Letzter Halt ist der Unruhestand

 Nach fast 48 Jahren als Eisenbahner hatte Peter Herling (2. v. r.) gestern seinen letzten Arbeitstag. Unter anderem Armin Simon als Arbeitsgebietsleiter Betrieb Regionalnetz Bergisch-Märkisches Land (r.) verabschiedete ihn in den Ruhestand. Foto: Timo Karl
  • Nach fast 48 Jahren als Eisenbahner hatte Peter Herling (2. v. r.) gestern seinen letzten Arbeitstag. Unter anderem Armin Simon als Arbeitsgebietsleiter Betrieb Regionalnetz Bergisch-Märkisches Land (r.) verabschiedete ihn in den Ruhestand. Foto: Timo Karl
  • hochgeladen von Archiv-Artikel Siegener Zeitung

tika - Großer Bahnhof für einen verdienten Eisenbahner: Mit Herz und Seele war Peter Herling fast 48 Jahre für die Deutsche Bahn tätig. Er kennt sämtliche Bahnhöfe und Stellwerke im Altkreis Wittgenstein. Nun allerdings hat er seine ganz persönliche Endstation erreicht, der 65-jährige Erndtebrücker hat am Donnerstag seinen offiziell letzten Arbeitstag im neuen Stellwerk in der Edergemeinde absolviert. „Da hat man positive und negative Gefühle“, erklärte Peter Herling. Einfach fiel ihm der Abschied nicht, mit ein wenig Humor versuchte er den Moment etwas aufzulockern: „Zur Frühschicht muss ich jetzt nicht mehr um 3 Uhr aufstehen.“

Seinen letzten Arbeitstag feierte der neue Pensionär gemeinsam mit Kollegen und alten Weggefährten. „Ich habe nicht erwartet, dass so viele von Euch hier sind“, bekannte Peter Herling im neuen Stellwerk am Bahnhof in Erndtebrück. In seiner Dienstzeit – sie begann am 1. September 1971 – war der Bundesbahnbeamte in der Fahrkartenausgabe, in der Güterabfertigung, am Gepäckschalter und eben in den Stellwerken tätig, „alles, was man eben so macht“, konstatierte er. In seiner beruflichen Karriere hat er dabei vor allem den Standort Erndtebrück geprägt wie kein zweiter. „Er ist ein Urgestein. Daher markiert dieser Tag einen bedeutenden Abschnitt, der zu Ende geht“, erklärte Armin Simon. Der Arbeitsgebietsleiter Betrieb Regionalnetz Bergisch-Märkisches Land der DB Netz zollte Peter Herling Respekt. Nicht zuletzt deshalb, weil der Erndtebrücker stets mit der Zeit gegangen war – bis zum Schluss.

Die letzte Schicht im alten, mechanischen Stellwerk in Erndtebrück hatte Peter Herling verrichtet – und zugleich auch die erste Schicht nur wenige Meter Luftlinie weiter im neuen, digitalen. „Ich habe ihn als interessierten Menschen wahrgenommen. An ihm können sich viele Menschen ein Beispiel nehmen, er hat sich wirklich technik-affin und begeistert gezeigt. Respekt! Chapeau“, lobte Armin Simon das große Engagement des passionierten Eisenbahners.

Organisiert hatten Peter Herlings Kollegen die Feierstunde mit musikalischer Begleitung durch Manuel Burk (Erndtebrück) und Michelle Basic (Elsoff) im Erndtebrücker Stellwerk – aus gutem Grund: „Peter ist ein außergewöhnlicher Kollege, ein Eisenbahner mit Herz, der immer da war. Die Kunden und das Thema Kollegialität zählten für ihn immer. Er war Herz und Seele für uns. Dass all dies hier etwas besonderes ist, das verdanken wir ihm“, erklärte Horst-Günter Linde als einer der Kollegen aus dem Stellwerk. Nicht nur seine direkten Kollegen, sondern auch zahlreiche Weggefährten hatten den Weg in die Edergemeinde gefunden. „Du warst immer bei uns, direkt an der Basis und hast die Weichen in die richtige Richtung gestellt“, betonte Marek Bäumener aus der Betriebsleitung der Hessischen Landesbahn, die die Zugstrecke zwischen Bad Berleburg, Erndtebrück und Siegen bis – inzwischen – nach Betzdorf befährt. Eines machten dabei alle Gratulanten deutlich: Peter Herling hat den Standort Erndtebrück maßgeblich mit entwickelt.

„Erndtebrück war immer ein Eisenbahnerdorf durch und durch. Und Peter hat diesen Standort geprägt“, konstatierte Karl-Ludwig Völkel, der in seiner Zeit als Bürgermeister der Edergemeinde des Öfteren mit Peter Herling zusammengearbeitet hatte. Tatsächlich ist der Erndtebrücker, der ab heute in den Ruhestand geht, Eisenbahner durch und durch. Er engagiert sich – auch weiterhin – als Fahrer und demnächst wohl Fahrdienstleiter für den Bürgerbusverein Erndtebrück. Daher ließ er bei der gestrigen Gelegenheit auch verlauten, dass der Verein im März einen neuen Bürgerbus auf die Straße bringt – der insgesamt dritte bislang.

Zudem war und ist Peter Herling im Arbeitskreis Schienenverkehr Südwestfalen aktiv, der in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag feiert. Seine Arbeit hat ihn also stets auch in seinem Privatleben begleitet und beschäftigt. Und insofern ist es wohl eher der Begriff des Unruhestands, der für seinen neuen Lebensabschnitt zutreffend ist. Denn: Zumindest bis August bleibt Peter Herling dem Stellwerk in Erndtebrück und seinen Kollegen noch erhalten – bis dahin will er in Teilzeit arbeiten.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.