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Odyssee für die Ritschers
LEG setzt Familie mit Säugling eiskalt vor die Tür

Sergej und Nessrin Ritscher mit Töchterchen Lea.
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sabe Siegen. Mit Neugeborenem im Corona-Winter vor die Tür gesetzt – kaum vorstellbar, aber der Familie Ritscher aus Siegen so passiert. Der Höhepunkt einer noch immer andauernden, fast halbjährlichen Odyssee, von der Nessrin Ritscher sagt: „Das ist eine Riesen-Schweinerei.“ Im August unterschreiben die Ritschers den Mietvertrag für ihre Wohnung am Wallauer Weg 1, hübsch gelegen am Siegener Giersberg, zugehörig zu einem Gebäudekomplex mit knapp 16 Wohnungen. Eigentümer ist die LEG Immobilien AG, ein deutsches Wohnungsunternehmen mit Sitz in Düsseldorf. Die junge Familie kann den Einzug kaum erwarten – mit dem Umzug geht ein neuer Lebensabschnitt einher. Nessrin Ritscher ist hochschwanger. Die Ritschers wollen sich vergrößern. Aber alles kommt anders als geplant.

sabe Siegen. Mit Neugeborenem im Corona-Winter vor die Tür gesetzt – kaum vorstellbar, aber der Familie Ritscher aus Siegen so passiert. Der Höhepunkt einer noch immer andauernden, fast halbjährlichen Odyssee, von der Nessrin Ritscher sagt: „Das ist eine Riesen-Schweinerei.“ Im August unterschreiben die Ritschers den Mietvertrag für ihre Wohnung am Wallauer Weg 1, hübsch gelegen am Siegener Giersberg, zugehörig zu einem Gebäudekomplex mit knapp 16 Wohnungen. Eigentümer ist die LEG Immobilien AG, ein deutsches Wohnungsunternehmen mit Sitz in Düsseldorf. Die junge Familie kann den Einzug kaum erwarten – mit dem Umzug geht ein neuer Lebensabschnitt einher. Nessrin Ritscher ist hochschwanger. Die Ritschers wollen sich vergrößern. Aber alles kommt anders als geplant. Wirklich eingezogen sind die Ritschers auch jetzt, Ende Januar, noch nicht. Gerade schlafen sie mit Töchterchen Lea in einer Baustelle.

Die kleine Tochter kam Anfang September zur Welt

Rückblick: Als Nessrin Ritscher die Siegener Zeitung am 15. Januar erreicht, klingt sie aufgeregt, aufgebracht, entsetzt. Ihre kleine Tochter, Anfang September auf die Welt gekommen, hört man im Hintergrund brabbeln. Wo sie heute schlafen soll, fragt sie. Jedenfalls nicht in der Wohnung, in der die Familie kurz nach dem Einzug im Oktober, nämlich im November, schwarzen und gelben Schimmel entdeckt hat. Es sind sämtliche Räume in der Wohnung betroffen. Für Lea, sie ist damals knapp einen Monat alt, ist der erhebliche Schimmelbefall gesundheitsschädlich. Für Nessrin Ritscher gleichermaßen, sie leidet an Asthma.
Die LEG verspricht – nach vormals verzweifeltem Ersuchen und Ringen nach Hilfe sowie dem Einschalten eines Anwalts – Nachbesserung. Am 30. Dezember ziehen die Ritschers übergangsweise ins Holiday-Inn. Aber auch diese zweite Übernachtungsoption fällt an besagtem Tag im Januar weg. Die Ritschers müssen mal wieder die Koffer packen. Die LEG hat die Notunterkunft nicht verlängert, obwohl die ehemalige Schimmelwohnung – trotz gesetztem Termin – noch nicht bezugsfertig ist. „Wir wurden praktisch vor die Tür gesetzt.“, sagt Nessrin Ritscher.

