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Bund, Länder und Verbände kündigen intensive ÖPNV-Kampagne an
Leere Züge und volle Straßen

Der ÖPNV hat massiv unter der Corona-Pandemie gelitten. Die Fahrgastzahlen sind enorm zurückgegangen. Nun will die Politik gegen den Negativtrend steuern.
  • Der ÖPNV hat massiv unter der Corona-Pandemie gelitten. Die Fahrgastzahlen sind enorm zurückgegangen. Nun will die Politik gegen den Negativtrend steuern.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

mir Siegen. Wieder einsteigen in Bus und Bahn, das muss noch besser werden. Das tiefe Corona-Loch mit nur 20 Prozent der üblichen Fahrgäste ist zwar vorbei, aber die aktuellen 60 bis 70 Prozent Auslastung reichen nicht. Bund, Länder, kommunale Spitzenverbände und die Unternehmen des öffentlichen Nahverkehrs arbeiten daher gemeinsam an einer Strategie für die Zukunft, sie haben die Besser-Weiter-Kampagne von 2020 neu aufgelegt.

Am Mittwoch gab es dazu eine Auftakt-PK mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer: „2019 hatten wir Fahrgastrekorde, Corona hat alles zunichte gemacht. Wir wollen jetzt Vertrauen zurückgewinnen.“ Allein für die Corona-bedingten Schäden habe der Bund 3,5 Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt.

mir Siegen. Wieder einsteigen in Bus und Bahn, das muss noch besser werden. Das tiefe Corona-Loch mit nur 20 Prozent der üblichen Fahrgäste ist zwar vorbei, aber die aktuellen 60 bis 70 Prozent Auslastung reichen nicht. Bund, Länder, kommunale Spitzenverbände und die Unternehmen des öffentlichen Nahverkehrs arbeiten daher gemeinsam an einer Strategie für die Zukunft, sie haben die Besser-Weiter-Kampagne von 2020 neu aufgelegt.

Am Mittwoch gab es dazu eine Auftakt-PK mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer: „2019 hatten wir Fahrgastrekorde, Corona hat alles zunichte gemacht. Wir wollen jetzt Vertrauen zurückgewinnen.“ Allein für die Corona-bedingten Schäden habe der Bund 3,5 Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt. Zudem versechsfache man die Mittel für Investitionen in den Schienen-ÖPNV.

Menschen dauerhaft von Bus und Bahn überzeugen

Für Hendrik Wüst, den NRW-Verkehrsminister, ist ein attraktives und einfach nutzbares Angebot der zentrale Schlüssel, um die Menschen dauerhaft wieder von Bus und Bahn zu überzeugen. „Deutschland muss wieder Bahnland werden.“ Dafür fließen in NRW 2 Milliarden Euro in eine ÖPNV-Offensive mit einem System-Upgrade für Straßenbahnen, in ländlichen Regionen mit neuen Schnellbuslinien und On-Demand-Shuttles.

Wüst fordert neue Ticketangebote für Pendler, die teils im Homeoffice arbeiten: „Jeden Morgen entscheiden die Arbeitnehmer, es wird wieder viel gefahren und zu viel auf der Straße.“ Auf der Schiene muss sich seiner Ansicht nach vieles tun, zum Beispiel ein einheitlicher Tarif im ganzen Bundesland. Wüst: „Das Tarifzonen-Abi wird keiner mehr brauchen.“ Ziel der Vereinheitlichung ist das Jahresende.

Vertrauen der potenziellen Fahrgäste stärken

Was braucht der ÖPNV bis 2030, um die Klimaschutzziele der EU im Verkehrssektor zu erreichen? Auf 11 Milliarden Euro hat Ingo Wortmann, Präsident des Verbandes Deutscher Verkehrsbetriebe, die Finanzierungslücke für den ÖPNV-Betrieb, nicht die Kaufkosten für Fahrzeuge, beziffert. „Bevor wir aber die Angebote ausbauen, müssen wir das Vertrauen der potenziellen Fahrgäste stärken.“

"Deutschland muss wieder Bahnland werden."
Hendrik Wüst
NRW-Verkehrsminister

Burkhard Jung (früher Gosenbach), Präsident des Deutschen Städtetages und Oberbürgermeister von Leipzig, hat die Länder aufgefordert, „ihr müsst finanziell aufstocken, anders geht es nicht.“ Taktung, Angebot und Sicherheit müssen in Bussen und Bahnen verbessert werden, „erst dann werden sich die Zahlen verbessern“. Jung nannte konkrete Zahlen für Leipzig: „60 Millionen Euro Zuschussbedarf im Jahr haben wir, das Geld erwirtschaften wir in anderen städtischen Eigenbetrieben.“

Zahl der Nichtnutzer von Bussen und Bahnen von 3 auf 12 Prozent gestiegen

Prof. Dr. Barbara Lenz, DLR-Institut für Verkehrsforschung in Berlin, hat präzise Zahlen für die Politik. „Die Mobilität von 2019 ist wieder erreicht. Aber der Pkw-Anteil von 50 Prozent vor Corona ist im Frühjahr 2020 auf 66 Prozent gestiegen und liegt aktuell bei 62 Prozent.“ Die Zahl der Nichtnutzer von Bussen und Bahnen sei von 3 auf 12 Prozent gestiegen. Ihre Erkenntnis wiegt schwer: „Die Leute sitzen im Auto und kommen nicht wieder von allein in den ÖPNV zurück.“

Die Expertin hat einen massiven Grund für diesen Trend ausgemacht, es ist das bei Umfragen unter 1000 Menschen ausgemachte „große Unwohlsein“. Lenz: „Einer der Hauptstörfaktoren ist die Maske. Sie wird falsch getragen, sagen die einen, andere fordern mehr Kontrollen in den Bussen und Bahnen. Die Leute fühlen sich unwohl im ÖPNV.“

Homeoffice auch Grund für niedrige Fahrgastzahlen

Niedrige Fahrgastzahlen liegen auch begründet im boomenden Homeoffice. Zwei Drittel der Befragten ist grundsätzlich zufrieden mit dieser Art der Arbeit, die Hälfte möchte langfristig im Homeoffice bleiben. Lenz: „Dadurch wird die Entfernung zwischen Wohnort und Arbeitsplatz nicht mehr so wichtig für Arbeitnehmer.“

Wie sieht es mit den Preisen aus? Sollten Busse und Bahnen zum Nulltarif fahren? Auch dazu hat die Berliner Verkehrsforscherin eine Meinung: „10 Prozent der Autofahrer werden in den Hauptverkehrszeiten umsteigen.“

Strukturdebatte nach Bundestagswahl

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer fordert für die Zeit nach der Bundestagswahl eine Strukturdebatte. Zusätzliches Geld für Bahnhöfe habe der Bund schon gegeben. Es müssten jetzt auch sichere Radabstellplätze herbei, „wo will ich sonst mit meinem Designer-Rad hin, wenn ich es nicht sicher am Bahnhof abstellen kann?“ Noch ein Schlusswort an die Kämmerer in den Kommunen: „Den Städten und Gemeinden können wir das alles nicht mehr aufladen, da geht nicht“, legte sich Hendrik Wüst jedenfalls für NRW fest.

Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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