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Kita-Öffnungen lassen weiter auf sich warten
Landrat Andreas Müller über Corona und die Lockerungen

Kampf gegen Covid-19: Es ist weiterhin nicht angesagt, in der Fläche zu testen, sondern vor allem dort, wo „Hotspots“ zu vermuten sind, sagt Landrat Andreas Müller.
  • Kampf gegen Covid-19: Es ist weiterhin nicht angesagt, in der Fläche zu testen, sondern vor allem dort, wo „Hotspots“ zu vermuten sind, sagt Landrat Andreas Müller.
  • Foto: Jan Schäfer
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

ch Siegen/Bad Berleburg. Die Gaststätten haben wieder geöffnet, für den Einzelhandel gibt es keine Einschränkungen mehr, und es werden wieder Gottesdienste gefeiert – wir erleben mitten in der Corona-Pandemie die Zeit der Lockerungen. Vorläufige Höhepunkte der wieder gewonnenen Freiheit: der morgige Vatertag, der die Menschen bei bestem Wetter nach draußen locken wird, und das anstehende Pfingstwochenende, das die Kurzurlauber in die Ferne treiben wird. Was hält der oberste Krisenmanager in Sachen Corona des Kreises Siegen-Wittgenstein, Landrat Andreas Müller (SPD), von den bis vor Kurzem unvorstellbaren Änderungen im Alltag?

SZ: Herr Müller, welche Bilanz ziehen Sie nach zwei Wochen der Lockerungen?

ch Siegen/Bad Berleburg. Die Gaststätten haben wieder geöffnet, für den Einzelhandel gibt es keine Einschränkungen mehr, und es werden wieder Gottesdienste gefeiert – wir erleben mitten in der Corona-Pandemie die Zeit der Lockerungen. Vorläufige Höhepunkte der wieder gewonnenen Freiheit: der morgige Vatertag, der die Menschen bei bestem Wetter nach draußen locken wird, und das anstehende Pfingstwochenende, das die Kurzurlauber in die Ferne treiben wird. Was hält der oberste Krisenmanager in Sachen Corona des Kreises Siegen-Wittgenstein, Landrat Andreas Müller (SPD), von den bis vor Kurzem unvorstellbaren Änderungen im Alltag?

SZ: Herr Müller, welche Bilanz ziehen Sie nach zwei Wochen der Lockerungen?

Andreas Müller: Ich bin froh, dass die aktuelle Entwicklung, also das Infektiongeschehen vor unserer Haustür, diese Lockerungen möglich macht. Über Tage keine neuen positiven Corona-Testergebnisse, immer weniger sind an Covid-19 erkrankt und müssen in unseren Krankenhäusern behandelt werden sowie immer mehr Frauen und Männer genesen. Das ist eine Momentaufnahme, die mich in dem Maße erleichtert, wie die Menschen zwischen Burbach und Bad Laasphe über die Lockerungen erleichtert sind.
Dabei sind sie noch sehr zurückhaltend und sich durchaus bewusst, dass wir nicht im normalen Alltag angekommen sind. All diese Menschen möchte ich gerne dafür loben, dass sie sich zwei Monate solidarisch gezeigt, diszipliniert an die Corona-Regeln gehalten und sich damit als verantwortungsvolle Siegerländer und Wittgensteiner gezeigt haben. So wie die Kreisverwaltung, die Rathäuser und die heimischen Krankenhäuser und viele andere im Kreis kurz über den richtigen Weg durch die Pandemie diskutiert und dann konsequent gehandelt haben, um die anfangs befürchtete Überforderung des Gesundheitswesens zu vermeiden, so konsequent hat jeder Einzelne mitgemacht.
Diese Rückschau auf die Pandemie lässt mich nicht nur mit Blick auf den Vatertag an alle appellieren: Das Virus ist noch da – bleibt also umsichtig, haltet euch an die Kontaktsperre und an die Abstands- und Hygieneregeln, dann bleiben uns Rückschritte, sprich: einschränkende Maßnahmen, erspart!

Überwiegt doch die Angst vor den Corona-Kennzahlen, etwa vor der Obergrenze, gemäß der binnen sieben Tage nicht mehr als 50 Corona-Neuinfizierte je 100 000 Einwohner gezählt dürfen? Ansonsten müsste das Kreishaus zu Lockdown-Mitteln greifen …

Ja und nein. Wir werden die Folgen der aktuellen Lockerungen erst mit einiger Zeitverzögerung zu spüren bekommen und aus den Corona-Statistiken lesen können. Die Lockerungen führen zu einer Ausweitung der Kontakte: Nicht nur das Aufheben von Reisebeschränkungen führt zur mehr Mobilität, sondern auch andere Gruppen – die Studenten kehren allmählich an die Uni zurück, die Bezirksregierung wird den Kommunen in Kürze wieder Flüchtlinge zuweisen – sind in Bewegung. Das erhöht die Kontaktdichte und das Infektionsrisiko.

