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Sparkasse wollte Piks für die Belegschaft
Landrat stoppt Massenimpfung

Im Medizinischen Versorgungszentrum des Kreisklinikums in Weidenau war alles für die Impfung der Sparkassen-Mitarbeiter vorbereitet.
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ch Siegen. Noch sind Corona-Impfungen im Wesentlichen auf Impfzentren und Hausärzte beschränkt. Doch viele große und kleine Unternehmen würden ihre Mitarbeiter gern so bald wie möglich geschützt sehen - und fühlen sich von der Politik ausgebremst. Aktuelles Beispiel: In dieser Woche wollte die Sparkasse Siegen ihren über 800 Beschäftigten ein Impfangebot unterbreiten.

Alles war eing

ch Siegen. Noch sind Corona-Impfungen im Wesentlichen auf Impfzentren und Hausärzte beschränkt. Doch viele große und kleine Unternehmen würden ihre Mitarbeiter gern so bald wie möglich geschützt sehen - und fühlen sich von der Politik ausgebremst. Aktuelles Beispiel: In dieser Woche wollte die Sparkasse Siegen ihren über 800 Beschäftigten ein Impfangebot unterbreiten.

Alles war eingestielt, das Medizinische Versorgungszentrum des Kreisklinikums in Weidenau vorbereitet, die dort niedergelassenen Ärzte hatten quasi die Spritzen mit dem Vakzin AstraZeneca aufgezogen. Doch dann legte Landrat Andreas Müller (SPD) sein Veto ein.

“Ich finde es gut, wenn sich das MVZ in der Pandemie engagiert und fürs Impfen im Prinzip gut aufgestellt ist. Und ich finde es lobenswert, dass das Kreditinstitut sich als guter Arbeitgeber um seine Beschäftigten kümmert. Doch diese Aktion hat den Charakter einer betrieblichen Impfung und die ist nun mal noch nicht erlaubt”, so Müller gegenüber der SZ. Also hat der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung des Kreisklinikums sofort zum Telefonhörer gegriffen, als er von der “Geschichte” Wind bekam, und die Massenimpfung gestoppt.

Betriebsärztliches Impfen noch nicht an der Reihe

In der Tat: Das betriebsärztliche Impfen ist noch nicht an der Reihe. Die Betriebe, egal ob Konzern oder Mittelständler, sollen in die Impfungen einsteigen, wenn der Impfstoff keine Mangelware mehr ist. Das von der Politik gesetzte Datum, an das Landrat Müller “erinnert”: NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) rechnet damit, dass man ab Juni über „erhebliche Impfstoffmengen verfügen“ werde und deshalb das Impfsystem ab dem 7. Juni für Betriebsärzte öffnen könne.

“Darum geht es doch gar nicht”, verteidigt Wilfried Groos, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Siegen, den Vorstoß seines Kreditinstituts. Groos verweist im Gespräch mit der SZ ebenso auf Laumann und sein Werben für den Impfstoff AstraZeneca und den Aufruf des Ministers, sich doch zügig mit dem umstrittenen Vakzin impfen zu lassen. “Wir müssen mehr Tempo machen: Jede Dose muss genutzt werden, jeder Geimpfter ist ein Beitrag zu Herdenimmunität”, so der SPK-Chef mit dem Verweis darauf, dass obwohl die AstraZeneca-Priorisierung aufgehoben worden ist, die Spritzen mit dem Impfstoff ausgeschlagen und Termine in den Impfzentren oder Hausarztpraxen abgesagt oder gar nicht erst wahrgenommen werden. Groos: “Der Weg zu den Niedergelassenen steht allen offen, also auch uns. Das jedenfalls ist unsere Interpretation!”

Impfzentrum der Brauerei ist errichtet

Die heimische Sparkasse ist nicht der einzige Mittelständler der mit den Hufen scharrt (Groos: “Konzerne in anderen Bundesländern wie VW oder Salzgitter haben längst durchgeimpft!”). Egal ob Muhr und Bender (Mubea) in Attendorn, Bikar Metalle in Bad Berleburg oder die Krombacher Brauerei in Krombach: Die hiesigen Unternehmen warten auf den Startschuss für den Piks. “Es wird höchste Zeit”, sagt Peter Lemm, Krombacher-Sprecher. Das Impfzentrum der Brauer ist errichtet, die Infrastruktur steht (die SZ berichtete). Am Freitag wird dort die erste Spritze in der Oberarm gesetzt. Allerdings von einem Hausarzt, der sich in die Räume eingemietet hat und die Impfstraßen für seine Zwecke und seine Patienten nutzt. Landrat Andreas Müller: “Das werde ich mir ganz genau anschauen!”

Vordrängeln gilt nicht! Je mehr den ersten oder zweiten Piks in den Oberarm erhalten, desto größer wird der Wunsch der übrigen Impfwilligen, auch endlich dran zu sein. Tausende versuchen, auf die Wartelisten der Haus- oder Fachärzte zu kommen. Oder mit Tricks an die Spitze zu gelangen, sie scheuen auch nicht die Anmeldung im Impfzentrum mit Blankoterminen und unter falschen Angaben. Das sind die einen. Und: Viele Firmen wollen ihre Belegschaften durchimpfen, haben die Betriebsärzte parat, warten auf genügend Impfstoff und grünes Licht vom Gesundheitsministerium. Das sind die anderen. Die einen wie die anderen setzen dabei große Hoffnung vor allem auf das freigegebene AstraZeneca - und die Flexibilität der niedergelassen Ärzte, mit der sie den „Stoff” verteilen können. Also: Wollte sich die Sparkasse, wenn auch mit guter Absicht, vordrängeln, oder nicht? Meine Antwort: Wenn der eine Einzelne sich bei Doktor XY um die Astra-Spritze bemüht, ist das Setzen dieser Spritze Sache des impfenden Arztes und damit okay. Der Doc wird seine Begründung haben. Auch den Arbeitgeber, der seinem Mitarbeiter Hinweise auf impfwillige Praxen gibt, würde ich durchgehen lassen. Aber wenn andere mit Hilfe eines Dienstleisters Hunderten systematisch ein Impfangebot unterbreiten, hat das tatsächlich den „Charakter des betriebsärztlichen Impfens”. Und das geht momentan eben nicht. Das ist Vordrängeln! Dabei kann man die Sparkasse und mithin den übrigen Mittelstand bzw. dessen Unmut durchaus verstehen: Bei VW und BASF werden die Belegschaften längst geimpft, die hiesigen Firmen blicken argwöhnisch darauf, warum mal wieder die Großen den Vorzug bekommen. Sie selbst werden hingehalten, sind Opfer der schlecht gemanagten Knappheit. Da brechen Verteilungskämpfe aus, nachvollziehbar, aber, wenn sie im Vordrängeln münden, ist das nicht hinnehmbar. c.hoffmann@siegener-zeitung.de
Autor:

Christian Hoffmann (Redakteur) aus Siegen

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