SZ

Strategiewechsel in Schulen
Landrat Andreas Müller fordert kürzere Quarantänen

An 59 Schulen und Kindertagesstätten im Kreis Siegen-Wittgenstein gibt es aktuell Quarantänemaßnahmen. Landrat Andreas Müller spricht sich für eine kürzere Quarantänezeit aus.
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  • An 59 Schulen und Kindertagesstätten im Kreis Siegen-Wittgenstein gibt es aktuell Quarantänemaßnahmen. Landrat Andreas Müller spricht sich für eine kürzere Quarantänezeit aus.
  • Foto: Jan Schäfer
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

tip Siegen. Landrat Andreas Müller plädiert bei den Quarantänemaßnahmen an Schulen für einen Strategiewechsel. „Ich schließe mich den Forderungen an, Schüler, die als Kontaktpersonen eines positiven Falls gelten, statt 14 Tagen nur noch fünf Tage in Quarantäne zu schicken – verbunden mit der Option, sich nach diesen fünf Tagen freitesten lassen zu können.” Umsetzen könnte der Kreis Siegen-Wittgenstein dies als staatliche Verwaltungsbehörde im Auftrag des Landes NRW – wie so vieles – nicht eigenmächtig: Man müsse sich weiterhin nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und den Verordnungen des NRW-Gesundheitsministeriums richten.

tip Siegen. Landrat Andreas Müller plädiert bei den Quarantänemaßnahmen an Schulen für einen Strategiewechsel. „Ich schließe mich den Forderungen an, Schüler, die als Kontaktpersonen eines positiven Falls gelten, statt 14 Tagen nur noch fünf Tage in Quarantäne zu schicken – verbunden mit der Option, sich nach diesen fünf Tagen freitesten lassen zu können.” Umsetzen könnte der Kreis Siegen-Wittgenstein dies als staatliche Verwaltungsbehörde im Auftrag des Landes NRW – wie so vieles – nicht eigenmächtig: Man müsse sich weiterhin nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und den Verordnungen des NRW-Gesundheitsministeriums richten.

Landrat Andreas Müller kritisiert die Landesregierung scharf

Vor den nun massiv steigenden Infektionszahlen an den heimischen Schulen (die SZ berichtete ausführlich) habe man unter anderem in einem gemeinsamen Schreiben von sieben Landräten an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann gewarnt.

400: Sieben-Tage-Inzidenz bei Schulkindern schnellt in die Höhe

„Unsere Erwartungen hatten wir klar formuliert: nämlich eine sehr schnell steigende Inzidenz mit Beginn des Schulbetriebs.” Auch die Ursache habe man damals prognostiziert: „Vor allem verantwortlich sind Reiserückkehrer aus den Balkanländern, der Türkei, Rumänien und so weiter”, so der Landrat gegenüber der SZ.

Entsprechend habe man ein besseres Rückkehrer-Monitoring angemahnt. „Dem wurde aber nicht gefolgt”, zeigt sich Müller resigniert. „Wir haben noch nicht mal eine Antwort auf unser Schreiben bekommen. Da wissen wir ja, wo wir stehen.” Thematisiert hatte man Ende Juli auch die Kontaktnachverfolgung durch die Gesundheitsämter. Müller: „Aus anderen Teilen NRWs berichten mir Kollegen, dass man dort bereits vier oder fünf Tage mit der Recherche der Kontakte hinterher hinkt. Wir kratzen hier bei uns an einem Tag.”

Schutzlos ausgeliefert

Zwei Interessengruppen bei den Eltern

Der SZ liegen aber Beispiele aus der Region vor, bei denen Betroffene erst nach vier Tagen vom Gesundheitsamt über Quarantänemaßnahmen informiert worden sind. Angesichts der eklatant steigenden Inzidenzen bei Schülern regiert angesichts eines eingeschränkten Handlungsspielraums des Kreises das Prinzip Hoffnung: „Wir hoffen, dass der große Teil des Eintrags der Rückkehrer aus dem Ausland nun wieder abebbt. Allerdings wird der Effekt, dass diese Einzelnen in der Gruppe weitere Schüler angesteckt haben, sicher noch ein paar Tage andauern.” Ansonsten bliebe, so der Landrat, nur das Pochen auf die Einhaltung der allgemein bekannten AHA-Regeln. „Wenn man das konsequent täte, hätten wir keine Infektionen”, sagt Müller. Zwar gebe es an Schulen natürlich eine Maskenpflicht und die Gebote zum Abstandhalten und Lüften und folglich dürften auch keine Ansteckungen stattfinden. „Die Infektionszahlen zeigen aber das Gegenteil”, so der Landrat.

Landrat Andreas Müller.

Müller erkennt das Spannungsfeld, in dem sich Eltern nun bewegen, an. „Es gibt zwei Interessengruppen: Die einen sind sauer, wenn es trotz Präsenzunterricht in die Quarantäne geht, die anderen haben Angst um ihre Kinder und möchten sie am liebsten gar nicht in die Schule schicken.” Zwischen diesen Extremen bewege sich der Kreis und müsse jeden Fall abwägen.

Kreisgesundheitsamt kann Kontaktnachverfolgung kaum leisten

Überlegungen, daran grundsätzlich etwas zu ändern, gibt es aktuell nicht. Man denke auch nicht darüber nach, das für Köln beantragte Modell zu verfolgen, bei dem nur noch positive Corona-Fälle in der Schule in Quarantäne müssen und keine Sitznachbarn mehr. Andreas Müller wünscht sich indes eine Anpassung der Aufgaben der Gesundheitsämter. Wenn es politischer Wille sei, dauerhaft höhere Inzidenzen in Kauf zu nehmen, müsse es andere Auflagen für die Kontaktpersonenrecherche geben. „Das Amt kann das auf Dauer sonst nicht leisten.” Aktuell sucht das Kreisgesundheitsamt wieder nach Verstärkung, entsprechende Stellen sind ausgeschrieben.
Auf Anfrage der SZ teilt der Kreis mit, dass aktuell an 59 Schulen und Kitas Quarantänemaßnahmen angeordnet sind. Man geht davon aus, dass es früher oder später an jeder einzelnen Einrichtung im Kreis dazu kommen werde. Großen eigenen Handlungsspielraum, dem aktiv entgegenzuwirken, scheint es nicht zu geben.

An 59 Schulen und Kindertagesstätten im Kreis Siegen-Wittgenstein gibt es aktuell Quarantänemaßnahmen. Landrat Andreas Müller spricht sich für eine kürzere Quarantänezeit aus.
Landrat Andreas Müller.
Autor:

Tim Plachner

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