Lebendige Tote vor Gericht

Frau regelte ihr Ableben und kassierte Versicherungen ab

mavo Siegen. »Schatz, wir sind jetzt schuldenfrei. Weil ich tot bin«. Knapp drei Monate konnte Manuela H. als Tote ohne Sorgen leben. Der riesige Schuldenberg (fast 250000 e), auf einmal war er von ihr gefallen. Ihrem Mann, dem sie die dunkelroten Zahlen auf den Konten immer verheimlicht hatte, jetzt konnte sie ihm wieder in die Augen schauen. 230000e hatte die Allianz überwiesen, knapp 40000 e die Axa. Die 34-jährige Siegenerin hatte sich für tot erklärt – die Versicherungen fielen auf den Betrug rein.

Die Zuhörer im Saal 183 des Siegener Amtsgerichtes schütteln den Kopf, als Manuela H. dem Gericht erzählt, mit welch einfachen Mitteln sie die Papiere gefälscht hat. Eine Schreibmaschine, ein Kopierer, Klebestift, Schere und Tipp-Ex – das reichte, um die großen Konzerne hinters Licht zu führen.

Ihren eigenen Tod plante die Siegenerin im vergangenen Oktober. Während eines USA-Aufenthaltes organisierte sie sich die Geburtsurkunde einer Amerikanerin, kopierte diese, bastelte daraus später eine Sterbeurkunde. Bei der amerikanischen Polizei meldete sie dann einen Diebstahl, bekam von der Behörde eine entsprechende Bescheinigung ausgestellt. Anschließend besorgte sie sich Unterlagen eines Krankenhauses. Wieder kopierte die 34-Jährige die Papiere, bastelte Briefköpfe. Manuela H. bescheinigte sich damit ihren eigenen Tod. Bei einem Verkehrsunfall sei sie ums Leben gekommen, schrieb sie in ihren Totenschein. Die Unterlagen schickte sie zu fünf Gesellschaften, bei denen sie Risikolebensversicherungen abgeschlossen hatte.

Zwei Gesellschaften zahlten sofort, die anderen drei Versicherungen schauten genauer hin. Rechtsanwalt Christian Schlephorst: »Das musste auffallen. Der englische Text auf der Urkunde war so dilettantisch verfasst. Der konnte von keiner Behörde stammen.« Eine der Gesellschaften ließ den Fall überprüfen. Am 31. Januar nahm die Siegener Polizei die »tote« Betrügerin lebendig in Siegen fest.

Manuela H. gestand dem Haftrichter den Betrug. Richter Klaus-Henner Kühr: »Es bleibt nicht viel zu leugnen, wenn man als Tote lebendig vor dem Richter sitzt.« Trotzdem wertete das Schöffengericht das Geständnis der 34-Jährigen strafmindernd, verurteilte sie zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Schon einmal war Manuela H. der Justiz auffällig geworden: 1993 sorgte sie in Siegen als weibliche Bankräuberin für Schlagzeilen. Kritik übten Staatsanwalt und Verteidiger an dem Verhalten der Banken. Immer wieder hätten diese Manuela H. Geld geliehen. Anwalt Schlephorst: »Obwohl jedem klar sein musste, dass sie das nie zurückzahlen kann.«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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