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Prozess um Mord in Lennestadt
Lebenslange Haftstrafe

Dieser Mann brachte sein eigenes Kind um.
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mick Siegen/Lennestadt. Es war ein heimtückischer Mord, aber die Schwere der Schuld stellt die 1. Große Kammer des Siegener Landgerichts nicht fest für die Tat vom 3. Mai 2020. Da hatte der geständige Angeklagte seinen dreijährigen Sohn bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und dann in einer Abstellkammer seiner Wohnung im Lennestädter Ortsteil Grevenbrück verbrannt. Anschließend brachte er sich selbst eine – oberflächliche – Messerwunde bei und sprang aus dem Fenster, brach sich mehrere Knochen.
Ein Leben ohne Liebe und mit viel Gewalt
Zwei Dinge sind es, die Richterin Elfriede Dreisbach in ihrer Begründung hervorhebt. Einmal geht sie sehr ausführlich auf das Vorleben sowie das Verhalten des Angeklagten am Tattag ein.

mick Siegen/Lennestadt. Es war ein heimtückischer Mord, aber die Schwere der Schuld stellt die 1. Große Kammer des Siegener Landgerichts nicht fest für die Tat vom 3. Mai 2020. Da hatte der geständige Angeklagte seinen dreijährigen Sohn bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und dann in einer Abstellkammer seiner Wohnung im Lennestädter Ortsteil Grevenbrück verbrannt. Anschließend brachte er sich selbst eine – oberflächliche – Messerwunde bei und sprang aus dem Fenster, brach sich mehrere Knochen.

Ein Leben ohne Liebe und mit viel Gewalt

Zwei Dinge sind es, die Richterin Elfriede Dreisbach in ihrer Begründung hervorhebt. Einmal geht sie sehr ausführlich auf das Vorleben sowie das Verhalten des Angeklagten am Tattag ein. Danach spricht sie über das Für und Wider der besonderen Schwere der Schuld, die eine Entlassung des Mannes vor Ablauf von 15 Jahren unmöglich macht. Dreisbach schildert die Jugend des Täters, der ohne Liebe in Casablanca aufwuchs, in einer Familie, der sein Verhalten und Verbleib völlig gleichgültig war. Die Mutter seines Kindes hatte er 2014 kennengelernt, nach diversen Aufenthalten in ganz Europa, mit vielen Straftaten. Sie war damals 14, sei von der halblegalen Lebensweise des zigfach vorbestraften und deutlich älteren Mannes fasziniert gewesen, von zu Hause weggelaufen, mit ihm durch ganz Deutschland und Teile des Kontinents gezogen. 2015 kehrte sie schwanger zu ihren Eltern zurück, zwang den Angeklagten dazu, bei ihr zu bleiben. Immerhin sei dieser seither nicht mehr straffällig geworden, betont die Vorsitzende.
Eine Zeitlang lebten die beiden Menschen nach der Geburt des Kindes zusammen, dann kam es nach mehreren Gewaltausbrüchen zur Trennung. Corona-bedingt hätten sie im Frühjahr unter sich und ohne die Behörden ausgemacht, wie der Vater sein Kind sehen könne, auch ohne die Mutter. Das erste Mal seien Vater und Sohn zwei Stunden allein gewesen, am Tattag sollte es länger sein. Da erfuhr der Angeklagte von der erneuten Schwangerschaft seiner Ex-Freundin, die sich an jenem 3. Mai nicht wohl fühlte und den Termin absagen wollte. Er reagierte negativ, sie ließ sich überreden, dass er das Kind bei ihren Eltern abholte.

Weiterhin Rätselraten um das Motiv des Vaters

Das Gericht hat, wie schon der Staatsanwalt, kein Motiv feststellen können. „Vielleicht wollte er die Macht der Mutter über sich brechen, indem er das Kind tötete“, überlegt Richterin Dreisbach. Möglicherweise sei es um eine Bestrafung gegangen: „Wir wissen es nicht.“ Das Erwürgen des Kindes stelle jedenfalls Heimtücke dar, was zur Bejahung eines Mordes führe. Auch mit drei Jahren hätte der Junge schon gewusst, wer ihm gut oder schlecht wollte: „Er hat sich arglos beim Papa zum Schlafen hingelegt.“ Grausamkeit als weiteres Motiv wäre nur dann in Betracht gekommen, wenn der Mann sein Kind hätte lebendig verbrennen wollen. Er sei aber davon ausgegangen, es bereits getötet zu haben. Gleichzeitig geht die Richterin – vielleicht auch als Trost für die Familie – davon aus, dass der kleine Junge das Feuer nicht mehr bewusst erlebte, spätestens durch den Hitzeschock starb. Bei der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld kommt eine vorzeitige Strafentlassung nicht in Betracht, wird - zumeist nach 13 Jahren - geprüft, wie lange der Täter über die gewöhnlich zu verbüßenden 15 Jahre in Haft bleiben muss.

Besondere Schwere der Schuld nicht bejaht

Vieles spreche für diese vom Anklagevertreter geforderte Feststellung, sagt die Vorsitzende. Ein Vater, der sein eigenes Kind auf diese Weise töte, seine kriminelle Vergangenheit, die verheerenden Folgen für die Mutter und deren Familie. Zugleich aber habe der Mann ein Geständnis abgelegt und leide nach der Sachverständigen an einer dissozialen Persönlichkeitsstörung. Die sei nicht geeignet, seine Schuldfähigkeit zu beeinträchtigen, führe aber zu einer Sicht auf andere Menschen und die Gesellschaft, die völlig anders ausfalle, als bei anderen Personen. Diese Störung hänge derart eng mit der Tat zusammen, dass sie nicht außer Acht gelassen werden könne. Nach eindringlicher Beratung habe die Kammer die besondere Schwere der Schuld daher nicht bejaht. Als Dreisbach gerade beginnen will, die Rechtsbelehrung zu starten, schüttelt der Täter den Kopf. Er wolle kein Rechtsmittel einlegen, sagt der 34-Jährige, der im Gegensatz zu den vorherigen Verhandlungstagen mit frischgeschorenem Kopf auf der Anklagebank sitzt. Danach greift er zum Mikrofon und möchte erneut mit einer Rechtfertigungsrede beginnen, wird aber unterbrochen.
Dann ist die Sitzung geschlossen.

Dieser Mann brachte sein eigenes Kind um.
Im Prozess um den grausamen Mord in Lennestaft fiel jetzt das Urteil.
Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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