Land unter im Siegtal

 Noch ist nicht abzuschätzen, welchen Gesamtschaden das Unwetter hinterlassen hat. Foto: rai 

nb/damo Diesen Fronleichnamstag werden die Menschen im Raum Betzdorf/Kirchen so schnell nicht vergessen: Am Nachmittag erwischte ein Gewitter die Region mit voller Wucht – und binnen kurzer Zeit war Land unter. Unzählige Keller liefen voll, Gullideckel wurden von Wasserfontänen in die Luft geschleudert, Gesteinsbrocken blockierten Fahrbahnen, Autos trieben im Nass, Sieg und Heller verwandelten sich in reißende Flüsse, der Bahnverkehr kam zeitweise zum Erliegen. Verletzt wurde in dem Chaos glücklicherweise niemand.

Die Hilfsorganisationen waren im Dauereinsatz – und sie konnten das Pensum nur bewältigen, weil sie sich reichlich Verstärkung organisiert hatten. 380 Einsatzkräfte aus weiten Teilen des AK-Lands und aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein waren angerückt, um in Betzdorf, Alsdorf und Kirchen zu helfen. Denn auf diesen Bereich hatte sich das Unwetter beschränkt.

„Die Gewitterzelle hat sich über Betzdorf gebildet und sich hier auch komplett abgeregnet“, meinte der Betzdorfer Wehrführer Josef Kipping. In der Tat: Weil praktisch kein Wind wehte, zogen die bleigrauen Wolken eben nicht weiter. Und so schüttete es gut anderthalb Stunden lang wie aus Eimern.

Für den Diplom-Meteorologen Markus Müller (Facebookseite „WetterMüller“) kam das Unwetter nicht überraschend: Er hatte schon vormittags prophezeit, dass es heftig werden würde – und war nach Betzdorf gekommen. Auf Nachfrage der SZ schätzte er die Regenmenge auf fast 100 Liter pro Quadratmeter: „Das ist wirklich Wahnsinn.“

Dass das nicht ohne Folgen blieb, liegt auf der Hand. Praktisch an allen Hängen bildeten sich binnen kürzester Zeit Sturzbäche – und teilweise rissen sie Unmengen Gestein mit hinab. So musste zum Beispiel der Barbaratunnel in Betzdorf gesperrt werden, und auch an der Friedrichstraße ging nichts mehr: Neben der Bahnbrücke hatte sich ein reißender Bach gebildet und massenweise Geröll auf die Straße gespült. Und steile Straßen wie die Klotzbach in Kirchen oder einige Straßen in Bruche sind jetzt ein Fall für die Straßenbauer: Sie sind unterspült worden, ganze Asphaltstücke wurden regelrecht herausgefetzt.

Übel war es aber nicht nur an den Hängen – schließlich sammelte sich das Wasser in den Senken. So sah es zum Beispiel vor dem Betzdorfer Rathaus phasenweise arg nach Sintflut aus: Hier stand das Wasser mehr als einen Meter hoch auf der Straße. Inmitten der Wassermassen: eine hochschwangere Frau, die in ihrem Auto feststeckte. „Wir haben sie aus dem Auto befreit und aus dem Wasser getragen“, berichtete Josef Kipping. Auch an der überschwemmten Freusburger Bahnunterführung musste eine Person aus dem Auto gerettet werden.

Unfassbar. Ob am Straßenrand oder den sozialen Medien: Dieses Wort fiel immer wieder, um zu beschreiben, was der Starkregen anrichtete. Und den Einsatzkräften von Feuerwehr, DRK, Polizei, THW und DLRG bescherte er einen stundenlangen Großeinsatz.

Allein die VG-Wehr Kirchen hatte rund 65 Einsätze zu „beackern“ – hauptsächlich im Stadtgebiet Kirchen, wie Pressesprecher Florian Jendrock berichtete. Und deren Betzdorfer Kollegen kamen am frühen Abend – als wieder die Sonne von einem blauen Himmel strahlte – bereits auf 80 Einsätze. „Und es kommen immer noch welche nach“, informierte Kipping.

Denn im Betzdorfer Feuerwehrhaus stand das Telefon nicht still, unzählige Menschen hatten mit dem Wasser zu kämpfen. Betroffen waren nicht nur Wohngebäude: In der Kita auf dem Bühl stand der Keller unter Wasser, in einem Autohaus an der Wilhelmstraße musste die Feuerwehr den Ausstellungsraum trockenlegen. Bei einer Alsdorfer Firma hielt ein Dach den Wassermassen nicht stand, und auch die BBS und die Stadthalle wurden in Mitleidenschaft gezogen.

 

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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