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Bei Lachyoga-Trainerin Betty Bach bleibt kein Auge trocken
Lachen ist die beste Medizin

Dass Lachen tatsächlich ansteckend ist, sieht man schon auf unserem Screenshot. Denn sichtlich haben alle Teilnehmer beim Lachyoga ihren Spaß.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

tile Siegen. Bei diesem Termin kann sich die Siegener Zeitung das Lachen nicht verkneifen. Montagabends ist „Lachen mit Betty“ einfach Pflicht. 17 Teilnehmer haben sich per Video-Chat dazugeschaltet, die meisten kennen sich, zwei Freundinnen wurden diesmal ebenso wie der SZ-Redakteur zum Schnuppern „eingeschleust“. Die Neuen werden gleich geduzt, das gehört zum guten Ton – und lockert die Atmosphäre. Ohne Umschweife verrät Betty Bach das Geheimnis des Lachyogas: „Es ist egal, ob das Lachen echt ist oder gespielt, es setzt immer einen neurophysiologischen Prozess in Gang.“

Dass Lachen tatsächlich ansteckend ist, wird schon beim Warmmachen klar: „schüchternes Lachen hinter vorgehaltener Hand“ – einfach köstlich.

tile Siegen. Bei diesem Termin kann sich die Siegener Zeitung das Lachen nicht verkneifen. Montagabends ist „Lachen mit Betty“ einfach Pflicht. 17 Teilnehmer haben sich per Video-Chat dazugeschaltet, die meisten kennen sich, zwei Freundinnen wurden diesmal ebenso wie der SZ-Redakteur zum Schnuppern „eingeschleust“. Die Neuen werden gleich geduzt, das gehört zum guten Ton – und lockert die Atmosphäre. Ohne Umschweife verrät Betty Bach das Geheimnis des Lachyogas: „Es ist egal, ob das Lachen echt ist oder gespielt, es setzt immer einen neurophysiologischen Prozess in Gang.“

Dass Lachen tatsächlich ansteckend ist, wird schon beim Warmmachen klar: „schüchternes Lachen hinter vorgehaltener Hand“ – einfach köstlich. Anschließend lässt das „Vokalfenster A“ viel Sauerstoff in die Lunge, beim sich entladenden „Ha-ha-ha“ entspannt sich die Brustmuskulatur spürbar. Der Vokal O lässt – „Ho ho ho!“ – das Zwerchfell hüpfen, das ist gut für die inneren Organe.

Stress beim Homeschooling mit zwei Kindern? Der wird einfach kleingelacht. „Sehr gut, ja. Very good, yeah! Muy bien, si!“ Eine Handvoll weiterer Übungen stehend und sitzend folgen (insgesamt gibt es 300 Übungen beim Lachyoga); nach zwei Minuten freiem Lachen stellt sich die Frage: Wann macht sich der Muskelkater bemerkbar? Noch eine kurze Entspannung zum Abschluss, dann sind 30 Minuten auch schon vorbei. Es stellt sich ein Gefühl ein, innerlich „gereinigt“ zu sein.

Lachen stärkt psychische Widerstandskraft

„Der Gesellschaft ist das Lachen abhandengekommen. In Deutschland mehr als in anderen Kulturen“, meint Shekib. Lachyoga sei ein Weg, es neu zu „lernen“. „Einfach mal wieder Kind sein, gute Laune haben“, beschreibt Hülya ihre Motivation. Pierre sagt, er lache jetzt viel mehr im Alltag, „das gibt mir Energie“. Sie habe das Lachen in der Gemeinschaft vermisst, verrät Neuling Lena. Heike hat Lachyoga in einer schweren Zeit für sich entdeckt, „dabei finde ich eine Möglichkeit, besser bei mir selbst zu bleiben“. Lachen sei ein exzellentes Resilienztraining, also eine Methode, die psychische Widerstandskraft zu stärken. Offen dafür zu sein, das bezeichnet Heike als „emotionale Intelligenz“.

