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Pro und Kontra zum Corona-Lockdown
Längst überfällig oder unverhältnismäßig?

Sind die beschlossenen Corona-Maßnahmen angemessen oder unverhältnismäßig?

sz Siegen/Betzdorf/Bad Berleburg/Olpe. Jetzt ist er da, der befürchtete Corona-Rundumschlag - mit heftigen Einschnitten, mindestens für den Monat November. Die von Bund und Ländern beschlossenen Maßnahmen schlagen hohe Wellen, werden heftig diskutiert. Wir müssen nun ein paar Wochen Geduld bewahren, der Lockdown sei längst überfällig gewesen meint SZ-Redakteur Michael Roth. Kollege Holger Böhler hält dagegen und steht zumindest einigen Maßnahmen kritisch gegenüber. Lesen Sie hier unser Pro und Kontra zu den jüngst verordneten Corona-Maßnahmen.

Pro (Michael Roth): Über Monate hinweg haben alle Leute Zeit gehabt, sich mit den AHA-Regeln vertraut zu machen und danach zu handeln.

sz Siegen/Betzdorf/Bad Berleburg/Olpe. Jetzt ist er da, der befürchtete Corona-Rundumschlag - mit heftigen Einschnitten, mindestens für den Monat November. Die von Bund und Ländern beschlossenen Maßnahmen schlagen hohe Wellen, werden heftig diskutiert. Wir müssen nun ein paar Wochen Geduld bewahren, der Lockdown sei längst überfällig gewesen meint SZ-Redakteur Michael Roth. Kollege Holger Böhler hält dagegen und steht zumindest einigen Maßnahmen kritisch gegenüber. Lesen Sie hier unser Pro und Kontra zu den jüngst verordneten Corona-Maßnahmen.

  • Pro (Michael Roth): Über Monate hinweg haben alle Leute Zeit gehabt, sich mit den AHA-Regeln vertraut zu machen und danach zu handeln. Viele haben das getan, noch mehr haben es aus vielerlei Gründen ab und an unterlassen, andere verweigern es partout und permanent. Angesichts dieser unerwünschten „Vielfalt“ und fehlender Geschlossenheit im Handeln verwundert es kaum, dass mit dem Ende der Outdoor-Saison die Zahlen der Infizierten steigen und steigen.
    Eigentlich vor zwei Wochen schon hätte es einen Lockdown geben müssen, die Zahlen waren da bereits alarmierend. Appelle haben rein gar nichts gebracht, waren das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt worden sind. Mit dem klimatisch bedingten Wechsel weg vom großen, offenen Biergarten in die privaten Partykeller rücken die Feiernden automatisch näher zusammen. Im Privaten wird an den Wochenenden nachgeholt, was jetzt in Gaststätten und Restaurants nicht mehr möglich ist – sich etwas gönnen, von der Arbeit abschalten. Da verlangen Bund und Länder in der Tat sehr viel von den Bürgern. Endlos lange Wochen wird das nicht gutgehen können, ein solcher Lockdown darf tatsächlich nur bis zum Ende des Monats gehen. Nicht wenige Leute sagen spontan eine Verlängerung der Maßnahmen bis in den Advent und womöglich über Weihnachten voraus. Das darf nicht sein. Die Devise jetzt muss lauten: Ein paar Wochen die Pandemie-Regeln akzeptieren und Geduld beweisen. Schwer wird das, keine Frage, aber machbar ist es. Mal ehrlich: Ich möchte gesund bleiben, bis es einen Impfstoff gibt. Jetzt meckern ist erlaubt, sollte aber nicht alleiniger Maßstab aller Dinge sein. Stichtag ist der 2. November: Vorher darf man/frau am Wochenende noch einmal ausgehen. Ich werde es tun. Mit Maske und Distanz. Nicht alle Gastronomen sind Sündenböcke
    .
  • Kontra (Holger Böhler): Vorweg: Ich zähle nicht zu den Corona-Leugnern, im Gegenteil, ich sehe durchaus die Gefährlichkeit des Virus. Und doch: Ich stehe einigen Maßnahmen kritisch gegenüber. Hier werden beispielsweise einige Branchen – insbesondere die Gastronomie – und Berufsgruppen in ihrer Existenz bedroht, ohne jemals den Nachweis erbracht zu haben, dass diese für den Anstieg der Infektionszahlen verantwortlich sind.
    Es bleibt zudem ein fader Beigeschmack, wenn Kantinen – wie die des Bundestags – weiterhin betrieben werden, der familiengeführte Landgasthof aber nicht. In manchen Restaurants herrscht indes ein Hygieneniveau, das das in Krankenhäusern übersteigt. In Industrie und Handel werden hingegen weniger strenge Maßstäbe angelegt. Aber warum? Immer mehr Menschen im Lande stellen die Verhältnismäßigkeit mancher Einschränkungen infrage. Da wird Geschwistern versagt, gemeinsam ihren todkranken Vater im Hospital zu besuchen, aber abends sehen diese am TV, wie sich Profifußballer auf dem zuvor bespuckten Rasen rumwälzen und im Torjubel zu Menschentrauben vereinen. Das passt nicht – und deshalb schwindet die Akzeptanz spürbar. Es gibt überdies Fachleute, die mutmaßen, dass im Frühjahr nicht der sogenannte Lockdown die Infektionszahlen hat sinken lassen, sondern einzig das massenhaft vernünftige Verhalten der Menschen. Ob die nun wieder verschärften Restriktionen diese Vernunft der Bürger reanimieren werden oder eher ein Gefühl der willfährigen Gängelung mit der Folge einer „bockigen“ Missachtung aufkeimen lassen, bleibt abzuwarten. Wenn sich jeder selbst und die Menschen um ihn herum aus Überzeugung mit den sogenannten AHA-Regeln zu schützen versucht, ist der Gesellschaft mehr geholfen als mit nicht gänzlich nachvollziehbaren Einschränkungen
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Autor:

SZ Redaktion aus Siegen

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