»Kurzen Prozess« gemacht

53. Tag im »Rotlichtprozess« verging im »Antragsstadium«

pebe Siegen. Nur knapp zwei Stunden dauerte gestern die 53. Ausgabe des Siegener »Rotlicht-Prozesses«. Begonnen hatte der Verhandlungstag mit einem Antrag von Rechtsanwalt Dr. Jürgen Fischer, der ungeahnte Folgen hatte. Fischer forderte, die Aussagen des 40-jährigen Zeugen, der am vorigen Prozesstag erstmals ausgesagt hatte, per Tonbandgerät aufnehmen zu lassen oder sie auf andere Weise wörtlich zu protokollieren. Der Zeuge mache sich nach seiner Aussage vom vorherigen Verhandlungstag einer »Straftat in der Hauptverhandlung« schuldig, begründete Fischer sein Ansinnen.

Vorbereitung und Nachbereitung des Autobombenattentats seien, so der Zeuge, in seiner Gegenwart geschehen. Zwar seien diese »Äußerungen des Zeugen höchstwahrscheinlich falsch«, aber wenn sie richtig seien, habe sich der 40-Jährige der »psychischen Beihilfe zum Mord und versuchten Mord« schuldig gemacht. Und das rechtfertige die wörtliche Protokollierung. Durch seine widerstandslose, stille Teilnahme an der Vorbereitung des Attentats hätte er dann dem Hintermann, Gehilfen und Täter psychische Unterstützung gewährt. Möglich wäre aber auch eine »Beihilfe durch Unterlassen«. Fischer: »Er gehört nicht in den Zeugenstand, sondern auf die Anklagebank.«

Ein Tonbandmitschnitt, teilte der Schwurgerichtsvorsitzende, Richter Wolfgang Münker, dem Zeugen mit, sei nach Auffassung des Bundesgerichtshofs nur dann zulässig, wenn der Zeuge dem zustimme. Dies aber, bekundete der Rechtsbeistand des 40-Jährigen, werde man »mit Sicherheit nicht« tun. Fischers Worte verfehlten indes ihre Wirkung nicht – auf doppelte Weise.

Zornig meinte zunächst Staatsanwalt Manfred Lischeck, der Antrag ziele »nicht darauf, die Aussagen des Zeugen zu protokollieren, sondern dienen einzig und allein dem Zweck, den Zeugen einzuschüchtern«. Dies zeige sich auch daran, dass Fischer mit den Antrag gewartet habe, bis der 40-Jährige im Saal gewesen sei. Fischer konterte, sein Abwarten sei durchaus »sorgfältig abgewogen« gewesen. Wenn es aber jemanden gebe, der »am Zeugen herum manipuliert hat, dann sind Sie es persönlich« – und jener Hauptkommissar, der schon häufig den Unmut der Verteidiger erregt hatte.

Fischers Kollege Dr. Ulrich Endres, der sich wie die anderen Verteidiger auch dem Antrag angeschlossen hatte, forderte für den Fall einer Ablehnung zusätzlich, die Verhandlung mit dem Zeugen auszusetzen, bis er eine »Schreibkraft herbeigeschafft« habe. Das Gericht jedoch lehnte beide Anträge ab. Die Tonbandaufnahme sei schon wegen der Weigerung des Zeugen nicht gestattet. Und Endres habe Zeit genug gehabt, für eine Schreibkraft Vorsorge zu treffen.

Doch Fischers Antrag wirkte weiter nach. Denn der Rechtsbeistand des Zeugen meinte, sein Mandant wolle »nach den erheblichen Vorwürfen gegen ihn geprüft haben, ob diese berechtigt sind«. Und dazu brauche er Zeit – bis übers Wochenende. Fortsetzung also am kommenden Montag.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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