Dies alles klingt nach der Notwendigkeit, weiterhin so viele wie möglich auf das Coronavirus hin zu testen, wie vom Berliner Robert-Koch-Institut empfohlen?

Nicht ganz, das RKI hat die Gesundheitsämter dazu aufgefordert, mehr zu testen, und zwar dort und dann, wenn es Sinn macht. Der Kreis Siegen-Wittgenstein zählt ganz bestimmt nicht die Teströhrchen, aber ein Test macht zum einen nur Sinn, wenn Symptome aufgetreten sind. Alles andere spiegelt nur eine Scheinsicherheit wider. Und: Es ist zum anderen nicht angesagt, in der Fläche zu testen, sondern vor allem dort, wo „Hotspots“ zu vermuten sind. Also, im Klartext, wenn Gefahr im Verzug ist bzw. die Ausbreitung der Infektionen droht und wir Kontakte nicht mehr nachvollziehen können, müssen wir zügig mit Reihentests ran.
Das haben wir in einzelnen Stationen verschiedener Krankenhäuser so gehalten, wenn das Virus auftrat. Das haben wir beim Studentenwohnheim in Weidenau mit drei Reihentests in Folge durchgehalten. Und so sind wir zudem bei zwei Altenheimen vorgegangen. Zum Vergleich: Wir haben in den Siegener Krankenhäusern einfach mal alle neuen Patienten ohne Anlass bei der Aufnahme getestet. Die Infektionsquote lag bei 0,4 Prozent.

Müsste man angesichts dieser niedrigen Infektionszahlen und all der Lockerungen – die Bundesliga spielt wieder, die Grenzen werden geöffnet, die Wirtschaft fährt hoch – nicht auch bei den Kita- und Schul-Öffnungen mutiger sein?

Mir ist natürlich bewusst, dass die Kitabetreuung für viele wichtig ist, um wieder zur Arbeit gehen zu können. Die Eltern leisten hier seit Wochen vieles gleichzeitig, Homeoffice und Homeschooling müssen in Einklang gebracht werden. Aber zum einen ist noch längst nicht alles beim Alten, und zum anderen wissen wir, besser: die Virologen, noch viel zu wenig über das Infektionsgeschehen und die Infektionswege bei Kindern. Daher müssen wir uns an die Kapazitäten herantasten. Im Übrigen: Auch die Bundesliga spielt nicht wie eh und je, und die Wirtschaft läuft noch längst nicht rund!

Stichwort Wirtschaft: Ende Juni steht die nächste Kreistagssitzung an. Welche Unterstützung planen Politik und Verwaltung für die heimischen Unternehmen?

Die Pläne sind noch in der Mache. Anfang Juni habe ich alle Arbeitsmarktakteure zu einem runden Tisch eingeladen. Hier wollen wir tief in die einzelnen Branchen blicken und Lücken im Raster der bisherigen Hilfspakete von Bund und Ländern erkennen, durch die man fallen kann. Möglich wäre, von den Regionalisierungsmitteln für den Arbeitsmarkt, immerhin einige Millionen, Geld in beschäftigungspolitische Maßnahmen umzulenken. Sollten politische Beschlüsse notwendig sein, könnte der Kreistag zügig entscheiden.

Stichtag 30. Juni: Bis zu diesem Tag könnte das Gremium, wie von vielen Kämmerern mit Blick auf die jüngste Steuerschätzung gefordert, die Kreisumlage zwecks Entlastung der kommunalen Kassen senken. Werden Sie dies vorschlagen?

Nein, nicht jetzt. Wir werden weder die Kreisumlage erhöhen und uns die Pandemie-Kosten, die wir noch nicht kennen, auf diesem Wege zurückholen, wie von einigen geargwöhnt. Noch werden wir die Umlage in diesem Sommer nach unten korrigieren. Es ist viel zu früh, abschätzen zu können, wie dick das Minus in den Etats der Städte und Gemeinden ausfallen wird. Wenn wir die Zahlen und die Klarheit haben, können wir den Kommunen mit dem Haushalt 2021 entgegenkommen!

Zum Abschluss des Gesprächs zurück zum Vatertag: Wie werden Sie den Himmelfahrtstag verbringen?

Ich werde einfach nur entspannen. Im Garten, bei einer kleinen Wanderung zu zweit. Ich freue mich schon auf den Sonnenschein!

Herr Müller, vielen Dank!

Autor:

Christian Hoffmann (Redakteur) aus Siegen

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