„Kutsche“ mit drei Pferdestärken

 Aus der „Schatzkiste“ von Rudolf Bald stammt dieser Kutschwagen. Eine spannende Geschichte bringt das 3-PS-Gefährt jetzt nach Kolumbien. Foto: privat
  • Aus der „Schatzkiste“ von Rudolf Bald stammt dieser Kutschwagen. Eine spannende Geschichte bringt das 3-PS-Gefährt jetzt nach Kolumbien. Foto: privat
  • hochgeladen von Archiv-Artikel Siegener Zeitung

sz - Als Rudolf Bald seinen Enkel Florian mit der Idee vertraut machte, etwas Platz im Museum zu schaffen, ahnte er noch nicht, welch schöne Geschichte daraus entstehen würde. Es bedurfte einiger Recherche, bis der Kontakt zu „Steenbuck Automobiles“ nahe Hamburg entstand. Nach mehreren Treffen mit Geschäftsführer und Oldtimer-Spezialist Reinhard Sachse einigte man sich, den „De Dion-Bouton Motorwagen“ in Sachses Ausstellung in Gödenstorf-Lübberstedt zu präsentieren. Nachdem der kurbelgelenkte Kutschenwagen ebenfalls auf der Techno Classica in Essen ausgestellt worden war, zeigte sich Interesse seitens eines kolumbianischen Sammlers.

Dieser wandte sich mit diesem Hintergrund an Reinhard Sachse: Um 1900 begab sich ein kolumbianischer Großgrundbesitzer auf eine Reise nach Paris und sah dort „pferdelose Kutschen“. Wieder in Kolumbien zurück, besaß er nach kurzer Zeit solch einen Kutschenwagen. Aufgrund sehr schlechter Straßenverhältnisse umkreiste er damit sein Anwesen auf einer eigens dafür angelegten Fahrbahn. Nach Jahren, der Gutsherr war längst verstorben, entdeckten seine jungen Angehörigen den eingestaubten „De Dion-Bouton“ in einer Holzscheune. Mangels Kenntnissen sowie entsprechenden Handwerkszeugs sollte der 402 ccm große, drei PS leistende Einzylinder-Verbrennungsmotor nicht wieder zum Leben erweckt werden.

Stattdessen beförderten die Jungspunde den „De Dion-Bouton“ auf einen angrenzenden Hügel. Bevor der „De Dion“ allerdings zu einer Abfahrt ins Rollen kam, schaltete sich die Großmutter des Hauses ein und verbot ein solches Abenteuer. Schlimmer noch: Der Motorwagen wurde auf Befehl der alten Dame durch Angestellte des Guts in ein zuvor ausgehobenes Erdloch verbannt. Spätere Nachkommen versuchten immer wieder, den „De Dion“ bzw. sein Grab aufzuspüren. Vergebens. Die aktuelle Generation beschloss, einen entsprechenden „De Dion-Bouton“ zu kaufen und nach Kolumbien zu holen.

Nach Klärung aller Modalitäten wartet der fahrbereite „De Dion-Bouton“ nun auf seine Überführung nach London, wo er auf Wunsch des neuen Besitzers ein drittes Mal am prestigeträchtigen „London to Brighton Veteran Car Run“, für Fahrzeuge bis Baujahr 1905, teilnimmt. Trotz der frühen, recht einfach aufgebauten Technik wird ein gewisses handwerkliches Geschick, verbunden mit einem geschulten Ohr sowie Fachwissen bei einer solchen Ausfahrt verlangt. Um etwaigen Problemen vorzubeugen, übernimmt in London ein befreundeter Oldtimer-Spezialist aus Burbach die Kurbel zum „120-Jährigen“ des Ereignisses. Im Anschluss an das älteste, ohne Unterbrechung stattfindende Motor-Event tritt der „De Dion-Bouton“ seine Schiffsreise nach Südamerika an.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.