Letzte Flick-Disco steht bevor

 800 Karten werden verkauft – so viel Platz gibt die Otto-Flick-Halle zum Abtanzen her. Das Kult-Event der 1980er-Jahre wurde 2009 wiederbelebt. Ende Februar 2017 soll nun aber tatsächlich der Schlussakkord durch die Verstärker wummern. Foto: privat
  • 800 Karten werden verkauft – so viel Platz gibt die Otto-Flick-Halle zum Abtanzen her. Das Kult-Event der 1980er-Jahre wurde 2009 wiederbelebt. Ende Februar 2017 soll nun aber tatsächlich der Schlussakkord durch die Verstärker wummern. Foto: privat
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nja - Nach gut einer Stunde munterer Plauderei voller Reminiszenzen und Einblicke in die heiße Vorbereitungsphase eines zum Kult avancierten Events kam, nahezu beiläufig, eine Hiobsbotschaft für alle Freunde des gepflegten Abrockens und tanzenden In-Erinnerungen-Schwelgens: Die nächste „Flick-Disco“ am 18. Februar kommenden Jahres – die fünfte der „Neuzeit“ – soll tatsächlich die letzte sein. Die „Vereinigung Laute(r) Siegerländer Herren“ ist im persönlichen Zeitalter der „Best-Ager“ angekommen, beruflich und familiär eingebunden und möchte sich nicht mehr im Zwei-Jahres-Rhythmus „ein halbes Jahr Vorbereitungsstress“ antun. Da sind sich die „Godfathers“ der Flick-Disco – Gerhard „Gerti“ Alfes, Julian Benito-Rabenort und der DJ der ersten Stunde – Roland Knebel – einig.

Damals, bei der Geburtsstunde des durchaus das Prädikat „ohrenbetäubend“ verdienenden Events – Anfang der 1970er-Jahre als „Tanztee“ deklariert ging die Premiere in der Kreuzkirche über die Bühne – war noch ein Vierter mit im Boot: „Ur-DJ“ Rainer Schmidt von der damals legendären „Messing Bird Company“. Julian Benito-Rabenort, wie Alfes während der Anfänge als Jugendlicher schon mit von der Partie, ist sich sicher: „Ohne ihn und Roland geht es nicht, ist es nicht mehr die Flick-Disco.“

Diese zog damals rasch unter Federführung der Kreuztaler Jugendpflege in die Otto-Flick-Halle um; für die Premiere des sogenannten „Cola-Balls“ reichte noch das dortige Musikzimmer aus. Alsbald füllte die Veranstaltung die geräumige Halle nebenan. Der Rest ist Geschichte. Pop und Discosounds wurden und werden – dem Namen zum Trotz – an diesen Abenden nicht aufgelegt. Die „lauten Herren“ lassen es auch im Februar wieder mit kernigem Rock aus den 1970ern und 1980ern krachen. Die Bandbreite: von AC/DC bis ZZ Top. Auch auf der Facebook-Seite der selbsternannten „Mutter aller Hallen-Discos“ wird nichts leise geredet: „Laute Musik, nasse Klamotten, drei Tage Pfeifen im Ohr“ – so wird dort die „Einrichtung zur Unterhaltung reifer Menschen“ beworben.

Das war damals so – und so ist es seit 2009 auch alle zwei Jahre wieder. Die Initiative zum Revival ergriff Gerd Alfes. Über den vor sieben Jahren noch prominenten „Wer-kennt-wen“-Kanal wurden alte Seilschaften reaktiviert: Das Helfer-Team besteht nunmehr aus rund 60 Junggebliebenen. Die Stadt Kreuztal war ebenfalls flugs mit im Boot, ist offiziell Veranstalter und stellt die Halle kostenfrei zur Verfügung: Haben sich die „lauten Herren“ doch schließlich auch auf die Fahne geschrieben, den Erlös des Kult-Rockens jeweils sozialen Einrichtungen zugute kommen zu lassen.

Musik und Ambiente sind weitgehend gleich geblieben – Gerd Alfes hat sogar mit viel Freude festgestellt, dass einige Besucher nach 30 Jahren wieder ihre bewährten Stammplätze am Rand der Tanzfläche bezogen haben. Selbst die Kernseife in den sanitären Anlagen sei zumindest die gleiche, und im „Jungs-WC“ hänge immer noch der selbe Vorhang schief. Anders als früher darf nun aber nicht mehr im Gebäude geraucht werden: „Dafür ist jetzt aber auch Alkohol im Ausschank.“ Wer es früher nicht bei Cola und Fanta belassen wollte, musste sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite bei „Benders“ mit Promillehaltigem versorgen. Trotz doppelter Einlasskontrollen gelang es aber auch damals, Alkohol einzuschleusen. Gerd Alfes ist eine vermeintliche „Apfelsaft-Bombe“ – gefüllt mit reinstem Korn – in Erinnerung geblieben.

Zur Höchstzeit – das war eine Weihnachtsdisco – rockten in der Otto-Flick-Halle knapp 1500 Jugendliche ab. Als das ein Stadtbediensteter bemerkte, der eigentlich nur seine Tochter hatte vorbeibringen wollen, zeichnete sich Handlungsbedarf ab: Und so erhielt das Gemäuer einen zusätzlichen Notausgang, wird seitdem die Kasse nach 800 verkauften Tickets geschlossen. Das ist bis heute so. Apropos Tickets. Wann und wo genau der Vorverkauf über die Bühne gehen wird, steht noch nicht fest. Nur so viel: vor Weihnachten. Sponsoren erhalten – unabhängig von der Höhe der Unterstützung – zwei Freitickets, und für Stamm-Gäste, die fern der Heimat leben, werden Eintrittskarten zurückgelegt. Selbst aus Frankreich und den USA reisen treue Seelen an. Der Vorverkauf vor zwei Jahren war übrigens nach 20 Minuten erledigt. Ob im Schlagregen oder bei bitterer Kälte und Eisglätte: Wahre Fans hält fast nichts ab. Da wird auch schon mal der Holzkohlegrill angeworfen, um das Warten erträglicher zu machen. Gut drei Generationen fühlen sich mittlerweile angesprochen und wollen gerne mitfeiern. Der Eintritt kostet dieses Mal 10 plus 1 Extra-Euro, denn das Ticket ist sogleich Losnummer für eine Tombola mit drei „richtig guten Preisen“, wird versprochen. Jeder Cent, der nach der Veranstaltung übrig bleibt, wird wieder gespendet. Den ehrenamtlichen Organisatoren und den vielen Helfern sind dies und die gute Laune der Gäste „Lohn“ genug.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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