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Corona macht Steuererklärung schwieriger
Lange Gesichter bei Kurzarbeitergeld

Für das Steuerjahr 2020 müssen sich alle auf einiges gefasst machen, meint Steuerberater Rüdiger Stahl.
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ihm Siegen. Eine Berufssparte gehört ganz sicher nicht zu den Corona-Verlierern: die Steuerberater. Im Corona-Jahr 2020 wurden viele Kanzleien geradezu überhäuft mit Arbeit. Wer Corona-Hilfen beantragen wollte, musste im Herbst einen Profi bemühen – selbst einfach mal eben online einen Antrag stellen war nicht mehr erlaubt. Unternehmer brauchten Beratung beim Kurzarbeitergeld, klamme Selbstständige mussten Konzepte für einen zusätzlichen Bankkredit vorlegen. Rüdiger Stahl, Steuerberater aus Deuz, berichtet der SZ aus dem Kanzlei-Alltag.

„Wir sind unterm Strich gut durch die Krise gekommen“, zieht Stahl als Partner der „Steuermanufaktur“ mit knapp 30 Mitarbeitern Bilanz. „Die meisten Mandanten kennen wir natürlich schon jahrelang“, aber Corona brachte auch neue Kundschaft ins Büro.

ihm Siegen. Eine Berufssparte gehört ganz sicher nicht zu den Corona-Verlierern: die Steuerberater. Im Corona-Jahr 2020 wurden viele Kanzleien geradezu überhäuft mit Arbeit. Wer Corona-Hilfen beantragen wollte, musste im Herbst einen Profi bemühen – selbst einfach mal eben online einen Antrag stellen war nicht mehr erlaubt. Unternehmer brauchten Beratung beim Kurzarbeitergeld, klamme Selbstständige mussten Konzepte für einen zusätzlichen Bankkredit vorlegen. Rüdiger Stahl, Steuerberater aus Deuz, berichtet der SZ aus dem Kanzlei-Alltag.

„Wir sind unterm Strich gut durch die Krise gekommen“, zieht Stahl als Partner der „Steuermanufaktur“ mit knapp 30 Mitarbeitern Bilanz. „Die meisten Mandanten kennen wir natürlich schon jahrelang“, aber Corona brachte auch neue Kundschaft ins Büro. Wobei etliche Mandanten die Büroräume der Kanzlei gar nicht betreten haben, denn Beratung per Distanz war stark gefragt.

Er selbst allerdings zieht das Gespräch von Angesicht zu Angesicht immer noch vor. Gerade bei vielen Unternehmern, Gastronomen usw. habe er festgestellt: „Die schaffen das vom Kopf her nicht mehr.“ Der Koch, der sein sorgfältig zubereitetes Stück Fleisch in eine Plastikschale legen muss, statt es auf einem edlen Porzellanteller anzurichten, kommt finanziell einigermaßen über die Runden mit dem To-go-Geschäft. „Aber psychisch ist das für die Leute schlimm.“

Sensible Daten auch in Privaträumen gut schützen

Fast alle Mitarbeiter der Steuermanufaktur sind im Homeoffice. „Das machen wir schon seit Jahren so, das war für uns kein Problem.“ Wichtig: Sensible Daten müssen auch in den Privaträumen der Mitarbeiter gut geschützt werden. Manche Kanzleien mussten das im vergangenen Jahr erst lernen.

Für das Steuerjahr 2020 müssen sich alle auf einiges gefasst machen. Rüdiger Stahl denkt da an das Kurzarbeitergeld. „Das wird ja steuerfrei ausgezahlt, aber es erhöht den Steuersatz. Ein Beispiel: Jemand hat ein Einkommen von 40 000 Euro im Jahr und zahlt darauf 30 Prozent Steuern, die von der Lohnbuchhaltung abgezogen werden. Jetzt bekommt er 10 000 Euro Kurzarbeitergeld. Damit erhöht sich das Einkommen auf 50 000 Euro, und darauf werden 35 Prozent Steuern fällig.“ Das liegt an der Steuerprogression.

Im Ergebnis kann es für viele Kurzarbeiter ein böses Erwachen geben, wenn der Steuerbescheid 2020 kommt. Das Geld ist ohnehin knapp, und dann droht noch eine Steuernachzahlung. Stahl: „Das verstehen viele nicht – und wir schreiben dann auch noch eine Rechnung …“

Steuererklärung bei Kurzarbeitergeld ein Muss

Wer Kurzarbeitergeld bekommen hat, muss eine Steuererklärung abgeben. Tut er das nicht, wird das Finanzamt ihn auffordern. Die Hürde, die Steuererklärung selbst zu machen, ist mit dem neuen Elster-Programm für manche vermutlich noch höher geworden. Ohne PC und besonderes Zertifikat geht hier gar nichts. Stahl: „Das schaffen viele Leute doch gar nicht.“

Wer nicht in Kurzarbeit war, saß womöglich im Homeoffice. Das ist steuerlich eine interessanter Arbeitsplatz. Als Wohltat hat Finanzminister Olaf Scholz die Homeoffice-Pauschale von 5 Euro am Tag verkauft. Maximal 600 Euro im Jahr kann man absetzen. Rüdiger Stahl warnt vor Euphorie: „Man darf nicht vergessen, dass die Fahrten zum Arbeitsplatz ja dann wegfallen.“ Und je nach Strecke stehen sich die Arbeitnehmer mit der Homeoffice-Pauschale deutlich ungünstiger.

