Labor kam nicht unter den Hammer

Gelegenheit macht Käufer:

Fachbereich Bauingenieurwesen deckte sich aus Holzmann-Konkurs mit Hightech ein

kk Siegen. Not macht bekanntlich erfinderisch. Denn: Zum einen sind die öffentlichen Kassen leer. Das betrifft auch die Universitäten. Zum anderen besteht Bedarf an modernster Technik, um den Studierenden optimale Ausbildungsmöglichkeiten zu bieten und auch, um für die Wirtschaft als Kooperationspartner attraktiv zu sein. Die Universität Siegen und vor allem der Fachbereich Bauingenieurwesen schlug nun sprichwörtlich zwei Fliegen mit einer Klappe. Er gelangte günstig an eine topmoderne Laboreinrichtung, die für Forschung und Lehre notwendig ist und zudem vor allem das Fachgebiet Geotechnik für Drittmittelgeber interessant machen dürfte.

Nicht ohne Stolz präsentierten Dekan Prof. Dr.-Ing. Jürgen Jensen und Fachgebietsleiter Prof. Dr.-Ing. Richard Herrmann den Neuerwerb – eine Versuchseinrichtung zur Fels- und Bodenmechanik sowie für die Bautechnik –, der in einem Raum an der Paul-Bonatz-Straße seinen Platz gefunden hat und über die Grenzen des Fachbereichs hinaus nutzbar sein soll.

Rund 125000 e hätte das umfangreiche Gerät, das fünf Jahre auf dem Buckel hat, und von dem noch eine lange Nutzungsdauer erwartet wird, normalerweise als Neuanschaffung gekostet. Eine stattliche Stange Geld. Wie viel die Universität für das gebrauchte Gerät bezahlt hat, bleibt ihr Geheimnis. Nur soweit ließen sich die Experten ein: Ihnen ist ein Schnäppchen gelungen. Und das kam so: Der Bau-Gigant Philip Holzmann ging bekanntlich Pleite. Mit in den Insolvenz-Sog rutschte das Firmen eigene Geotechnik-Labor. Herrmann: »Das hatte erfolgreich gearbeitet und war sehr gut ausgestattet.« Den Konkursrichter beeindruckte das wenig. Die Laboreinrichtung sollte unter den Hammer kommen. Schon vor dem Zuschlag auf dem Versteigerungspodest hatten die Siegener vernommen, was die Uhr geschlagen hatte. Sie wurden aktiv.

Herrmann: »Die Rektorin sagte uns Unterstützung zu.« Drittmittel wurden eingesetzt, Gelder des Fachbereichs bereit gestellt. Das Resultat: »Wir haben das Paradestück des Holzmann-Labors bereits im Vorfeld der Versteigerung erworben.« Der Hersteller installierte den Erwerb auf dem Haardter Berg. Hard- und Software sowie eine 200-Tonnen Presse zur Rechten und eine 20-Tonnen-Presse zur Linken machen es möglich: »Wir können jetzt Versuche felsmechanischer und bautechnischer Art bis hin zu zyklischen Versuchen fahren«, erläutert der Fachgebietsleiter.

Wissenschaftler und Studierende profitieren von der Einrichtung. Auch die türkische Partneruniversität Isparta hat einen Nutzen. Das Labor kann der Erdbebenforschung dienen; entsprechende Arbeiten laufen bereits. Auch für die heimische Wirtschaft könnte der Neuerwerb von Interesse sein. Vor allem für solche, die mit Spezialtiefbauvorhaben beschäftigt sind. Gesteinsfestigkeiten beispielsweise kann mithilfe der Versuchseinrichtung auf den Zahn gefühlt werden. Dekan Jensen: »Für den universitären Studiengang werden Drittmittel mit Blick auf die Zielvereinbarungen immer wichtiger.«

Die Universität Siegen ist zu Sonderpreisen an hochwertige Laborgeräte gekommen. Gerne hätte man aus der Holzmann-Konkursmasse auch das Partner-Institut im äthiopischen Arba Minch ausgestattet. Die Gelegenheit wäre im wahrsten Sinne des Wortes günstig gewesen. Die Äthiopier selbst aber machten den Helfern einen Strich durch die Rechnung. Jensen: »Die Regierung hätte Einfuhrzölle auf den Neuwert verlangt.« Das Arba Minch Water Technology Institute konnte diese Gelder nicht aufbringen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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