Im Oktober 2019 hat Betty Bach (www.lachen-mit-betty.de) in Köln aus Neugier ihren ersten Workshop besucht – und sich gleich darauf zur Lachyoga-Trainerin ausbilden lassen. Beim TSV Oberfischbach gab die 47-Jährige aus Oberheuslingen ihre ersten drei Kurse mit je vier Einheiten. In der Filiale ihres Arbeitgebers in Niederfischbach durfte die gelernte Bankkauffrau im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements ihren Kollegen das Lachen lehren. Für einen Geburtstag mit über 70 Gästen wurde sie als Überraschungsgast gebucht. Dann kam Corona. Noch im März 2020 lud die zweifache Mutter zur ersten Online-Sitzung von „Lachen mit Betty“ ein. „Seitdem lachen wir jeden Montag.“

Studien der Universität Tempere, Finnland, belegten, „dass der Augenkontakt über den Bildschirm dieselben Reaktionen auslösen wie von Angesicht zu Angesicht“, erklärt Betty Bach. Lachen ist also auch online hochansteckend. Das liegt an den Spiegelneutronen, Nervenzellen im Gehirn, die beim Beobachten eines Vorgangs (Bewegung, Mimik etc.) die gleichen Aktivitätsmuster aufweisen wie bei dessen eigener Ausführung. Gemeinsames Lachen potenziere den Effekt nochmal deutlich, so Betty Bach. Kein Wunder also, dass die Montagslacher allwöchentlich lieber vor den Bildschirmen sitzen als (allein) zum Lachen in den Keller zu gehen.

Sauerstoffdusche für die Zellen

„Lachen wirkt auf drei Ebenen“, sagt die Lachyoga-Trainerin: körperlich, mental und emotional. Beim Lachen werden 300 der 650 menschlichen Muskeln beansprucht, allein 17 im Gesicht. Für die Zellen ist es eine wahre Sauerstoffdusche, die inneren Organe entspannen. Lachen weitet die Adern und senkt den Blutdruck. Dem Geist gönnt es eine Auszeit von seinen 60 000 bis 80 000 Gedanken am Tag und versetzt ihn in eine Art Meditationszustand. „Das ist Gedankenhygiene.“ Und schließlich ist Lachen eng mit dem Gefühl Freude verknüpft. „Wenn wir lachen ist für Angst, Wut und Trauer kein Platz“, sagt Frohnatur Betty Bach. Es gehe nicht darum, alle anderen Gefühle zu unterdrücken, aber das Lachen lasse sich bewusst einsetzen, um „emotionale Wellentäler“ abzufangen und schneller zu überwinden.

Eine besondere Funktion erfüllt der Musculus zygomaticus, der „Jochbeinmuskel“. Beim Lachen drückt dieser auf einen Nerv, der im Gehirn einen biochemischen Vorgang auslöst, der das Glückshormon Endorphin ausschüttet und Stresshormone abbaut. „Aber erst ab 60 Sekunden“, erklärt die Lachexpertin. Ihr Tipp: Bei Ärger oder schlechter Laune einfach kurz zurückziehen und mindestens eine Minute still lachen oder lächeln. „Danach geht es einem besser!“

Viel und lange lachen lautet also die Devise. Kinder wissen das offenbar instinktiv, sie lachen bis zu 400 Mal am Tag – Erwachsene nur 15 Mal. Wenn dann doch an einem heißen Corona-Sommertag bei offenem Fenster schallend gelacht wird, dann beschwert sich die Nachbarin, musste Hülya feststellen. Irgendwie traurig.

Lachyoga Der indische Arzt Dr. Madan Kataria begründete 1995 das Lachyoga. Was als Experiment in einem Park in Mumbai mit fünf Personen begann, hat sich zu einer internationalen Bewegung entwickelt. Heute wird in 100 Ländern Lachyoga praktiziert, in Deutschland gibt es über 1000 Trainer, wovon aber nur ein kleiner Teil tatsächlich Lachyoga aktiv vermittelt. Es gibt sogar ein Lachtelefon. Unter Tel. (0 21 31) 77 34 152 (zum Festnetztarif) wird von 9 bis 19 Uhr unter Anleitung drei Minuten lang gelacht. Neben „Montags zum Lachen“ bietet Betty Bach Lachyoga auch als BGM-Maßnahme (betriebliches Gesundheitsmanagement) für Unternehmen an. Am 30. Januar fand erstmals die von ihr mit-organisierte Online-„LachBar“ mit Workshop und Live-Musik statt (nächster Termin: 27. Februar).
Dass Lachen tatsächlich ansteckend ist, sieht man schon auf unserem Screenshot. Denn sichtlich haben alle Teilnehmer beim Lachyoga ihren Spaß.
Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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