Nun können die Beschäftigten natürlich nicht wählen, ob sie die Homeoffice-Pauschale oder die Fahrtkosten absetzen. Wer zu Hause gearbeitet hat, fährt nicht zur Arbeit. Und kann deswegen keine Kilometerkosten geltend machen. Stahl: „Da bin ich mal gespannt, wie viele falsche Steuererklärungen abgegeben werden.“

Kosten für Arbeitszimmer absetzen

Cleveren Steuerzahlern eröffnet Corona womöglich einen Weg, ein häusliches Arbeitszimmer von der Steuer abzusetzen. Das war bisher nur schwer möglich. Im Zuge der Pandemie aber war für viele das Homeoffice, das im besten Fall ein abgeschlossenes Arbeitszimmer war, der einzige Arbeitplatz. Dann können die Kosten für das Arbeitszimmer von der Steuer abgesetzt werden: Strom, Heizung, Kreditkosten, Reinigungskosten usw. – anteilig nach Quadratmetern umgerechnet. Noch ein Tipp des Steuerberaters: „Was viele Leute vergessen, sind die Einrichtungsgegenstände. Bürostuhl, Lampen, Schreibtisch – auch das ist absetzbar“, sagt Rüdiger Stahl. Das gilt übrigens auch, wenn man die Voraussetzungen für ein echtes Arbeitszimmer steuerlich nicht erfüllt.

Das ändert sich für Steuerpflichtige Elster: Das gewohnte Elster-Formular kann für die Steuererklärung 2020 nicht mehr genutzt werden, man braucht jetzt ein Elster-Zertifikat. Registrierung über elster.de. Homeoffice-Pauschale: Für die Steuererklärungen der Jahre 2020 und 2021 kann man einen pauschalen Betrag von 5 Euro für jeden Kalendertag, an dem die gesamte betriebliche oder berufliche Tätigkeit ausschließlich in der häuslichen Wohnung ausgeübt wurde, ansetzen. Diese Pauschale kann an maximal 120 Tagen angesetzt werden, also bis zu einem Höchstbetrag von 600 Euro. Die Pauschale können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Erklärungs-vordruck „Anlage N“ unter „Weitere Werbungskosten“ eintragen. Die Homeoffice-Pauschale wird, wie andere Werbungskosten wie z.B. Weiterbildungskosten und Kosten für Arbeitskleidung, auf den Werbungskostenpauschbetrag von 1000 Euro angerechnet. Kurzarbeitergeld: Nicht neu, aber für viele erstmals relevant: Bürgerinnen und Bürger, die Lohnersatzleistungen von mehr als 410 Euro im Kalenderjahr erhalten haben, sind zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet. Das erhaltene Kurzarbeitergeld sowie ein ggf. vom Arbeitgeber darüber hinaus gezahlter Zuschuss zum Kurzarbeitergeld sind grundsätzlich steuerfrei, unterliegen jedoch dem sogenannten Progressionsvorbehalt. Steuerfreiheit des Corona-Bonus: Sonderleistungen der Arbeitgeber wegen der Corona-Pandemie an ihre Beschäftigten sind bis zur Höhe von insgesamt 1500 Euro steuerfrei. Diese Regelung gilt für Sonderzahlungen ab dem 1. März 2020 und endet zum 30. Juni 2021. Voraussetzung für die Steuerfreiheit ist, dass die Sonderleistung in einem Zusammenhang mit der Corona-Pandemie steht und zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn ausbezahlt wird. Abgabepflicht der Anlage „Corona-Hilfen“: Bürgern, die Einkünfte aus gewerblicher, selbstständiger oder landwirtschaftlicher Tätigkeit erzielen, müssen für das Jahr 2020 die neue Anlage „Corona-Hilfen“ abgeben. Die Anlage ergänzt die Anlagen G, S und L der Einkommensteuererklärung. Die Anlage muss unabhängig davon, ob Corona-Hilfen bezogen wurden, ausgefüllt und abgegeben werden. Erhöhung von Pauschalen: Der Grundfreibetrag für 2020 ist um 240 Euro auf 9408 Euro pro Person gestiegen. Der Kinderfreibetrag und der Freibetrag für den Betreuungs-, Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf eines Kindes steigt im Jahr 2020 auf insgesamt 3906 Euro für jeden Elternteil, also auf 7812 Euro bei einer Zusammenveranlagung. Der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende wird von 1908 Euro auf 4008 Euro pro Jahr erhöht. Die Pauschalen für Verpflegungsmehraufwendungen stiegen ebenfalls.
Für das Steuerjahr 2020 müssen sich alle auf einiges gefasst machen, meint Steuerberater Rüdiger Stahl.
Das gute alte Elster-Formular gibt es nicht
mehr. Die Steuerbürger, die sich selbst durch die Erklärung arbeiten, müssen für 2020 neue Wege gehen. Relativ einfach ist es, die Steuererklärungdirekt im Browser anzulegen. Dann sieht die Oberfläche etwa so aus wie im
Bild.
Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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