Landesarchiv hütet Datenbank

 Vor Jahren überreichte Jochen Karl Mehldau (Mitte) die Daten an die Kirchengemeinden – wie hier Laasphe. Foto: Archiv   Jochen Karl Mehldau hat auch diese Seite aus dem Berleburger Kirchenbuch von 1791 in seiner Wittgensteiner Familiendatei aufgenommen. Die Ahnen sind demnächst per Mausklick im Landesarchiv NRW abrufbar. Foto: Sammlung Heinrich Imhof
  • Vor Jahren überreichte Jochen Karl Mehldau (Mitte) die Daten an die Kirchengemeinden – wie hier Laasphe. Foto: Archiv Jochen Karl Mehldau hat auch diese Seite aus dem Berleburger Kirchenbuch von 1791 in seiner Wittgensteiner Familiendatei aufgenommen. Die Ahnen sind demnächst per Mausklick im Landesarchiv NRW abrufbar. Foto: Sammlung Heinrich Imhof
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howe - Seine Mutter ist der Bezug zu Wittgenstein. Die stammte nämlich aus Erndtebrück. Und so erforschte der 1934 in Kassel-Wilhelmshöhe geborene Jochen Karl Mehldau nicht nur seine eigene Ahnengeschichte, sondern die von ganz Wittgenstein. Von 1944 bis 1953 lebte der heutige Karlsruher Diplom-Ingenieur in Erndtebrück, verbrachte seine Kindheit und Jugendzeit dort. Vor Jahren schloss der akribische Ahnenforscher sein großes Lebenswerk ab. Da stellte er seine familiengeschichtliche Datenbank für den ganzen Altkreis Wittgenstein fertig. Sage und schreibe 28 Jahre lang erfasste Mehldau 140 000 Personen, „lauter tote Wittgensteiner“, wie er einst scherzhaft sagte.

Die Siegener Zeitung berichtete damals davon, dass die Daten, die in die klar strukturierte Ordnung von Registern und Karteikarten eingeordnet wurden, für Ahnenforscher nun so etwas „wie der Himmel auf Erden“ sein dürften. Jetzt, und das erfuhr die SZ dieser Tage, hat das Landesarchiv NRW die komplette Wittgensteiner Datenbank von Jochen Karl Mehldau übernommen, demnächst soll sie sogar im Internet verfügbar sein. „In welcher Form dies geschehen kann, wird in der IT-Abteilung derzeit geprüft“, schreiben Dr. Volker Hirsch und Dr. Johannes Burkardt vom Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe in Detmold. Bis es soweit sei, könne die Datenbank im Lesesaal des Landesarchivs kostenfrei benutzt werden.

Jochen Karl Mehldau hat ein unglaubliches Werk vollbracht. Dr. Volker Hirsch und Dr. Johannes Burkardt berichten von der jahrelangen Tätigkeit Mehldaus, als der gelernte Vermessungstechniker während seiner Tätigkeit bei der Stadt Karlsruhe in den 70er Jahren auch die Umstellung auf Computer vorangetrieben habe. Dabei sei damals die Idee entstanden, die tausenden Karteikarten, die Jochen Karl Mehldau über viele Jahre übrigens auch immer mal wieder in den Blättern des Wittgensteiner Heimatvereins beilegte, zu digitalisieren. Mit Hilfe von Microsoft Access gelang Mehldau, eine umfangreiche Wittgensteiner Familiendatei zu erstellen. Bekanntermaßen besitzt die Kirchengemeinde Feudingen seit 1525 die ältesten Kirchenbücher von Westfalen.

Allein in diesem Kirchspiel, das skizzieren Dr. Volker Hirsch und Dr. Johannes Burkardt eindrucksvoll, erfasste Jochen Karl Mehldau von 1525 bis 1875 insgesamt 37 000 Einträge – und zwar über 19 200 Geburten, 4200 Hochzeiten und 13 600 Beerdigungen. 3800 Stunden, so schätzte der Forscher damals, saß er allein an den Feudinger Kirchenbüchern. 7000 Karteikarten schrieb Mehldau nur für Feudingen. So entstanden sieben Kästen. Und die Forschung im Oberen Lahntal hatte es in sich, denn nicht alle Pfarrer erwiesen sich bei ihren Eintragungen als gewissenhaft.

So war es etwa der Feudinger Pfarrer Konrad Reichard, wie die Siegener Zeitung im Oktober 2006 berichtete, der 120 Kindstaufen einfach nicht eingetragen hatte. Jochen Karl Mehldau meisterte auch diese Hürde. Heute ist der Name „Mehldau“ der Inbegriff der Wittgensteiner Ahnen- und Familienforschung. Über die vielen Jahre arbeitete sich Jochen Karl Mehldau durch alle Kirchenbücher der damals 15 Wittgensteiner Kirchengemeinden, dazu erforschte er weitere Quellen aus Archiven, reicherte seine Genealogien unter anderem mit Erkenntnissen aus den Salbüchern an. So entstanden mit der Zeit – neben der riesigen genealogischen Datenbank – zahlreiche Schriften und Haus-Chroniken, die Jochen Karl Mehldau veröffentlichte.

In den Blättern des Wittgensteiner Heimatvereins widmete er sich den Altbauernhöfen wie Aue, Alertshausen, Beddelhausen, Elsoff oder Womelsdorf, um nur einige Beispiele zu nennen. Herausragend sind seine Haus- und Familienchroniken des Banfetals und von Laasphe. Sein jüngstes Werk sind die Hauschroniken der Bad Berleburger Ortschaften Arfeld, Berghausen, Raumland, Schüllar und Wemlighausen. Das Personenstandsarchiv Westfalen-Lippe (Detmold) und das Landesarchiv NRW (Münster) bemühen sich, das eindrucksvolle Werk des verdienten Forschers „nicht nur zu bewahren, sondern es als wertvolle Material- und Quellensammlung für alle am Leben zu erhalten“, heißt es abschließend.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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