SZ

Holzbranche kämpft mit Problemen
Lieferengpässe und Preisexplosion

Sie freuen sich über jede Holzlieferung: die Brüder Tim und David Häner (v. l.) vom gleichnamigen Hausbau- und Zimmereibetrieb in Gerlingen.
  • Sie freuen sich über jede Holzlieferung: die Brüder Tim und David Häner (v. l.) vom gleichnamigen Hausbau- und Zimmereibetrieb in Gerlingen.
  • Foto: Holger Böhler
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

hobö Olpe/Siegen. Vordergründig wirkt der Zustand absurd: Überall im Sauer- und im Siegerland werden zurzeit riesige Waldflächen niedergelegt und bis heute nie gekannt Mengen an Holz geerntet. Tischler, Zimmerer, Baufirmen und Großhandel aber klagen über Lieferengpässe, leere Lager und exorbitante Preissteigerungen. Wie passt das zusammen? Die SZ ging dieser Frage nach und beleuchtet die Auswirkungen.

Die Holzvermarktung ist nicht zuletzt wegen der verschiedensten Waldeigentümer und deren Vertriebswegen ein komplexes Konstrukt. Und noch komplexer erscheinen die Gründe für die hierzulande vorherrschende Holzknappheit und die stetig steigenden Kosten (vergl. gesonderten Bericht).

hobö Olpe/Siegen. Vordergründig wirkt der Zustand absurd: Überall im Sauer- und im Siegerland werden zurzeit riesige Waldflächen niedergelegt und bis heute nie gekannt Mengen an Holz geerntet. Tischler, Zimmerer, Baufirmen und Großhandel aber klagen über Lieferengpässe, leere Lager und exorbitante Preissteigerungen. Wie passt das zusammen? Die SZ ging dieser Frage nach und beleuchtet die Auswirkungen.

Die Holzvermarktung ist nicht zuletzt wegen der verschiedensten Waldeigentümer und deren Vertriebswegen ein komplexes Konstrukt. Und noch komplexer erscheinen die Gründe für die hierzulande vorherrschende Holzknappheit und die stetig steigenden Kosten (vergl. gesonderten Bericht). Sicher vorhersehbar ist: Der Rohstoff Holz sowie alle aus ihm gewonnenen Produkte werden immer teurer – mit allen Konsequenzen für die Anbieter von Holzerzeugnissen wie für die Endkunden.
„Holz wird sehr, sehr rar werden, insbesondere hier in der Region“, sagt Thorsten Reuber. Er ist Geschäftsführer der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Olpe, die die Holzvermarktung für das Gros des privaten und kommunalen Waldes im Kreis Olpe betreibt. Daher klingen seine empirisch untermauerten Worte wenig verheißungsvoll.

"Riesiger Holzhunger" in Übersee

Frank Klein, Geschäftsführer bei Holz Münker in Birlenbach, erklärt, dass der Bedarf an Holz schon heute nicht mehr gedeckt werden könne. Jedenfalls nicht mehr in der hiesigen Region sowie in weiten Teilen Europas. Die Menge fehlt, und die Preise explodieren – keine guten Voraussetzungen für all jene, die auf Holz angewiesen sind.

Wartezeit mehr als verdoppelt

Dazu zählt auch Tim Häner, der zusammen mit seinem Vater Peter das Unternehmen Häner Zimmerei und Hausbau in nunmehr sechster Generation in Gerlingen führt. Das mittelständische Unternehmen mit 22 Mitarbeitern verarbeitet im Jahr etwa 1300 Kubikmeter bzw. 88 000 laufende Meter Konstruktionsholz. Habe er bis vor Kurzem das Holz eine bis zwei Wochen nach Bestellung erhalten, müsse er jetzt mindestens fünf bis sieben darauf warten.

Während der Kubikmeterpreis für Konstruktionsvollholz von Juni 2019 bis September 2020 in etwa gleich geblieben sei, sei dieser bis Jahresende um 13 Prozentpunkte angestiegen, im Februar um weitere sieben und allein im März 2021 sogar um satte 45 Prozentpunkte. Der Trend zeigt weiter nach oben. Früher habe der Preis für ein Jahr gegolten, so Tim Häner, dann für einige Monate, heute ändere er sich wöchentlich bis hin zu täglich. Dies führe unter anderem zu enormen Schwierigkeiten, Angebote zu schreiben. Insbesondere, wenn es sich gleich um ein ganzes Haus handele, das in einem halben oder in einem Jahr aufgebaut werden solle. „Das ist ein Riesenproblem, das den Kunden zu erklären.“

Angebote gelten nur noch befristet

„Wir befristen jedes Angebot mittlerweile auf fünf Tage“, beschreibt Frank Klein das Problem der nahezu täglich steigenden Holzpreise. Als Geschäftsführer des Holzgroßhandels bleibe eigentlich keine Zeit mehr, mit Kunden zu sprechen. Er telefoniere im Grunde nur noch, um überhaupt Material zu bekommen.
Die Unsicherheit, Holz zu erhalten und zu welchem Preis, befeuere die negative Systematik in der Branche zusehends. „Wir sehen auch den ,Klopapier-Effekt’: Es wird bis unters Dach gebunkert“, zieht Klein Parallelen zu den Hamsterkäufen beim ersten Corona-Lockdown.

„Auf dem Markt fehlen Unmengen an Holz.“ Diese Aussage bezieht sich übrigens nicht nur auf Rohholz, sondern ebenfalls auf Werkstoffplatten und andere Holzprodukte. Die Baubranche wird überdies gebeutelt, weil Materialien wie Zement, Dämmstoffe und andere rar geworden sind (wir berichten noch).

Borkenkäfer-Fichten nur bedingt verwertbar

Die Fichten, die derzeit in den hiesigen Wäldern tausendfach geschlagen werden, eignen sich aufgrund des Borkenkäfer-Befalls nur bedingt für die Weiterverarbeitung. Für Sichtbereiche kann das Holz zumeist nicht mehr genutzt werden. Für konstruktive Zwecke ist eine Nutzung nach Auskunft der Experten nur möglich, wenn es sehr schnell aus dem Wald zur Säge gelangt. Die Sägewerke wollen die immensen Mengen daher nicht vollumfänglich, zumal die Ernte oft nicht besonders sorgsam erfolgt und weitere Schäden entstehen. Hier ist für die beauftragten Firmen offensichtlich Schnelligkeit das Gebot der Stunde.

Folglich landen viele Stämme nicht auf dem Tisch der heimischen Säger, sondern bereits in den Wäldern in Übersee-Containern, die überwiegend über die Niederlande direkt nach Asien und hier vor allem China verschifft werden.

Tausende Kubikmeter Holz, die in vielen Jahrzehnten in den heimischen Wäldern gewachsen sind, werden so binnen weniger Wochen aus der Region, dem Land und sogar von dem Kontinent verschifft. Das Nachwachsen wird wieder Jahrzehnte dauern. Ein Dilemma für die Waldbauern. Und woher der Rohstoff Holz mittelfristig bezogen wird? Keiner weiß es derzeit so wirklich.

Die Aussichten für das holzverarbeitende Gewerbe und die Endkunden sind in Summe also alles andere als rosig. Frank Klein glaubt: „In normale Fahrwasser werden wir so schnell nicht zurückkehren. Da so viele Puzzleteile zu der Entwicklung geführt haben, reicht es nicht, einen einzigen Schalter umzulegen.“

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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