„Klick in die Vergangenheit“: Stadtarchiv erinnert an das Ende des Zweiten Weltkriegs
Leben in Bunkern und Stollen

Der Blick vom Nikolaiturm auf die zerstörte Stadt nach dem Angriff vom 16. Dezember 1944.
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  • Der Blick vom Nikolaiturm auf die zerstörte Stadt nach dem Angriff vom 16. Dezember 1944.
  • Foto: Stadtarchiv Siegen
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„sz - Welch ein Hasten und Rennen ums tägliche Brot“: Dokumente zu Not, Propaganda und Überleben im aktuellen "Klick in die Vergangenbeit" im Stadtarchiv Siegen und im Netz.
sz Siegen. In der neuen Ausgabe seines „Klicks in die Vergangenheit“ erinnert das Stadtarchiv Siegen an die Beendigung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft am 9. April 1945 und an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren. Dabei sind einige interessante Fundstücke zu sehen.

Kriegsmüdigkeit schon vor dem 16. Dezember 1944

Bereits vor der Zerstörung Siegens am 16. Dezember 1944 machten sich in Teilen der Zivilbevölkerung Lethargie, Kriegsmüdigkeit und Desillusion breit. Die zermürbenden Fliegerangriffe gingen aber auch danach unvermindert weiter. Durch die Bombardements im Jahr 1945, am 29. Januar, am 1. Februar, am 19. Februar und am 12. März, kamen weitere Zivilisten zu Tode. Der letzte Luftangriff auf Siegen erfolgte am 23. März 1945.
In Anbetracht dieser Gefahrenlage prägte der Aufenthalt in Luftschutzstollen und Bunkern vielfach den Alltag der Bevölkerung. Doch in den Bunkern und Stollen mangelte es an Licht, Luft, Nahrung, Medikamenten und sanitären Anlagen. „Angesichts akuter Existenznöte, hygienischer Missstände und grassierender Krankheiten waren nicht nur Solidaritätsgefühl und selbstlose Hilfsbereitschaft unter den Menschen zu beobachten. Auch Psychosen, Egoismus und Diebstahl waren offenbar an der Tagesordnung“, so Christian Brachthäuser vom Stadtarchiv Siegen nach Sichtung zahlreicher Quellen.

Alltagssorgen in Kriegszeiten werden greifbar

Der Bibliothekar hat Schriftquellen ausgewertet und ausgewählte historische Dokumente aus den Archivbeständen für die kleine Vitrinenausstellung und den Internetauftritt zusammengetragen, der unter dem Motto „Welch ein Hasten und Rennen ums tägliche Brot“ steht: alliierte Flugblätter, nationalsozialistische Propaganda, Lebensmittelmarken und Fotografien. „Auffällig dabei ist, dass die Propaganda der Nationalsozialisten die Alltagssorgen der Bevölkerung und ihre Versorgungsengpässe im Bombenalltag weitgehend ausblendete und sich im Wesentlichen darauf beschränkte, unermüdlich an die Opferbereitschaft der Menschen zu appellieren“, so Brachthäuser.
Am 26. Februar 1945, zwei Wochen nach dem Feuersturm von Dresden mit den unzähligen Toten, verkündeten die Medien auch im Siegerland noch großflächig Hitlers Prognose, dass eine vermeintliche Wende noch in diesem Jahr zugunsten des Deutschen Reichs eintreten werde, ein Trugschluss, wie man weiß.
Der neue „Klick in die Vergangenheit“ zeigt auch, wie sehr sich die Ernährungssituation in den letzten Kriegstagen unter dem Eindruck mangelnden Nachschubs und Auflösungserscheinungen der staatlichen Gewalt zuspitzen sollte. So waren beim Einmarsch amerikanischer Streitkräfte in Siegen am 1. April 1945 infolge zerstörter Bahnlinien und beschädigter Straßenzüge kaum noch Nahrungsmittelvorräte vorhanden. Die ausführliche PDF-Dokumentation ist auf der Homepage www.stadtarchiv-siegen.de abrufbar. Ausgewählte Exponate können in einer Glasvitrine im Lesesaal des Stadtarchivs unter Beachtung der Corona-Auflagen in Augenschein genommen werden.

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Redaktion Kultur

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