SZ

Dauergrünland darf nicht Acker werden
Landwirte fordern Lockerung des Umbruchverbots

Heute, da der Klimawandel spürbar werde, müsse die Landwirtschaft flexibler reagieren können.
4Bilder
  • Heute, da der Klimawandel spürbar werde, müsse die Landwirtschaft flexibler reagieren können.
  • Foto: archiv
  • hochgeladen von Dominik Jung

goeb Siegen. Von der Landespolitik wünschen sich die hiesigen Landwirte ein Abrücken vom strengen Dauergrünland-Umbruchsverbot. Das gilt seit 2011 in NRW und meint in erster Linie die Umwandlung von Wiese oder Weide in Acker. In einem Gespräch im "Haus der Landwirtschaft" in Ferndorf begründen die  Vorsitzenden der Landwirtschaftlichen Kreisverbände Olpe und Siegen-Wittgenstein, Michael Richard und Henner Braach, sowie die Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband, Barbara Kruse, den Vorstoß. Das Umbruchsverbot, erläutern die Vorsitzenden, gehe zurück auf eine Zeit, als in Gegenden, in denen intensiv gewirtschaftet werde, massiv Grünland in Acker verwandelt wurde.

goeb Siegen. Von der Landespolitik wünschen sich die hiesigen Landwirte ein Abrücken vom strengen Dauergrünland-Umbruchsverbot. Das gilt seit 2011 in NRW und meint in erster Linie die Umwandlung von Wiese oder Weide in Acker. In einem Gespräch im "Haus der Landwirtschaft" in Ferndorf begründen die  Vorsitzenden der Landwirtschaftlichen Kreisverbände Olpe und Siegen-Wittgenstein, Michael Richard und Henner Braach, sowie die Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband, Barbara Kruse, den Vorstoß. Das Umbruchsverbot, erläutern die Vorsitzenden, gehe zurück auf eine Zeit, als in Gegenden, in denen intensiv gewirtschaftet werde, massiv Grünland in Acker verwandelt wurde. "Die technischen Möglichkeiten heute – das muss man ja zugeben – lassen viel zu", betont Richard. "Im Münsterland sind riesige Flächen verschwunden."

Große Futtermengen zugekauft

Doch heute, da der Klimawandel spürbar werde, müsse die Landwirtschaft flexibler reagieren können. Drei Dürrejahre in Folge (2018/19/20) vermasselten die Heuernte und zwangen die Bauern dazu, große Mengen Futter für ihre Kühe zuzukaufen. Dass kaum jemand nennenswert Acker in der Hinterhand hatte, rächte sich nach ihrem Dafürhalten. "Ackerbauern können darauf reagieren, indem sie Feldfrüchte anbauen, die mit Trockenheit besser klarkommen", wirft Richard ein. Hinzu kommt: In den Dürrejahren haben viele Bauern ihren Rinderbestand verkleinern müssen.

Michael Richard: "Tausend Hektar mehr an Ackerfläche in ganz Südwestfalen sind im Grunde nicht viel."
  • Michael Richard: "Tausend Hektar mehr an Ackerfläche in ganz Südwestfalen sind im Grunde nicht viel."
  • Foto: goeb
  • hochgeladen von Dominik Jung

Vom Umgang mit Flächen

"Tausend Hektar mehr an Ackerfläche in ganz Südwestfalen sind im Grunde nicht viel", argumentiert Richard, der manchmal den Kopf schüttelt, wie andernorts mit Flächen umgegangen werde. "Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich aus dem Sauerland hier herkomme, wie zugebaut die Talauen im Siegerland doch sind", sagt er. Die Talauen seien natürlich beste landwirtschaftliche Flächen. "Wohngebiete, Industrie, Autobahnkreuze, Golfplätze – das geht alles auf Kosten der Landwirtschaft." Barbara Kruse wirft in diesem Zusammenhang die Überlegungen zum Bau einer dritten Talsperre im SI-Kreis im Truftetal in Wittgenstein ein. "In der öffentlichen Debatte wird sofort gefragt, welche Naturschutzflächen betroffen sein könnten", moniert sie und setzt hinzu: "Spielen denn die landwirtschaftlichen Flächen, die es ja größtenteils betrifft, keine Rolle?"

