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Wieder Wirbel um die Fissmer-Anlage
Kurzinfo auf Acryltafel als Klitterung kritisiert

Der Textvorschlag für  eine Acryltafel in der Fissmer-Anlage kommt nicht bei allen Parteien gut an. (Archivbild)
  • Der Textvorschlag für eine Acryltafel in der Fissmer-Anlage kommt nicht bei allen Parteien gut an. (Archivbild)
  • Foto: Archiv
  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

js Siegen. Alfred Fissmer bleibt Namenspatron des Innenstadtareals vor der Siegener Nikolaikirche. Das steht fest, der Rat hat sich im Sommer vergangenen gegen eine Umbenennung ausgesprochen, die zwei Jahre zuvor in der Politik debattiert worden war. Statt den Namen des früheren Oberbürgermeisters ganz von der Bildfläche verschwinden zu lassen, geht die Stadt nun einen anderen Weg: Sie setzt auf Transparenz und eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Geschichte, konfrontiert die Besucher der Fissmer-Anlage daher künftig mit dem Werdegang der prominenten, aber durchaus umstrittenen Siegener Persönlichkeit – mit einer Infotafel aus Acryl.

js Siegen. Alfred Fissmer bleibt Namenspatron des Innenstadtareals vor der Siegener Nikolaikirche. Das steht fest, der Rat hat sich im Sommer vergangenen gegen eine Umbenennung ausgesprochen, die zwei Jahre zuvor in der Politik debattiert worden war. Statt den Namen des früheren Oberbürgermeisters ganz von der Bildfläche verschwinden zu lassen, geht die Stadt nun einen anderen Weg: Sie setzt auf Transparenz und eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Geschichte, konfrontiert die Besucher der Fissmer-Anlage daher künftig mit dem Werdegang der prominenten, aber durchaus umstrittenen Siegener Persönlichkeit – mit einer Infotafel aus Acryl.

Kein einstimmiges Votum

Der Text dafür liegt nun vor, in einer Kompaktversion für das schnelle Lesen vor Ort und in einer Langfassung, die mithilfe eines QR-Codes im Internet aufgerufen werden kann. Mehrheitlich, aber eben keineswegs einstimmig votierte der Kulturausschuss nun für diesen von Stadtarchivar Dr. Patrick Sturm vorgeschlagenen Text:
„Alfred Fissmer (1878-1966) war von 1919 bis 1945 Bürgermeister und Oberbürgermeister der Stadt Siegen. In seiner Amtszeit machte er sich durch die nachhaltige Förderung Siegens verdient, darunter weitsichtige Maßnahmen zu Stadtplanung, Infrastruktur und Bauwesen sowie eine vorbildliche Finanzpolitik. Auf Initiative Fissmers wurde Siegen durch die Ansiedlung mehrerer Kasernen zum Militärstandort. Auch betrieb er ein umfangreiches Luftschutzprogramm zum Schutz der Zivilbevölkerung. In der NS-Zeit war Fissmer Mitglied verschiedener NS-Organisationen und trat 1937 in die NSDAP ein, ohne als bekennender Nationalsozialist aufzutreten. Gleichwohl setzte er sich für Verfolgte des NS-Regimes ein. Er arrangierte sich mit den Machthabern, wohl um sein Amt zu erhalten, und war somit als Oberbürgermeister für die Vorgänge in Siegen mitverantwortlich. Nach dem Zweiten Weltkrieg trat Fissmer in die neu gegründete CDU ein und blieb im öffentlichen Leben präsent. 1953 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Siegen ernannt und erhielt das Bundesverdienstkreuz verliehen.“

 Formulierungen „schärfer machen"

Den Fraktionen von der Linken, den Grünen und Volt waren die Formulierungen nicht ausreichend. Henning Klein (Linke) wünschte sich eine Verdeutlichung, dass Fissmer bereits ab 1933 Siegen zum Militärstandort gemacht habe. Die Formulierungen müssten „schärfer gemacht“ werden, bislang blieben sie zu sehr an der Oberfläche. Lena Schmidt (Grüne) bemängelte, dass Fissmers SS-Mitgliedschaft verschwiegen werde – der Text wirke „eher beschönigend“. Ihr Fraktionskollege Reinhard Hillnhütter nannte ihn sogar „skandalös“ und „beschämend“. Erik Dietrich (Volt) ging einen Schritt weiter: Von Ausgewogenheit könne keine Rede sein, fast aber schon von einer Klitterung. Die Beschriftung der Acryltafel müsse dringend noch in den Arbeitskreis überwiesen werden, der sich in Kürze auch mit „kritischen“ Straßenbezeichungen (etwa der Lothar-Irle-Straße) befassen soll. SPD und Union hingegen zeigten sich zufrieden mit der Formulierung. Isabelle Eberling (CDU) warnte davor, sich gegen den Textvorschlag auszusprechen. Eine solche Tafel aufzustellen, sei das Beste, was die Stadt machen könne. Die Verwaltung machte deutlich, dass Archivar Sturm sich mit großer Sorgfalt um den Sachverhalt gekümmert habe. „Wenn hier etwas skandalös ist“, meinte Harald Hahn (CDU), dann sei es, dass bei jeder Gelegenheit diese Sau durchs Dorf getrieben werde. „Wir können die Situation von damals nicht beurteilen.“

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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