbeiteten und beispielsweise auch Hintergrundaufgaben für andere Bereiche erledigen können, stark erhöht worden. Durch technische Ausstattung in Form von mobilem Arbeiten etwa. Eine Maßnahme, die sich gut bewährt habe und „nach Corona“ fortgesetzt bzw. ausgebaut werden solle.
Es mussten Notfallbetreuungen in Schulen und Kitas organisiert und durchgeführt werden, heißt es von der Stadt Siegen. In den Schulen, Schwimmbädern, dem Museum und der Siegerlandhalle seien Reparaturen und Sanierungen vorgezogen worden. Maßnahmen, die etwa die Hausmeister und Kollegen der Bauhöfe erledigen könnten.
Auch beim Kreis Siegen-Wittgenstein ist Kurzarbeit ein Fremdwort. Nach Auskunft von Pressesprecher Torsten Manges habe man den Mitarbeitern, die in Coronazeiten nicht stark belastet seien, nahe gelegt, Überstunden oder Alturlaub abzubauen. Dies werde auch umgesetzt. Außerdem habe man Mitarbeiter etwa dem Gesundheitsamt zugeordnet, da es dort einen enormen Personalbedarf gebe. Hier, so Manges weiter, seien etwa Mitarbeiter des Jugendamtes, aber auch vieler anderer Abteilungen zugeordnet worden. Obwohl das Kreishaus geschlossen hat, scheint also genug Arbeit vorhanden zu sein.

Autor:

Karl-Hermann Schlabach (Redakteur) aus Siegen

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