Nicht in Abhängigkeit begeben

Henner Braach sieht neben dem Landschaftsschutz die Kernaufgabe der Landwirtschaft in der Versorgung der Bevölkerung mit Nahrung. "Der Krieg in der Ukraine zeigt uns doch sehr deutlich, dass wir uns nicht in Abhängigkeiten begeben dürfen. Hier bei uns wurde nach dem Zweiten Weltkrieg auch viel gerodet, weil es an Nahrung mangelte. Ich finde, dass auf die neue Situation jetzt entsprechend reagiert werden muss."

Barbara Kruse: "In der öffentlichen Debatte wird sofort gefragt, welche Naturschutzflächen betroffen sein könnten."
  • Barbara Kruse: "In der öffentlichen Debatte wird sofort gefragt, welche Naturschutzflächen betroffen sein könnten."
  • Foto: goeb
  • hochgeladen von Dominik Jung

Unmöglich ist die Umwandlung in Acker zwar nicht, aber sie ist aufwändig, teuer und kompliziert, betonen die Vorsitzenden. Wer pflügen will, muss an anderer Stelle entsprechend Wald (Laubwald) anpflanzen. Nach Dafürhalten von Braach und Richard sollte es zukünftig möglich werden, in gewissem Rahmen zum Beispiel abgeräumte Fichtenforsten in landwirtschaftliche Fläche umzuwandeln. Die Forstbehörde schreibt dazu: "Waldumwandlungsverfahren sind die komplexesten Genehmigungsverfahren von Wald und Holz NRW."

Henner Braach: "Der Krieg in der Ukraine zeigt uns doch sehr deutlich, dass wir uns nicht in Abhängigkeiten begeben dürfen."
  • Henner Braach: "Der Krieg in der Ukraine zeigt uns doch sehr deutlich, dass wir uns nicht in Abhängigkeiten begeben dürfen."
  • Foto: goeb
  • hochgeladen von Dominik Jung

Aufwändiger Prozess

"Das macht man nicht mal eben nebenbei", wirft der Beienbacher Braach ein und sein Sauerländer Kollege vom Hof Richard in der Petmecke bei Grevenbrück ergänzt: "Bei den aktuellen Spritpreisen und dem Einsatz von Mulchern ist das praktisch schon der halbe Kaufpreis. Trotzdem ist es bei gewissen hofnahen Grundstücken für manchen interessant. Ich möchte die Politik bitten: Lasst uns da ein bisschen mehr Spielraum."

Früher war mehr Acker

Ein Umbruchverbot von Wald in waldarmen Gebieten sei nachvollziehbar, sagt Barbara Kruse. "Aber wir haben hier sehr viel Wald und man muss sehen, dass es bei uns früher mehr Ackerfläche gegeben hat als heute." Und schließlich: Auch Direktvermarkter und Ferienhöfe – beides Geschäftsfelder im Aufwind und mit Zukunft  – profitierten von den unterschiedlich landwirtschaftlich genutzten Flächen in Hofnähe.

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

8 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Anzeigen in der Siegener Zeitung
Anzeigen einfach online aufgeben

Egal ob privat oder gewerblich: Mit der Online-Anzeigenannahme der Siegener Zeitung können Kunden ihre Anzeige schnell und unkompliziert über das Internet aufgeben. Die Online-Anzeigenaufgabe bietet ein breites Spektrum an Gestaltungsmöglichkeiten und verschiedene Buchungsoptionen. Viele Kategorien und Muster für AnzeigenWählen Sie die gewünschte Kategorie und ein Anzeigenmuster, gestalten Sie Ihre eigene Anzeige und buchen Sie in der gewünschten Rubrik. Als registrierter Benutzer können Sie...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.