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Zusammenleben kann zum Problem werden
Lagerkoller im Lockdown

Das enge Zusammenleben in Zeiten des Lockdowns kann zu einem echten Problem werden.
  • Das enge Zusammenleben in Zeiten des Lockdowns kann zu einem echten Problem werden.
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Das Zusammenleben auf engem Raum während des Lockdowns kann herausfordernd sein. Für Familien, Wohngemeinschaften, Paare. Darüber spricht Prof. Dr. Andreas Kastenmüller von der Universität Siegen mit der SZ. Er ist unter anderem Experte für psychische Gesundheit, Organisations- und Kommunikationspsychologie.

Was sind die größten Herausforderungen beim Zusammenleben im Lockdown?
„Man lebt dicht gedrängt, hat vielleicht auf ein Zimmer verzichtet, um dafür die Vorteile der Stadt zu haben“, skizziert Andreas Kastenmüller eine Situation. Jetzt fielen aber aufgrund des Lockdowns viele Vorzüge des Stadtlebens weg. Enges Zusammenleben könne zu Aggressionen führen. „Langeweile ist auch ein Problem“, ebenso die Unsicherheit in der Arbeitswelt.

Das Zusammenleben auf engem Raum während des Lockdowns kann herausfordernd sein. Für Familien, Wohngemeinschaften, Paare. Darüber spricht Prof. Dr. Andreas Kastenmüller von der Universität Siegen mit der SZ. Er ist unter anderem Experte für psychische Gesundheit, Organisations- und Kommunikationspsychologie.

Was sind die größten Herausforderungen beim Zusammenleben im Lockdown?
„Man lebt dicht gedrängt, hat vielleicht auf ein Zimmer verzichtet, um dafür die Vorteile der Stadt zu haben“, skizziert Andreas Kastenmüller eine Situation. Jetzt fielen aber aufgrund des Lockdowns viele Vorzüge des Stadtlebens weg. Enges Zusammenleben könne zu Aggressionen führen. „Langeweile ist auch ein Problem“, ebenso die Unsicherheit in der Arbeitswelt. Damit meint Kastenmüller nicht nur den möglichen Jobverlust, sondern auch die Frage danach, ob es nach Corona mit dem Homeoffice weitergeht. „Manche Leute überlegen deswegen umzuziehen.“ Und der Lockdown „ist eine Herausforderung mit Kindern“, sagt Kastenmüller, der selbst Vater von zwei kleinen Kindern ist.

Wie kann ein gutes Zusammenlebengelingen?

„Man muss sich umstellen“, fasst Kastenmüller zusammen. Sein Ratschlag: „Alle Beteiligten im Haushalt müssen ihre Anliegen nennen. Sie müssen ihre Bedürfnisse ansprechen.“ Dabei unterscheidet er zwischen einer Position („Ich brauche das Schlafzimmer zum Arbeiten“) und dem, was dahinter steckt, dem Anliegen („Ich will ungestört arbeiten“). Auf seinen Positionen sollte man nicht beharren, erklärt der Wissenschaftler. Stattdessen sollte nach anderen Lösungen gesucht werden. Dafür natürlich erforderlich: „Die Leute müssen ihre Anliegen kennen.“ Vielleicht schämten sie sich auch, sie anzusprechen, weil andere Mitglieder des Haushaltes kein Verständnis für die Anliegen hätten. Kastenmüller nennt als Beispiel das Beschäftigen mit sozialen Medien. Dennoch: „Wenn man die Bedürfnisse des anderen kennt, ist es leichter, sie zu berücksichtigen.“ Regelmäßige Gespräche legten dafür die Grundlage. „Man muss von sich erzählen.“ Ehepaare sollten zudem nicht nur die Kinder, sondern auch sich selbst im Fokus haben. Aber: „Auch Kindern sollten die Gelegenheit bekommen, ihre Bedürfnisse zu nennen.“

Können Regeln wirklich helfen?
„Ganz klar können Regeln helfen.“ Allerdings: Sie müssten immer wieder hinterfragt und auch angepasst werden. Helfen könnten „Wenn-dann-Pläne“, zum Beispiel: „Wenn ich mit jemandem telefonieren, dann möchte ich nicht gestört werden.“ Die Regeln sollten aufgeschrieben und gut sichtbar aufgehängt werden. „Wichtig ist, dass man sich an die Pläne hält. Wenn man sich nicht auf die Pläne verlassen kann, birgt das Konfliktpotenzial.“ Diskussionen raubten dann wieder Kraft.  Kastenmüller empfiehlt zudem einen strukturierten Tagesablauf. Der ermögliche, dass mehr Ressourcen für andere Dinge übrig blieben, weil man sich eben keine Gedanken mehr über den Tagesablauf machen müsse. Das betreffe Themen wie die Kinderbetreuung, Aufgaben im Haushalt oder Spaziergänge.

Frauen sehen Streit als Chance

Was sollte vermieden werden?
„Du-Botschaften“ und das Sprechen durch die Blume, sagt der Sozialpsychologe. Bei der Frage kommt ihm ein Spruch in den Kopf: „If you find yourself in a hole, stop digging.“ Das bedeutet so viel wie: Wenn du dich in einem Loch wiederfindest, hör auf zu graben. Was Kastenmüller damit sagen will: Wenn es schon ein Problem, einen Konflikt gibt, dann sollte man nicht noch weiter graben.

Aber was, wenn es doch einmal kracht?
Der Wissenschaftler erklärt, dass Männer und Frauen einen Streit oft unterschiedlich wahrnehmen. „Männer sehen das oft als Problem, sehen die Beziehung gefährdet und haben Angst.“ Frauen sähen einen Streit eher als Chance. Eine Auszeit von 20 Minuten oder mehr könne helfen. Denn: „Wut, Ärger und Angst wirken lange nach.“ Ruhig werden sei wichtig, Entspannungs- oder Meditationsübungen könnten helfen. Vielleicht müssten auch neue Regeln aufgestellt und die Bedürfnisse noch einmal genannt werden.

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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