Lebenslange Haft für Mörder der kleinen Jenisa

Hannover (dpa) - Schuldspruch acht Jahre nach dem Verschwinden der kleinen Jenisa: Wegen Mordes an der Achtjährigen hat das Landgericht Hannover einen Mann zu lebenslanger Haft verurteilt.

Das Gericht befand den 44-Jährigen für schuldig, die Nichte seiner damaligen Lebensgefährtin im Jahr 2007 erschlagen zu haben. Auslöser seien Streitereien mit der Familie der Lebensgefährtin gewesen. «Er hat beschlossen, die Familie in Unglück, in Verzweiflung zu stürzen», sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch in der Urteilsbegründung.

Der Mann ist bereits wegen Mordes an einem anderen Kind - dem kleinen Dano aus Herford - zu lebenslanger Haft verurteilt. Rosenbusch sagte, dass der Angeklagte jetzt mindestens 30 Jahre im Gefängnis bleiben muss.

Mit seinem Urteil entsprach das Schwurgericht der Forderung der Staatsanwaltschaft nach einer lebenslangen Haftstrafe. Die Nebenklage hatte zudem die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und Sicherungsverwahrung gefordert. Die Verteidigerin hatte mangels zwingender Tatbeweise einen Freispruch oder eine Einstellung des Prozesses verlangt.

Schon als Jenisa verschwand, hatten Familie und Fahnder den nun Verurteilten im Visier. Damals kam er aber aus der Untersuchungshaft frei, weil die Polizei ihm nichts nachweisen konnte. Die Leiche des Mädchens blieb verschwunden. Nachdem der Mann im vergangenen Jahr für den Mord an dem fünfjährigen Dano hinter Gitter kam, machten die Ermittler Fortschritte.

Mitgefangene erschlichen sich unter einem Vorwand das Vertrauen des Angeklagten. Dieser gestand ihnen offenbar die Morde an Dano und Jenisa und schilderte, wo er das tote Mädchen versteckt hatte. Die Häftlinge informierten die Justiz. Im Jahr 2014 fand sich schließlich das Skelett von Jenisa.

Was aber trieb den Verurteilten zu seinem Tun? Vor Gericht schwieg er; den Mitgefangenen gab er einen Einblick. Weil er sich als Türke immer wieder von der aus Albanien stammenden Roma-Familie seiner damaligen Partnerin gedemütigt gefühlt haben soll, entschloss er sich demnach als Strafaktion zu dem Verbrechen. Auch Dano soll er aus Rache getötet haben, weil das Kind ebenfalls zur Volksgruppe der albanischen Roma gehörte.

Prozessvorschau Landgericht

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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