Licht- und Schattengestalt

Bei der Zugabe in der Samstagsvorstellung im Apollo-Theater drehte das Ensemble um „Evita“-Darstellerin Julia Hansen (vorn) noch einmal ordentlich auf.  Foto: aww
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aww Siegen. Evita – eine Lichtgestalt, deren Leuchtkraft von manchem Schatten getrübt wird. Eine zwiespältige Persönlichkeit, einerseits zielstrebig und skrupellos den eigenen Aufstieg verfolgend, dann wieder den Armen, den Unterprivilegierten Robin-Hood-artig zugetan, von den Mächtigen, den Wohlhabenden gehasst, vom Volk in eine Art Heiligenstand erhoben. Dieses Bild vom Mythos Eva Perón, der Argentinierin, die aus einfachsten Verhältnissen heraus zuerst als Schauspielerin, dann als First Lady zu Ruhm und Ansehen gelangt, zeichnet Andrew Lloyd Webbers Erfolgs-Musical „Evita“ zu Texten von Tim Rice mit großer Eindrücklichkeit.

Die kritischen Aspekte in puncto Evita indes überwiegen – Che, angelehnt an den nicht minder legendären Revolutionär Guevara, ist dafür verantwortlich. Er ist der Gegenspieler Evas, derjenige, der dem Publikum die zweifelhaften Machenschaften der Titelheldin vor Augen führen will. Einer „Heldin“, die etwa die Männer wechselt wie die Unterwäsche, um im Showbusiness Fuß zu fassen. Einer Heldin mit Stiftung für die Armen und Schweizer Nummernkonto. Julia Hansen verkörperte am Samstagabend im voll besetzten Siegener Apollo-Theater die Evita eindrucksvoll (insgesamt gab es drei Aufführungen am Wochenende, für den gestrigen Sonntag war wegen der großen Nachfrage eine Zusatzvorstellung anberaumt worden). Die Darstellerin vom Deutschen Theater in Göttingen, das das Musiktheaterstück in einer Inszenierung von Tobias Bonn in der deutschen Fassung von Michael Kunze gab, gefiel mit einer großen schauspielerischen Ausdruckspalette zwischen kühl-tougher, berechnender Macherin, sinnlich-erotischem Vamp, auf internationaler Ebene (teil-)gescheiterter Staatsrepräsentantin und schließlich in jungen Jahren Krankheit und körperlichem Verfall hilflos gegenüberstehender Frau.

Gesanglich lieferte Julia Hansen (nicht nur mit „Wein nicht um mich, Argentinien“) sehr Überzeugendes, war darin den meisten ihrer Kollegen überlegen, die nicht immer exakt intonierten. Anrührend sang aber auch Sarah Hostettler Peróns Geliebte. Darstellerisch agierte das gesamte Ensemble vor imposantem Bühnenbild auf hohem Niveau. Genannt seien Hans-Caspar Gattiker als erzählender, jugendlich wirkender Che, der ein gerüttelt Maß Energie mit auf die Bühne brachte, und Johannes Granzer als Perón, der seine Figur mit einer gewissen Würde des Staatsmannes ausstattete, aber auch ihre Abhängigkeit von Evita deutlich herausarbeitete.

Das dankbare Publikum applaudierte am Ende der kurzweiligen, teils witzig choreografierten Szenenreihung kräftig und wurde mit Zugaben belohnt. Besonderen Beifall erhielt ganz zu Recht das Orchester (musikalische Leitung/Arrangement: Hans Kaul), das tadellos musizierte.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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