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Ärger über „Vorweihnachtsquarantäne“
Lehrer gegen längere Ferien

SSchon am 21. Dezember sollen in diesem Jahr die NRW-Weihnachtsferien beginnen, gemeinsam mit dem kalendarischen Winter – zwei Tage früher als geplant.
  • SSchon am 21. Dezember sollen in diesem Jahr die NRW-Weihnachtsferien beginnen, gemeinsam mit dem kalendarischen Winter – zwei Tage früher als geplant.
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  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

sz Siegen/Bad Berleburg/Olpe. Die Infektionszahlen steigen noch immer, ein Weihnachtsfest unter unbeschwerten Umständen erscheint von Woche zu Woche unwahrscheinlicher. Können ein paar zusätzliche Tage „Vorquarantäne“ durch vorgezogene Weihnachtsferien das Fest noch retten? Das jedenfalls ist die Hoffnung von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Sie hat angekündigt, dass der letzte Schultag des Corona-Jahrs 2020 bereits am 18. Dezember sein soll. Zwei Tage früher als geplant starten damit die Weihnachtsferien, später sollen die versäumten Stunden nachgeholt werden – rund um den Rosenmontag etwa, der Karneval dürfte diesmal ohnehin eher spaßgebremst daher kommen.

sz Siegen/Bad Berleburg/Olpe. Die Infektionszahlen steigen noch immer, ein Weihnachtsfest unter unbeschwerten Umständen erscheint von Woche zu Woche unwahrscheinlicher. Können ein paar zusätzliche Tage „Vorquarantäne“ durch vorgezogene Weihnachtsferien das Fest noch retten? Das jedenfalls ist die Hoffnung von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Sie hat angekündigt, dass der letzte Schultag des Corona-Jahrs 2020 bereits am 18. Dezember sein soll. Zwei Tage früher als geplant starten damit die Weihnachtsferien, später sollen die versäumten Stunden nachgeholt werden – rund um den Rosenmontag etwa, der Karneval dürfte diesmal ohnehin eher spaßgebremst daher kommen.
Wie genau die vorgezogenen Weihnachtsferien umgesetzt werden sollen, das hat die Düsseldorfer Ministerin noch nicht ins Land hinaus kommuniziert. Die Akteure vor Ort warten noch auf die entsprechende „Schulmail“, in der Konkretes zu erfahren sein wird. Dennoch: Kritik wurde schon jetzt laut.

"Wir lehnen diese Maßnahme entschieden ab"

„Wir lehnen diese Maßnahme entschieden ab und möchten die Politik auffordern, ihre Entscheidung zu revidieren“, heißt es in einem offenen Brief der Initiative „Familien in der Krise NRW“. Gerade für berufstätige Eltern entstehe durch die Ferienverlängerung ein ernstes Betreuungsproblem. Die Urlaubsansprüche vieler Arbeitnehmer seien für dieses Jahr längst aufgebraucht. Nicht jeder Beruf könne im Homeoffice ausgeübt werden. Probleme hätten also nicht nur die als „systemrelevant“ eingestuften Berufsgruppen. Die angekündigte Notbetreuung führe kurz vor den Feiertagen noch zu einer eigentlich unerwünschten Durchmischung von Schülern aus verschiedenen Klassenverbänden. Betreuung durch Nachbarn, Freunde und Großeltern sei auch nicht angebracht, das Infektionsrisiko steige damit nur. Besonders hart treffe die Betreuungsnot Alleinerziehende.
Als „gut gemeint, aber leider nicht zu Ende gedacht“ bezeichnet die Bildungsgewerkschaft GEW die vorgezogenen Weihnachtsferien. Karsten Beineke von der GEW in Siegen sieht neben den steigenden Betreuungsproblemen für arbeitende Eltern auch den zusätzlichen Zeitdruck in den Schulen. „Die meisten Klassenarbeiten in diesem Schuljahr müssen bis Weihnachten geschrieben sein.“ Bei maximal zwei bis drei erlaubten Arbeiten pro Woche sei dies sehr knapp. „Schüler können sich weniger gut vorbereiten, schlechtere Noten sind zu befürchten.“

Schulträger warten noch auf  Rückmeldung

Frank Martin Sünkel vom Philologenverband Siegen-Wittgenstein bezeichnet die verlängerten Ferien als „Augenwischerei“. Die Ministerin suggeriere, damit einen aktiven Beitrag zum Gesundheitsschutz zu leisten. Das sei aber unlogisch, wenn in den Schulen die Ansteckungsgefahr doch andererseits als so gering eingestuft werde. Derzeit werde jeder Tag in den Schulen benötigt. Der Zeitplan sei eng gestrickt, besonders für die angehenden Abiturienten. Sinnvoller wäre es aus Sünkels Sicht, Lehrer und Schüler mit FFP2-Masken auszustatten und in mobile Luftfilter zu investieren. Zudem müsse darauf hingewirkt werden, dass der Schulbusverkehr entzerrt werde. Auch über Aufteilung von Klassen und Wechselschichtmodelle müsse nachgedacht werden. Das solle möglichst nicht von oben herab verordnet, sondern vor Ort ausgestaltet werden.
Die Schulträger warten noch auf die Rückmeldung aus Düsseldorf. Bislang, so heißt es auf SZ-Anfrage aus dem Schulministerium, gebe es nur die Grundsatzentscheidung der Ministerin. „In den Gesprächen geht es jetzt vor allem um die Frage, wie der Ausfall der beiden Unterrichtstage im laufenden Schuljahr kompensiert werden kann – im Besonderen für anstehende Prüfungen der Abschlussjahrgänge – und auch, wie eine Notbetreuung für Kinder und Jugendliche an diesen beiden Tagen sichergestellt werden kann.“ „Entsprechende Vorgaben des Landes werden wir natürlich in Abstimmung mit den Schulen und den Betreuungsträgern umsetzen und ansonsten einen gegebenenfalls bestehenden Bedarf ermitteln und entsprechende Angebote für Familien umsetzen“, heißt es von der Pressestelle der Stadt Siegen. Gleiches gilt beispielsweise für Kreuztal, wie Schuldezernentin Edelgard Blümel sagt. Sie sehe sehr wohl die Nöte der Eltern „Es wird aber kein Kind unversorgt auf der Straße stehen.“

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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