LEG entschuldigt sich für die "Unannehmlichkeiten"

Erst einen Tag später bekommt die Familie den Bescheid, während der fortlaufenden Sanierungsarbeiten nun doch zurück ins Hotel zu können. Die Nacht ohne Bleibe verbringen die Ritschers (mal wieder) in der Wohnung von Nessrin Ritschers Eltern. Einer viel zu kleinen Drei-Zimmer-Wohnung, die nicht nur mit Blick auf die Pandemie als schwierige Wohnsituation eingestuft werden kann. Die LEG hat mit Pressesprecher Mischa Lenz andere zeitliche Rahmen im Kopf. In einer Stellungnahme heißt es: „Die Kostenzusage für das Hotel war befristet für die Zeit bis zur geplanten Fertigstellung am 15. Januar. Die Wohnung war dann aber leider, aufgrund besagter schlechter Durchführung und Verzögerung seitens der beauftragten Fachfirma, noch nicht fertig. Die Verlängerung der Kostenzusage und der Wiedereinzug ins Hotel erfolgten noch am gleichen Tage.“ Den Schimmelbefall in der Wohnung und die „entstandenen Unannehmlichkeiten“ wolle man „an dieser Stelle noch einmal entschuldigen“. Auch „dass sich die Beseitigung des Schimmels – entgegen unserer Standards für Kundenservice und Qualität – deutlich verzögert hat. Wir verstehen den Unmut der Familie Ritscher vor diesem Hintergrund selbstverständlich“.

"Der Schimmel wurde einfach überklebt"

Der Eskalation Mitte Januar gehen dabei Monate voll Ärger und Frust voraus: Als die Familie im Herbst begreift, in welchem tatsächlichen Zustand sich die Wohnung befindet, nimmt sie Kontakt zur LEG auf und erhält – „keine Antwort“. Kurz vor Heiligabend sei es gewesen, erinnert sich Nessrin Ritscher, als sie sich nach dem Sichten von Sporen in der Küche und im Schlafzimmer einmal getraut habe, die Tapete anzureißen. „Als ich dieses Ausmaß gesehen habe, habe ich nur die Kleine gepackt und bin zu meinen Eltern.“
Was die Familie dabei besonders ärgert: Mit Blick auf die kurze Mietdauer kann der Schimmelbefall nicht auf falsches Lüftungsverhalten zurückzuführen sein. „Abgesehen davon lüften wir angemessen. Da wurde einfach der Schimmel überklebt, völlig anders, als es uns versprochen wurde. Es wurde nach verbrecherischer Manier gelogen.“ Und noch etwas läuft völlig anders, als es auf der LEG-Website beworben wird: der Kundenkontakt. Mail um Mail schreibt die Familie, um Antworten zu erhalten, Abläufe zu erfahren. Erst bei ihren Eltern, dann im Hotel. Immerhin: Der Aufenthalt dort entzerrt die Situation, ist allerdings keine Dauerlösung, wie nicht nur der Rauswurf durch den nicht verlängerten Beherbergungsvertrag seitens der LEG beweist. Als die Ritschers nach der Januarnacht ohne Bleibe der Hotelaufenthalt doch noch verlängert wird, wird im Verlauf der Woche bekannt, dass Sergej Ritscher positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Wohin also in einer Pandemie ohne bezugsfertiges Heim? „Wir sind jetzt gerade in der Wohnung“, sagt Nessrin Ritscher. „Wir haben uns hierhin zur Quarantäne begeben. Es blieb ja nichts anderes übrig.“

"Das ist hier immer noch kein Zustand"

Jetzt schlafen die Ritschers also im Wohnzimmer auf der Couch, inmitten einer Wohnung, in der nun gerade eine beauftragte Fachfirma das leisten will, was den Ritschers schon im Oktober versprochen wurde: ein ordentliches Zuhause. Jetzt würden also erst einmal die Arbeiten unterbrochen, „damit die Mieter dort nun die restliche nötige Quarantänezeit in Ruhe und in gewohnter Umgebung verbringen können. Der gesamte Schimmel und die wesentlichen Mängel sind nun erfolgreich entfernt worden“, schreibt Mischa Lenz der SZ. Die Restarbeiten erfolgten dann nach der Quarantäne.
Das ist kaum ein Trost. Und, so Nessrin Ritscher: „Das ist hier immer noch kein Zustand. Hier ist nicht tapeziert, keine Raufaser dran. Kein Silikon in den Fugen ...“

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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